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Auf dem Weg nach ganz oben

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Laura Katherina Handler bewies, begleitet von Tomoko Sawallisch am Flügel, ihr Können in der Villa Sawallisch in Grassau. (Foto: Benekam)

»Stars von morgen« war der Titel des Konzerts, bei dem zwei aufstrebende, noch sehr junge Violinistinnen im Kammermusiksaal der Villa Sawallisch in Grassau vier Werke für Violine und Klavier interpretiert haben: Maya Wichert, 2006 in München geboren, genießt seit ihrem 4. Lebensjahr Violinenunterricht. Laura Katherina Handler, 1998 in München geboren, begann in ihrem 6. Lebensjahr sowohl mit Gesangs- als auch Violinenunterricht.


Zusammen zeigten sie den Zuhörern im ausverkauften Kammermusiksaal, wie so ein Weg nach oben aussieht, oder besser gesagt, wie sich das anhört, wenn Sternchen aufgehen.

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Den ersten Konzertteil bestritt Maya Wichert mit der Chaconne in g-Moll von Tomaso Antonio Vitali (1763 bis 1745) und Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr. 5, F-Dur op. 24 »Frühlingssonate«. Die junge Künstlerin betrat die Bühne in schwarzer Jeans und eleganter rosa Bluse – auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager. Bis sie den Bogen ansetzte und ihre Violine erklingen ließ: Sie traf nicht nur den Ton, sondern legte auch Tiefe, Gefühl und innigen Ausdruck in ihre Interpretation hinein – ganz so, als sei es das Selbstverständlichste der Welt und in einer Weise, dass dem Publikum im besten Wortsinn Hören und Sehen verging: Ihre Finger rasten mit dem Geigenbogen um die Wette, komplizierte Grifftechniken und Bogenführungen muteten wie ein Kinderspiel an. Genauso bewältigte Maya Wichert Beethovens Sonate Nr. 5 – mit einer faszinierenden Mischung von Präzision und Emotionalität.

Nach der Pause stand Laura Katherina Handler vor dem Flügel, an dem Tomoko Sawallisch mit enormer Wachheit und intensiver musikalischer Zugewandtheit agierte. Katherina Handler strahlte auf ganz andere Weise: Sanfter, schon gereifter und – wie es schien – mit etwas mehr Zurückhaltung in den schwierigen Passagen. Dennoch tauchte sie mit Haut und Haar in die von ihr interpretierten Werke ein: Das Waltz-Scherzo op. 34 von Peter Iljitsch Tschaikowsky und die Sonate für Klavier und Violine Nr. 9, A-Dur op. 47 bot sie mit betörender Klangschönheit bis ins feinste Detail und in elegantem Ton dar.

Beide aufgehenden Violinen-Virtuosinnen haben offenbar bereits verstanden und verinnerlicht, wie wichtig das feine und ausgefeilte Nuancieren ist und wie sehr es auf jedes einzelne Vibrato ankommt, um die exakte Musikalität eines Werks einzufangen. Aus genau diesen Gründen reagierten auch die restlos begeisterten Zuhörer mit euphorischem Applaus und Bravo-Rufen, nicht zuletzt auch für das so fantastische Klavierspiel der Pianistin Tomoko Sawallisch.

Das Konzert hinterließ bei den Zuhörern das Gefühl, »auf Wolken zu gehen«, also den Sternen für einen Moment ein wenig näher gekommen zu sein. Kirsten Benekam