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Asylbewerber unzufrieden über Unterkunft

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Ahmed Sandeh (l.) und Michael Kidane fühlen sich in der Unterkunft in Bayerisch Gmain schlecht untergebracht. (Foto: Hudelist)

Bayerisch Gmain – Zehn Asylbewerber aus Eritrea hatten am Montag kurzfristig das Landratsamt besetzt, um sich über die Unterkunft in Bayerisch Gmain zu beschweren (wir berichteten). Gestern gab es in der betroffenen Unterkunft »Bauerngirgl« eine Versammlung aller Bewohner mit dem Wirt und Vertretern der Ausländerbehörde (siehe eigener Bericht). Zwei Asylbewerber hatten bereits vor dem Treffen dem »Berchtesgadener Anzeiger« die vermeintlichen Missstände geschildert: Die Essensportionen seien zu klein, die Zimmer überbelegt und Kinder würden frieren. Caritas-Betreuerin Johanna Flach bestätigt einen »militärischen Ton« des Wirtes, generell herrsche eine feindselige Stimmung.


Ahmed Sandeh aus Syrien und Michael Kidane aus Eritrea sind zwei Asylbewerber, die in Bayerisch Gmain untergebracht sind und die ihrer Meinung nach untragbare Situation schildern. So berichtet der 22-jährige Sandeh auf Englisch von einer aggressiven Stimmung im Haus, »der Betreiber will nicht mit uns reden«. Beim Essen sei das Hauptproblem, dass die Portionen sehr klein seien, »zu jeder Mahlzeit gibt es nur ein Stück Brot. Wenn jemand ein zweites Stück will, verweigert er das«, so der ehemalige Kunststudent. Am Abend würde es zum Beispiel oft kleine, harte Pizzen geben, selbst Kinder würden oft hungrig ins Bett gehen. »Seit einer Woche sind vier Familien in einer Art Hungerstreik und weigern sich, in der Unterkunft zu essen, sie ernähren sich von Chips und anderen Lebensmitteln«, berichtet Sandeh.

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Auch der 25-jährige Kidane erzählt von zu kleinen Portionen, »wenn wir eine zweite Portion wollen, sagt er immer Nein«. Er hat auch Kontakt zu Flüchtlingen in anderen Unterkünften und weiß, dass dort selbst gekocht werden darf.

Zu eng, zu kalt

Neben dem Essen beklagen die Flüchtlinge die engen Verhältnisse in der Unterkunft. »In einem Raum waren fünf Flüchtlinge, vier davon wurden in einen anderen Ort verlegt, der verbleibende wurde einfach in ein anderes Zimmer gesteckt, in dem schon acht Personen waren«, schildert Kidane. Zudem sei am Abend keinerlei Hilfe oder Ansprechperson im Haus. »Eine Frau ist zum Beispiel in der Nacht krank geworden und hätte einen Arzt gebraucht. Wir haben bei der Wohnung des Betreibers geklopft, aber niemand hat geöffnet.« Zudem würde jetzt im Winter die Heizung am Abend gedrosselt oder abgeschaltet, »Kinder können nicht schlafen, weil sie frieren«, sagt Ahmed Sandeh.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte Franz Berger als Betreiber der Unterkunft mit den Vorwürfen konfrontieren und ihm Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben. Berger reagierte allerdings weder auf zwei Anfragen per Mail noch auf Anrufe.

Statt 30 sind 60 Flüchtlinge untergebracht

Die Aussagen der beiden Flüchtlinge decken sich allerdings teilweise mit Schilderungen von Helfern. Sepp Jostl als Flüchtlingskoordinator der Caritas im Landkreis und Johanna Flach als Caritas-Betreuerin vor Ort sprechen ebenfalls von Missständen in der Unterkunft in Bayerisch Gmain. »Es sind dort einfach zu viele Asylbewerber untergebracht«, so Jostl, »wir haben schon vor Wochen ersucht, statt 40 höchstens 30 Personen in dem Haus unterzubringen.« Allerdings sei genau das Gegenteil passiert, man habe bis zu 60 Personen in das Haus gebracht.

Von der Enge abgesehen, sprechen die Caritas- Mitarbeiter auch von einer »sehr feindseligen Stimmung im Haus«. Es habe schon viele Treffen der Behördenvertreter mit dem Wirt gegeben, »dann ist es aber nur für einige Tage besser geworden«, so Flach.

So fehle im Haus zum Beispiel ein in anderen Unterkünften üblicher Aufenthaltsraum, »der Betreiber sperrt den Speiseraum nach dem Essen meistens zu, das heißt, die Asylbewerber müssen sich den ganzen Tag in den Zimmern aufhalten«. Auch das Essen ist immer wieder ein Grund zur Klage, denn in Bayerisch Gmain können die Flüchtlinge nicht selbst kochen, sondern werden vom Wirt bekocht. »Viele Asylbewerber sind einfach eine andere Zubereitung gewohnt, aber der Wirt will sich darauf nicht einstellen«, so Flach. »Die Mütter würden gerne mitkochen, aber das lehnt der Betreiber ab«, in anderen Unterkünften mit Vollverpflegung wie zum Beispiel in Berchtesgaden funktioniere das im Vergleich einwandfrei.

Auch die Stimmung im Haus beschreibt Flach als »feindselig«, der Betreiber neige dazu, alles »militärisch zu organisieren«. So sei die Essensausgabe um Punkt 13 Uhr, wer zu spät kommt, bekomme nichts mehr. Auch Jostl hat nach seinen Besuchen den Eindruck gewonnen, dass der Betreiber die Asylbewerber eher unfreundlich behandle, auch auf das Fehlen eines Aufenthaltsraumes habe die Caritas immer wieder hingewiesen. Michael Hudelist

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