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Astrid Lindgrens Welt bei Schweden-Ausstellung in Waging

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Waging: Astrid Lindgrens Welt bei Schweden-Ausstellung im Fokus
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Foto: Bildmakarna Berg AB/Björn Berg

Waging am See – 20 Jahre haben Peter Syr und seine Frau Angie Loncle in Schweden gelebt. Irgendwann hatte eine Freundin nebenbei erwähnt: »Bei den Michel-Filmen haben wir alle mitgespielt.« Viele Bewohner der Gegend hatten an den drei Filmen als Statisten mitgewirkt. Peter Syr war elektrisiert: Darüber machen wir eine Ausstellung. Die interessante und lustige Präsentation wurde nun auch in Waging gezeigt.


Peter Syr und seine Frau sind vor Jahren wieder nach Bayern, nach Haag, zurückgekehrt. Die Ausstellung, die nicht nur in Schweden, sondern auch hier in der Region gezeigt worden war, basiert wesentlich auf Erinnerungen und privaten Fotos jener Statisten der »Michel«-Filme.

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Syr hatte über Zeitungsinserate ein Treffen der ehemaligen Statisten organisiert – und die Einladung war begeistert aufgenommen worden. Viele Erinnerungen und Anekdoten waren dabei gesammelt, viele Fotos beigesteuert worden, »alles private, zuvor unveröffentlichte Fotos«, wie Syr betonte – und vieles davon konnte man auf den Plakattafeln in der Tourist-Info Waging sehen.

Da erfährt der Besucher, dass die auf den Erzählungen von Astrid Lindgren basierenden Filme mit einfachsten Mitteln gedreht wurden. In bestehende Gebäude, etwa die Volkshochschule, wurden von örtlichen Schreinern die notwendigen Räume eingebaut, die Kulissen von regionalen Malern gestaltet.

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Foto: Bildmakarna Berg AB/Björn Berg

In den Begleittexten erfährt man, dass nicht immer alles gleich geklappt hat. So musste die Schauspielerin von Michels Schwester Ida mit viel Eis gelockt werden, ehe es sich ein paar Meter die Fahnenstange hinauf hieven ließ. Im Film sieht man ganz oben auf der Fahnenstange natürlich eine Puppe. Und auch eine Frau, die in voller Montur ins Wasser gehen sollte, musste offenbar überredet werden, bis sie sich überwand, das schöne Kleid so zu misshandeln.

Das Schwein beim »Nüchternheitseid« war nur mit viel Mühe in den Raum zu bewegen, in dem viele Menschen waren. Drei Schweine waren Teil der Truppe, denn »jedes von ihnen konnte etwas anderes.« In den Pausen wurden die Kinder in den Drehpausen mit Eis und Vorlesen bei Laune gehalten, mussten sie doch in der warmen Kleidung von vor 100 Jahren aushalten und in die von den Frauen am Ort selbst gestrickten Strümpfe schlüpfen, die übel kratzten und juckten. Waren auch Personen und konkrete Vorkommnisse der Filme fiktiv, wurden doch die Lebensumstände der Menschen sehr authentisch dargestellt, etwa in den Szenen aus dem Armenhaus oder beim »Hausverhör«.

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Angeregte Unterhaltungen gab es bei der Ausstellung über die »Michel«-Filme in Waging. (Foto: H. Eder)

Der Ortspfarrer kam immer wieder mal zu seinen Schäfchen, erzählte religiöse Geschichten und prüfte auch das Bibel-Wissen der Leute – so wie in der bekannten Filmszene, als er über Adam und Eva sprach und danach von der Magd Lina wissen wollte, wer die ersten Menschen waren. »Thor und Freya«, war die Antwort, für die sich ihre Dienstherrin sehr schämte. Der Hof, auf dem Michels Familie in den Filmen lebte, den gibt es nach wie vor, er kann sogar von außen besichtigt, der Garten begangen werden, obwohl Leute im Haus wohnen.

Seit vielen Jahren gibt es am Schauplatz der Filme ein Kinderfilm-Museum. Einer der Väter dieses Projekts ist Peter Syr. Seine Idee war es, ein Michel-Museum zu gründen, um in diese verlassene Gegend von Småland Touristen zu locken. Im Laufe der Gespräche entstand dann das Kinderfilm-Museum, in dem es nicht nur um Michel, sondern auch um die Kinder von Bullerbü und ähnliche Filme geht.

Bürgermeister Matthias Baderhuber hatte sich kundig gemacht über Småland und stellte viele Ähnlichkeiten mit Bayern fest. »Die Småländer sind in Schweden wie die Bayern in Deutschland: Sie werden gleichzeitig bewundert und belächelt.« Zu Gast bei der Ausstellung war auch eine »leibhaftige« Schwedin: Catharina Mainka aus Stockholm lebt schon seit über 40 Jahren in Taching und nutzte nur zu gern die Gelegenheit, sich mit Peter Syr in ihrer Mutterstprache zu unterhalten. he