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Artpop auch ohne Efterklang: Casper Clausens Solo

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Caspar Clausen
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Caspar Clausen geht jeden Tag ins Studio und lässt sich von seinen pluckernden Maschinen inspirieren. Foto: Hanna Sturm/dpa Foto: dpa

Mit dem Trio Efterklang hob Casper Clausen den europäischen Artpop auf ein neues Niveau, mit dem Nachfolgeprojekt Liima lief es nicht ganz so gut. Nun bekommt der Däne solo einen sauberen Neustart hin.


Berlin (dpa) - Für einen Mann, der eine der erstaunlichsten Stimmen im europäischen Indie-Pop besitzt, gibt sich Casper Clausen auf seinem Solo-Debüt zunächst bescheiden-zurückhaltend. Im Opener »Used To Think« ist der Gesang des Dänen erst einmal dreieinhalb Minuten überhaupt nicht zu hören.

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Stattdessen pluckert ein Krautrock-Groove so hypnotisch drauflos, dass es für alle Fans von Kraftwerk, Neu!, La Düsseldorf oder den Solowerken von Michael Rother eine wahre Freude sein dürfte. Das fast neunminütige Stück kann dann auch durch Clausens tolle Stimme kaum noch besser werden. Ein mehr als vielversprechender Auftakt für »Better Way«, das Anfang Januar zum Geburtstag des umtriebigen Musikers über das deutsche Label City Slang erschienen ist.

Der Enddreißiger und zeitweilige Wahl-Berliner Clausen ist eigentlich Frontmann des vor 20 Jahren gegründeten Kopenhagener Artpop- und Neo-Prog-Trios Efterklang sowie des Seitenprojekts Liima. Beide Stilelemente - edel-verschlungene Melodien und experimentelle Elektronik - treffen auch in seinem Soloalbum nun großteils spannend zusammen (obwohl manche Stücke sich etwas zu viel Bombast-Ballast und Vokal-Sperenzchen gönnen).

Entfremdung und Liebe sind die Themen der acht Tracks, die sich nicht immer an das einfache Strophe-Refrain-Muster halten. »Es ging mehr um das Jammen, das Experiment«, sagt Clausen. Die meisten Songs habe er wie früher in seinen Bandprojekten erarbeitet: »Ich gehe jeden Tag in mein Studio, schalten einige Maschinen an und finde ein paar Klänge, die ich mag und die mich wegdriften lassen. Immer ein Lied für jeden Tag, an dem ich ins Studio gehe.«

In Clausens Residenz in Lissabon entstanden die Stücke zwischen Tourneen. Der Däne nutzte die Gelegenheit, um sich von der lokalen Musikszene inspirieren zu lassen - ohne dass »Better Way« nun vom Süden Europas oder gar portugiesischem Fado direkt beeinflusst ist.

Gemischt wurden die Songs von Sonic Boom, einem legendären Musiker der britischen Shoegaze/Psych-Rock-Band Spacemen 3. »Ich habe viel von ihm gelernt«, sagt Casper Clausen. In einigen Tracks wie etwa »Little Words« oder dem Closer »Ocean Wave« kann man das gut hören.

© dpa-infocom, dpa:210114-99-19168/3

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