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ARD-Talker Plasberg will Gauland nicht mehr als Gast

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Frank Plasberg
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Für Alexander Gauland ist bei Frank Plasberg kein Platz mehr. Foto: Henning Kaiser Foto: dpa

Die jüngsten Bemerkungen des AfD-Fraktionschefs Alexander Gauland haben Folgen: Der ARD-Talker Frank Plasberg will ihn nicht mehr einladen. Andere Moderatoren sehen das differenzierter.


Berlin (dpa) - Der ARD-Talker Frank Plasberg (61) will den AfD-Politiker Alexander Gauland in seine Sendung künftig nicht mehr einladen - ganz so weit wollen seine Talkshow-Kolleginnen, die auf den großen Sendern ihre Politiktalks präsentieren, jedoch zumeist nicht gehen.

Plasberg hatte angekündigt, auf Gauland als Gast verzichten zu wollen, nachdem dieser beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative gesagt hatte: «Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.»

«Das Spiel, das die AfD spielt, um die Grenze des bisher Sagbaren auszudehnen, ist nicht neu», teilte die ARD-Talkerin Anne Will (52), die immer sonntagabends auf Sendung ist, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. «Neu ist, dass die Talkshow-Redaktionen diese Grenze nun definieren sollen und ein gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages, das zudem Partei- und Fraktionsvorsitzender der größten Oppositionspartei ist, öffentlich «ausschließen» sollen.»

Das gehe am eigentlichen Problem meilenweit vorbei, so Will. «Als Redaktion eines ARD-Talkformats haben wir eine staatsvertraglich festgeschriebene Pflicht zu einer Berichterstattung, die alle gesellschaftlichen Kräfte angemessen berücksichtigt. Zugleich lassen wir uns nicht instrumentalisieren und bleiben bei unserem klaren Kurs: Wir entscheiden nach journalistischen Kriterien, wen wir einladen und wen nicht.» Sie persönlich, so Will, habe allerdings an Herrn Gauland nach dieser verachtungswürdigen Relativierung des Holocaust zur Zeit keine Fragen.

Auch ihre Kollegin Sandra Maischberger (51), mit ihrer Talksendung ebenfalls im Ersten zu sehen, will nicht so weit wie Plasberg gehen. Ihre Redaktion entscheide, wer eingeladen werde, nach der Frage, was der oder die Betreffende zum aktuellen Thema inhaltlich beitragen könne, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, Religion oder Herkunft, teilte Maischberger mit. «Aber natürlich darf die ARD-Talkshow nicht zur Plattform extremer Meinungen einzelner werden, die das Format missbrauchen», sagte sie. «Das haben wir in der Vergangenheit vermeiden können und werden es auch in Zukunft tun.»

Die ZDF-Talkerin Maybrit Illner (53) verwies darauf, dass im Jahr 2017 Politiker der AfD insgesamt zwei Mal zu Gast in ihrem Talk gewesen seien und in den ersten fünf Monaten des Jahres 2018 ein Mal. «Das verdeutlicht vielleicht, dass wir bei der Einladung von AfD-Vertretern sorgfältig und überlegt entscheiden», teilte Illner mit. «Herr Gauland war seit seiner AfD-Mitgliedschaft zwei Mal zu Gast, zuletzt 2016. Wir sind in den letzten zwei Jahren bei keiner skandalösen Äußerung von Herrn Gauland auf die Idee gekommen, ihn einzuladen. Wir werden es auch kommenden Donnerstag nicht tun.»

Der ARD-Talker Plasberg («Hart aber fair») hatte am Montag dem «Tagesspiegel» gesagt, Gauland nach dessen umstrittenen «Vogelschiss»-Satz zum Nationalsozialismus nicht mehr einladen zu wollen: «Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei «hart aber fair» sein. Daher werden wir Alexander Gauland in Zukunft nicht mehr einladen.» Der ARD-Chefredakteur Rainald Becker sagte am Dienstag, wer eingeladen werde und wer nicht, werde redaktionell abhängig vom Thema der Sendung entschieden. Die Verharmlosung des Holocaust sei menschenverachtend und verabscheuungswürdig. Deshalb habe er Verständnis dafür, dass man gegenwärtig keine Frage an Herrn Gauland habe.

Gauland hatte seine umstrittene Äußerung über die deutsche Geschichte am Samstag im thüringischen Seebach gebracht. Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten.

Gauland sagte am Montag, er habe die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht bagatellisieren, sondern seine Verachtung für den Nationalsozialismus zum Ausdruck bringen wollen. Die AfD-Fraktion teilte am Dienstag mit, Plasbergs Einladungsboykott entbehre jeglicher Grundlage.

Die Petitions-Plattform Change.org startete im Netz eine Unterschriftenaktion, die sich für das Fernbleiben Gaulands aus Polittalks einsetzt. Bis zum Nachmittag hatten etwa 11 000 Menschen unterschrieben. «Plasberg macht das richtig», twitterte der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer. «Andere Talk-Shows sollten folgen. Und andere Redaktionen auch. Dieser Herr Gauland hat sich so weit in's Abseits gestellt, dass man ihn dort stehen lassen sollte.» «Gut so», twitterte der «Monitor»-Moderator Georg Restle (ARD). «Plasberg lädt Gauland nicht mehr zu «hart aber fair» ein.»

Tagesspiegel

Change.Org

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Reinhard Bütikofer auf Twitter