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Archaische Kraft und Zauber der Fremde

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Zwischen den Werken der Ausstellung im Gespräch: Margret Döring (von links), Kulturreferentin Monika Tauber-Spring, Brigitte Hausmann und Monika Mästele-Kerrouche. (Foto: Mergenthal)

Ein archaisches Flair und zugleich eine Atmosphäre der Poesie umfangen Besucher beim Eintritt in diesen lebendig gestalteten Raum – und sofort fühlen sie sich in dieser Ausstellung zu Hause. Dazu passt der Titel der Ausstellung der Malerin Monika Mästele-Kerrouche und der Keramik-Künstlerin Margret Döring: »Anthroposphäre«, also der menschliche Lebensraum. Noch bis 11. April können die Arbeiten zusammen mit ihren Schöpferinnen täglich von 10 bis 18 Uhr in der Galerie Altes Feuerhaus besucht werden.


»Der Mensch hat das Bedürfnis, für sich einen Raum zu bauen, in dem er zu sich findet und wieder Kraft und Energie schöpfen kann, egal in welchem kulturellen Umfeld er sich befindet«, erläuterten die aus Hessen angereisten Künstlerinnen bei der Eröffnung im Dialog mit Brigitte Hausmann, Leiterin der Kunstakademie Bad Reichenhall.

Beide Ausstellerinnen wollen mit ihren Werken eine Brücke zwischen den Kulturen bauen, die sie umgeben – bei Mästele-Kerrouche sogar in der eigenen Partnerschaft, denn ihr Mann ist Algerier – und so einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis leisten.

Verschachtelte Häuser und Städte, von der Höhlenmalerei und der Kunst der Aborigines inspirierte Impressionen von ihren Reisen oder ein adventskalenderartiges Bild mit offenen Fenstern stellt Monika Mästele-Kerrouche aus. Auch Symbole von untergegangenen Kulturen wie dem alten Ägypten greift sie auf.

In schillernden Farben setzt sie die Mystik und den Zauber der Fremde in Szene und erzählt Geschichten – mal in kräftigen Türkis-, Gelb- und Rottönen wie das pralle Leben, mal düster-geheimnisvoll wie das nach einer Indienreise entstandene Bild »Dehli Hut«. Oft trägt sie mit selbst angerührter Aquarellfarbe mit leuchtenden Naturpigmenten mehrere Schichten auf Büttenpapier auf. Diese Grundierung oder auch Monotypien übermalt sie zum Teil dezent mit Aquarell, sodass der Untergrund durchstrahlt. Andere Werke wie »Dehli Hut« oder das patchworkähnliche, fantastische Bild »Traumreise« kreiert sie mit Öl auf Leinwand.

Margret Döring begann um die Jahrtausendwende, angeregt durch ihre Enkelkinder, mit der Hinwendung zur Keramikkunst ihren dritten Lebensabschnitt. Auf dem Land aufgewachsen, faszinierten sie schon immer Tiere. Für ihre Bergziegen, Steinböcke, Pferde oder Wisente schuf sie ein Drahtgestell und mischte dem Ton durch sogenannte »Magerung« Papier bei, der ihn stabiler und fester macht.

Andere Werke wurden durch Reisen geprägt, wie die »Ägyptische Göttin« oder die »Wächter der Pharaonen«. Archaische Kraft strahlen der Samurai-Kämpfer und ein Tuareg, bei denen Glas in den Ton eingearbeitet wurde, diverse Stelen, unter anderem mit einer Priesterin, oder auch wunderbar komische Fantasiewesen wie die »Afrikanischen Vögel« aus. Ihre Farben lässt Döring am liebsten beim Rakubrand durch das Feuer entstehen. Vereinzelt wendet sie auch die bereits in alten Hochkulturen praktizierte Kaltbemalung an.

Am Herzen liegen ihr zudem sozialkritische Themen wie das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer, zu dem auch Uli Hirsch ein Werk beisteuerte, und der Kindes-Missbrauch in kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen. Veronika Mergenthal