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Antonio Banderas: Ich habe mich neu erfunden

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Antonio Banderas
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Antonio Banderas ist nicht nur ein Kollege, sondern auch Freund von Pedro Almodóvar. Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP Foto: dpa

Antonio Banderas spielt in »Leid und Herrlichkeit« von Pedro Almodóvar einen bekannten homosexuellen Regisseur. Ein Interview mit dem Hollywoodstar.


Cannes (dpa) - Für Antonio Banderas (58) ist »Leid und Herrlichkeit« von Pedro Almodóvar ein Film voller Überraschungen. Nicht nur, weil er darin eigener Aussage nach zu einer anderen Schauspielerei gefunden hat.

Mit dem Film über einen homosexuellen Regisseur, für den Banderas in Cannes den Preis als bester Darsteller gewann, hat ihn vor allem Regisseur Almodóvar selbst erstaunt. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien erklärt er warum.

Frage: Als Sie das Drehbuch zu »Leid und Herrlichkeit« gelesen haben, wie war da Ihre erste Reaktion?

Antwort: Ich habe sofort verstanden, dass es sich bei dem Charakter des Hauptdarstellers um Pedro handelt. Seine Kindheit und Jugend in dem Dorf, in dem jeder alles über jeden wusste. Das war alles so ausdrucksstark und unwahrscheinlich zugleich.

Frage: Hat Almodóvar Sie mit diesem stark autobiografischen Film sehr überrascht?

Antwort: Pedro ist jemand, der schüchtern ist. Er redet nicht gern über sein Privatleben. Das habe ich immer respektiert. Beim Lesen des Drehbuchs war ich erstaunt, denn Pedro ist da mit seiner eigenen Geschichte sehr weit gegangen.

Frage: Warum wollte Almodóvar, dass Sie die Rolle spielen?

Antwort: Ich habe ihn nicht gefragt. Wir sind sehr gute Freunde. Wir sind offen zueinander und kritisieren einander auch. Deshalb sind wir Freunde, sonst wären wir Kollegen. Vielleicht deshalb.

Frage: In die Haut eines Freundes zu schlüpfen ist nicht leicht. Fiel Ihnen die Rolle schwer?

Antwort: Nein, überhaupt nicht. Wir sind mit dem Dreh schneller fertig geworden als geplant. So etwas kommt fast nie vor.

Frage: Haben Sie dafür eine Erklärung?

Antwort: Pedro wollte einen anderen Antonio. Einen, der seine Lebenserfahrung einbringt. Ich habe mich als Schauspieler in dem Film neu erfunden.

Frage: Wie haben Sie das gemacht?

Antwort: Man kann ein guter Darsteller sein, aber eines Tages passiert etwas, das man nicht erklären kann. Ich habe entdeckt, dass ich einen Charakter habe. Ich konnte meine Emotionen kaum zurückhalten. Das war die schönste Erfahrung meines Lebens.

Frage: Sie hatten Anfang 2017 einen Herzinfarkt. Hat diese Erfahrung Ihre Schauspielerei beeinflusst?

Antwort: Wenn man einmal gespürt hat, dass einem das Leben entwischen will, ist man nicht mehr derselbe. Man denkt und fühlt anders danach.

ZUR PERSON: Antonio Banderas wurde am 10. August 1960 in Málaga in Spanien geboren. Er spielte zunächst Theater, ehe er als Kinoschauspieler debütierte. Mit Almodóvar drehte er mehrere Filme, darunter »Das Gesetz der Begierde« und »Die Haut, in der ich wohne«. In den 90er Jahren zog er in die USA, wo er in Produktionen wie »Evita« und »Die Legende des Zorro« mitwirkte. Derzeit lebt Banderas in London.

Leid und Herrlichkeit