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Anrainer fordern die Gemeinde Ramsau zum Handeln auf

Ramsau - Die Interessengemeinschaft »Betroffene Klauspoint« hat in einem offenen Brief, der dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt, deutliche Forderungen an Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann und den Gemeinderat formuliert. Denn heute soll im Gemeinderat über die Zukunft der Fläche Klauspoint entschieden werden. Bislang wird die Wiese landwirtschaftlich genutzt. Möglich ist nun eine Umwidmung in ein Gewerbegebiet. Ein hiesiges Unternehmen möchte dort bauen.

Das mögliche Gewerbegebiet »Klauspoint« stößt bei der Interessengemeinschaft der Betroffenen auf wenig Gegenliebe. Foto: Archiv/cw

21 Personen haben sich zur Interessengemeinschaft Klauspoint zusammengeschlossen. »Das sind Anrainer und Betroffene, die die Entwicklung in der Ramsau nicht nachvollziehen können«, so Thomas Klinger. Dessen Elternhaus steht in nächster Nähe. Er ist fassungslos: »Das, was da passiert, ist einfach unglaublich«. Ein Gewerbegebiet in den Ort zu setzen, wo es nicht hingehöre und über den Bürgerwillen hinweg zu entscheiden, sei nicht tragbar. In einem offenen Brief, der von sieben Ramsauer Bürgern unterzeichnet wurde, wird auf sechs Seiten Klartext gesprochen: »Wir fordern den Gemeinderat auf, (...) einer Veränderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Ramsau durch Umwidmung der Klauspoint von landwirtschaftlicher Nutzfläche in Gewerbegebiet nicht zuzustimmen.«

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So wird die Klauspoint in Pacht vom Hof der Familie Maltan, ebenfalls Unterzeichner des offenen Briefes, bewirtschaftet und »trägt zur wirtschaftlichen Existenz« des Vollerwerbsbetriebes bei. Laut den Betroffenen geht es um die Abwägung, »ob unser Ort weiter das Antlitz eines bäuerlich geprägten Gebirgsdorfes behalten oder der Verstädterung preisgegeben werden soll.« Die Folgen für den Tourismus seien unabsehbar. Deshalb fordert die Interessengemeinschaft den Gemeinderat auf, den Bauantrag aus »Gründen der Nachhaltigkeit« abzulehnen.

Da die Klauspoint im Biosphärenreservat Berchtesgadener Land liegt, sei es dringend notwendig, einer Änderung des Flächennutzungsplans nicht zuzustimmen. Laut Interessengemeinschaft sei es sonst möglich, »dass dem Landkreis das Prädikat ›Unesco-Biosphärenreservat‹ aberkannt werden könnte.«

Weil die Gemeinde auf ihrer Homepage beinahe ausschließlich mit der Natur werbe, dürfe dieser Aspekt für die Zukunft der Gemeinde nicht vernachlässigt werden. »Wirklich mehr als Natur hat die Ramsau auch nicht zu bieten«, so die Interessengemeinschaft in ihrem offenen Brief. Denn Einrichtungen wie etwa die Hirscheckbahn stünden ökonomisch auf wackligen Beinen. »Die Ramsau kämpft bereits um ihr touristisches Überleben.« Viele Arbeitsplätze könnten dadurch betroffen sein.

Baulärm, Abgase, Lastwagenschwertransporte, die bei einer Gewerbegebietsausweisung unausweichlich wären, seien von Ramsau-Urlaubern nicht erwünscht. »Diese Zerstörung kann niemand wollen, der sich für die Nachhaltigkeit unserer Tourismusgemeinde verantwortlich fühlt und seine Existenz und die seiner Bürger nicht gefährden will.« Schon allein aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen sei die Gemeinde ihren Bürgern verpflichtet, weil deren Bewohner in erster Linie vom Tourismus lebten.

Vor allem die Verkehrsanbindung des geplanten Gewerbegebiets werfe mehr als unlösbare Probleme auf. Die Anbindung werde zu »einer unvertretbaren Belastung des Ortskerns, eines Wanderweges und des Nadelöhrs »Marxenbrücke«, wo sich künftig die Einfahrt zum geplanten Gewerbegebiet befinden würde. Deshalb fordern die Gewerbegebietsgegner den Gemeinderat auf, auch »aus verkehrstechnischen Gründen den Bauantrag auf der Klauspoint abzulehnen oder ein verkehrstechnisches Gutachten in Auftrag zu geben, bevor der Bauantrag weiter behandelt wird.«

Des Weiteren drängt die Interessengemeinschaft auf eine Offenlegung der Erschließungskosten. Das Projekt sei mit »erheblichen finanziellen Aufwendungen« verbunden, da eine Erschließung durch Sprengung des Felsens, auf dem das Anwesen Fichtenstein steht, notwendig wäre. Eine mindestens sechs Meter breite Zufahrtsstraße, die von der Marxenbrücke aus zur Klauspoint gebaut werden müsste, würde für das Biotop Marxenklamm eine nicht zu rechtfertigende Belastung darstellen. Auch die Verbauung der sporadisch fließenden Gebirgsbäche, die sich bei starken Niederschlägen und bei Schneeschmelze über die Klauspoint ergießen, stellten ein Problem dar. Die Forderung : keine Beteiligung der Gemeinde an den Erschließungs- und Folgekosten.

Erhebliche Zweifel an der Bonität des potenziellen Bauwerbers äußert die Unterzeichnergemeinschaft ebenso: »Wir fordern vorsorglich den Gemeinderat auf, vor einer Weiterführung des Baugenehmigungsverfahrens die Vorlage eines gesicherten Baufinanzierungsplans von diesem Unternehmen zu verlangen.«

Eklatant sei in der Causa »Klauspoint« gegen die Interessen des Gemeinwohls der Ramsauer Bürger verstoßen worden: »Eine Genehmigung des Bauvorhabens kann der Gemeinderat wegen eines nicht mehr korrigierbaren Präzedenzfalles weder wollen noch verantworten«, so die Interessenvertreter. kp