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Analyse: Syriens Waffenbruder Russland schäumt

Moskau (dpa) - Syriens treuer Waffenlieferant Russland schäumt vor Wut. 17 russische Passagiere, darunter Kinder, seien gefährdet worden - durch türkische Kampfjets, die den syrischen Airbus in der Türkei stoppten, schimpfte das Außenministerium in Moskau.

Experten in Moskau warfen der Türkei eine antirussische Politik vor. Auf die Vorwürfe, dass an Bord der zivilen Maschine illegal 300 Kilogramm Militärgüter und womöglich Bauteile für Raketen gewesen seien, gab es in der Mitteilung des Ministeriums, das sonst nicht um Erklärungen verlegen ist, keine Aussagen. Stattdessen äußerten sich ein namentlich nicht genannter Vertreter des Rüstungsexports sowie eine Sprecherin des Moskauer Flughafens Wnukowo, wonach die Maschine nach Damaskus nichts Illegales transportiert habe.

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Russland bemüht sich angesichts des internationalen Drucks wegen seiner umstrittenen Syrienpolitik seit Monaten um Gesichtswahrung. So erklärte Moskau unlängst, keine neuen Waffenverträge mit seinem langjährigen Verbündeten Baschar al-Assad mehr abzuschließen. Von den milliardenschweren älteren Aufträgen rückte aber bisher keiner demonstrativ ab.

Im Juli ließ Großbritannien ein Schiff mit reparierten russischen Kampfhubschraubern bei der geplanten Rückkehr nach Syrien stoppen. Die Fracht erreichte den von den Russen benutzten syrischen Hafen Tartus nicht und musste nach Murmansk umkehren. Militärdiplomatische Kreise bestätigten Moskauer Medien zufolge, dass die Hubschrauber schließlich per Lufttransport an Assads Armee übergeben worden seien. Und dies galt nicht als Einzelfall.

Russland hat immer wieder betont, dass es kein Verbot für die Lieferung von Verteidigungswaffen an Syrien gebe - und wiederum dem Westen vorgehalten, die syrische Opposition mit Waffen auszustatten. Dass aber nun die Türkei offen auf Konfrontation zu seinem wichtigen Handelspartner Russland geht, sorgte im Riesenreich doch für eine handfeste Überraschung.

Die Türkei nehme Russland im Syrienkonflikt zunehmend als Feind wahr, sagte der Arabist Boris Dolgow von der Akademie der Wissenschaften der Staatsagentur Ria Nowosti. Der Moskauer Politologe Wladimir Jewsejew sprach von einer gezielten Eskalation durch die Türkei. «Es ist offensichtlich, dass das ein Element des Drucks auf Russland ist, weil die Türkei keine direkten Hebel hat, um die Lage in Syrien zu beeinflussen», meinte er. Ankaras Ziel sei es, Russland auf diese Weise von seiner Unterstützung für Assad abzubringen.

Es sieht allerdings weiter nicht danach aus, dass Kremlchef Wladimir Putin von seiner kategorischen Linie einer Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens abweicht. Der russische Präsident sagte vielmehr ein für diesen Montag in der Türkei geplantes Treffen mit Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ab. Beobachter in Moskau werteten dies als Eingeständnis Putins, dass bei den Gesprächen mit der Türkei im Moment nichts Gutes zu erwarten sei.

Mitteilung des russischen Außenministeriums