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Analyse: Der Weltraum-Kolumbus

New York (dpa) - Der Abdruck jener dick gerillten linken Schuhsohle im staubartigen Mondboden wird unvergessen bleiben: Neil Armstrong setzte ihn am 21. Juli 1969. Etwas wackelig war er zuvor die Leiter von «Apollo 11» herunter geholpert und anschließend über die wüstenähnliche Landschaft gehüpft.

Armstrong an der Landefähre «Eagle»
Neil Armstrong bei der Arbeit. Foto: NASA Foto: dpa

Als Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, jubelten 400 000 Kilometer entfernt Millionen Menschen. Nun starb der Astronaut nach einer Herzoperation. Er wurde 82 Jahre alt. Sein legendärer Auftritt mit dem linken Fuß war nicht nur der erste historische Vorstoß der Menschheit auf einen fremden Himmelskörper - er hatte politische Bedeutung.

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Armstrong wurde zum amerikanischen Helden, dem Mann, der die USA beim Wettlauf im All einen Schritt vor die Sowjetunion brachte - wortwörtlich. Das Wettrennen zum Mond war eine Revanche. Denn zehn Jahre zuvor schickten die Sowjets eine Rakete nach der anderen ins All, während die der Amerikaner schon beim Start explodierten. Solche Unglücke gab es zwar auch bei den Russen, in der Diktatur erfuhr nur niemand davon, während die amerikanischen Fehlschläge live im neuen Medium Fernsehen übertragen wurden. Als 1961 auch noch der erste Mensch im All ein Russe war, wollte US-Präsident John F. Kennedy der gedemütigten Nation den Mut zurückgeben. Noch bevor das Jahrzehnt zu Ende sei, würden die Amerikaner einen Mann auf den Mond bringen - und «auch sicher wieder zurück».

Kennedys Versprechen wurde gerade eben eingehalten. Bis zum Ende der 60er Jahre waren es nur noch gute fünf Monate, als Millionen von Menschen auf der ganzen Welt eine Live-Übertragung in grässlicher Qualität verfolgten. Lange nach der Landung stieg eine graue Gestalt, es war ja alles in Schwarz-Weiß, eine Leiter herunter, stampfte in die dünne Staubschicht des Mondes und sagte den Satz, der zu einem der berühmtesten Zitate weltweit wurde: «Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.»

Damit hatten die USA die Nase vorn. Auf der Erde tobte eine ganze Nation vor Stolz und Freude, man fiel sich in die Arme. Viele Menschen erinnern sich bis heute ganz genau daran, was sie an jenem historischen Tag gemacht, gegessen oder getrunken haben, wo sie die Übertragung mitverfolgten. Als die Crew wieder auf dem Boden der Erde aufgesetzt hatte, waren die Astronauten im Ausnahmezustand gelandet. Menschen jubelten ihnen auf der Straße zu, es gab Paraden, Ehrungen, Treffen mit Staatsmännern.

Der Rummel um seine Person interessierte Armstrong herzlich wenig. Er blieb bescheiden. Dabei hatte der Astronaut alles, was zum Traumbild eines großen Helden gehörte: Intelligenz, Willensstärke, Mut, Visionen - obendrein war er auch noch attraktiv. Schmuck sah er auf den offiziellen Nasa-Bildern im Astronautenanzug aus, den Helm lässig in der Hand, die US-Flagge auf der Schulter.

Der Weg zum Star oder Politiker wäre ein leichter gewesen. Armstrong mied ihn mit Nachdruck und geradezu sturer Beharrlichkeit. Er gab irgendwann keine Autogramme mehr, weil ihm die Vermarktung seiner Unterschrift für hohe Summen ein Gräuel war, verweigerte Interviews und hielt nur selten eine Rede.

«Ich bin und werde für immer ein weiße Socken tragender, auf seine Tasche aufpassender, streberhafter Ingenieur bleiben», erklärte er einmal bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte.

Nach der Rückkehr ließ Armstrong sich mit der Crew kurz feiern und gab bald bekannt, dass er nicht mehr ins All fliegen wolle. 1971 verließ er die Nasa und lehrte acht Jahre Luft- und Raumfahrt-Ingenieurwissenschaften an der Universität von Cincinnati (Ohio). Danach nahm der in zweiter Ehe verheiratete Armstrong hin und wieder Sprecherfunktionen an und war Vorstandsmitglied in Unternehmen.

Seine Begeisterung für die Raumfahrt und auch die Fliegerei verflog nicht. Er besaß ein Privatflugzeug, verfolgte weiter die Geschehnisse rund um die Raumfahrt und hielt sich beispielsweise 2010 nicht mit Kritik in Form eines offenen Briefes zurück, als Präsident Barack Obama die Abkehr von einem neuen Nasa-Mondprogramm verkündete.

Am 5. August 1930 in Wapakoneta (Ohio) geboren, soll Armstrong schon als Zweijähriger von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Im damals ungewöhnlich jungen Alter von sechs Jahren saß er zum ersten Mal in einer Maschine. Als andere Jugendliche mit 16 den Führerschein machten, absolvierte er lieber seine Fluglizenz. Er studierte Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften und wurde Marineflieger.

Die Wolken reichten aber nicht, Armstrong wollte noch höher hinaus: 1962 akzeptierte ihn die Nasa als Astronauten, 1966 vollbrachte er als Chefpilot von «Gemini 8» das Andocken an ein unbemanntes Raumfahrzeug im Orbit - das erste Rendezvous im All. Drei Jahre später leitete er die «Apollo 11»-Mondmission. Vor seinem Kollegen «Buzz» Aldrin stieg Armstrong als Erster aus der Luke, trat mit dem Fuß auf und schrieb für immer Geschichte. Jenen ersten Schritt habe er gar nicht als so tragend empfunden, erklärte er später. Die Landung der Mondkapsel «Eagle», so Armstrong, sei wesentlich schwieriger gewesen.

Memorial Seite

Nasa-Biografie

Los Angeles Times

ABC