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Analyse: Auch unter Obama Armut in den USA

Berlin (dpa) - Zu Beginn seiner Amtszeit 2009 versprach US-Präsident Barack Obama, man werde auch die sozialen Probleme im Lande lösen. In Wirklichkeit sind die reichen USA in weiten Teilen jedoch ein armes Land geblieben. In einigen Bereichen wurde es sogar schlimmer:

Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit und Armut: Die sozialen Probleme des Landes konnte Obama bisher nicht lösen. Foto: Justin Lane / Symbol Foto: dpa

ARMUT: Wie die Zahl der Millionäre ist unter Obama auch die Zahl der Armen gestiegen. 46,2 Millionen oder 15,1 Prozent aller Amerikaner lebten 2010 unter der Armutsgrenze. Im letzten Amtsjahr seines Vorgängers George W. Bush waren es 13,2 Prozent. Besonders betroffen sind Kinder. Fast 15 Millionen leben in sehr armen Familien. Die Eltern sind entweder arbeitslos oder Billiglöhner. Unter Afroamerikanern und Zuwanderern aus Mittel- und Südamerika ist die Armutsquote mehr als doppelt so hoch wie bei Weißen. Vom Absturz bedroht sind mehr als 120 Millionen Menschen («working poor»), die ein kleines Einkommen und keine Ersparnisse für Notfälle haben.

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ARBEITSLOSIGKEIT: Obwohl monatlich mehr als 150 000 Menschen eine neue Beschäftigung finden, blieb die Arbeitslosigkeit weiterhin auf hohem Niveau. Im Juli 2012 wurden offiziell 12,8 Millionen Erwerbslose registriert. Die entsprechende Quote von 8,3 Prozent gab es bereits im ersten Amtsjahr Obamas. Besonders hart trifft der Jobmangel Jugendliche und Schwarze. Das Bild wird noch düsterer, wenn man etwa drei Millionen Menschen hinzuzählt, die sich resigniert aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben.

OBDACHLOSIGKEIT: Vor allem wegen Armut und Arbeitslosigkeit sind jährlich schätzungsweise 3,5 Millionen Amerikaner zeitweise obdachlos. Sie hausen in Notunterkünften oder auf der Straße. Ein Großteil sind Einzelpersonen und Schwarze. Das US-Bauministerium berichtet, dass die chronische Obdachlosigkeit in den vergangenen Jahren gesunken ist.

PLEITEN UND HAUSVERSTEIGERUNGEN: Die Zahl der Firmenpleiten ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen - von 60 800 in 2009 auf in diesem Jahr geschätzte 42 900. Zu den bedrängten Privatpersonen zählen etwa zehn Millionen Hausbesitzer, die auch fast fünf Jahre nach dem Immobiliencrash ihre Raten nicht zahlen können und den Banken mehr schulden als ihr Besitz derzeit wert ist. Allein im ersten Halbjahr 2012 gab es mehr als eine Million Zwangsversteigerungen.

GESUNDHEIT: Etwa jeder sechste Amerikaner hatte bislang keine private oder staatliche Krankenversicherung. Das soll sich mit der Gesundheitsreform Obamas ändern. Die Versicherungen müssen jetzt auch bereits erkrankte Menschen aufnehmen, auch etwa 7,3 Millionen nicht versicherte Kinder. Die Ausweitung des Schutzes für Arme in das staatliche Medicaid-Programm können Bundesstaaten jedoch ablehnen. Im Falle eines Wahlsieges wollen die Republikaner das Gesetz wieder kassieren.

Handelsministerium USA/Census Bureau

US-Census Bureau

US-Arbeitsministerium

Allianz-Studie Insolvenzen

US-Bauministerium

Weißes Haus zur Gesundheitsreform