weather-image
22°

An der Musikschule werden nicht nur Instrumente gelehrt ...

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Seine Feuertaufe bestanden hat das neu gegründete Musical-Ensemble der Musikschule Traunstein. (Foto: B. Heigl)

Einen Abend mit Liedern aus verschiedenen Musicals konnte das zahlreich erschienene Publikum in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS erleben.


Sechs Sängerinnen und vier Sänger im Alter zwischen 14 und 20 Jahren stellten sich mit einem großen und vielseitigen Repertoire dem Publikum vor. Sie alle werden von der Sopranistin Friederike Duetsch und Thomas Hartmann in der 2013 gegründeten Gesangsklasse der Traunsteiner Musikschule unterrichtet, und sie brachten einen bunten Strauß an beliebten Musical-Melodien mit. Der Pianist Thomas Hartmann begleitete die jungen Sänger pointiert und mit farbenreichem Klangbild am Klavier, gemeinsam mit einem kleinen flotten Instrumentalensemble, bestehend aus zwei Gitarristen und einer Geigerin, die ebenfalls an der Musikschule sind.

Natürlich war es etwas ganz Besonderes, als einige der Sänger als Solisten hervortraten. Alexandra Gadowicz etwa sang aus dem Musical »The Chorus Line« den Song »What I did for love« mit ganz zartem Schmelz, aber doch mit kräftigem Stimmkern. Angela Meisl sang von der Schauspielerin und Sängerin Mandy Moore das »Only hope« sehnsuchtsvoll und ausdrucksstark. Genauso souverän und ebenfalls schon mit gut geführter und sympathischer Stimme war von Constantin Werner das Lied »Music of the night« aus dem »Phantom der Oper« zu hören. Sophie Zahnbrecher präsentierte aus »Ragtime« das »Make them hear you« mit berührender Eindringlichkeit und aus dem Musical »Anastasia« hörte man Melanie Haberlander mit dem »Once upon a December«. Sie bezauberte nicht nur mit ihrem wunderschönen Kleid, einer hellbeigen aufwändigen Robe, die sie im NUTS-Fundus entdeckt hatte und die ihr wie maßgeschneidert passte, sondern auch mit ihrer klaren schönen Stimme.

Unglaubliche Textmengen bewältigte David Ghasemi, als er »Die unstillbare Gier« aus dem Tanz der Vampire mit schönem Stimmklang und mit feinem Ernst dem Publikum präsentierte. Ein charmantes Solo hatte Tommy Weilharter, der mit dem Song »Hello Dolly« aus »Funny Girl« gekonnt die Mädchen in den hübschen Kostümen um die Finger wickelte. Maren Schulheiß sang »On my own« aus »Les Miserables« mit schon souveräner Phrasierung und man bekam Lust, sich dieses Musical einmal anzuhören, so spannend kam das rüber. Mit »Good Morning Baltimore« aus dem Musical »Hairspray«, das Katrin Meßner sehr peppig und herrlich keck interpretierte, war der offizielle Programmteil zu Ende.

Als Zugabe schenkten uns die wunderbaren jungen Leute ein gemeinsam gesungenes »Do you hear the People sing?«. Ja, haben wir, und es war ein ganz besonderer Abend, bei dem auch die Technik unbedingt lobend erwähnt werden sollte, denn die Gesangs-Mikrofone waren perfekt eingestellt, sodass alles sehr natürlich geklungen hat.

Also, mein Liebling war ...., nein, das verrat ich jetzt natürlich nicht, das wäre ja nicht objektiv. Es hatte an diesem Abend, wie sich in den Gesprächen nach der Vorstellung herausstellte, fast jeder Befragte einen anderen Favoriten. Das mag daran liegen, dass keiner der jungen Darsteller irgendwelche Gesangsstars nachahmte, weil er zum Beispiel wie Rihanna klingen wollte. Alle klangen vollkommen natürlich, jeder hatte seine eigene Stimmfarbe. Und so waren auch die Sänger-Personen (personare-durchklingen) interessant und spannend, denen die Natur nicht ganz soviel natürliche Präsenz und Stimm-Volumen mitgegeben hatte. Sie verzauberten ihr Publikum, ein jeder auf seine ganz besondere Weise, bei gefühlvoll gestalteten Solo-Interpretationen, Ensemblepräsentationen, Duetten und ästhetisch-anmutigen Tanz-Choreographien. Für nächstes Jahr ist ein komplettes Musical geplant. Man darf gespannt sein! Barbara Heigl