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Amors Selfie mit Seifenblase

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Rembrandt Harmensz. van Rijns »Amor mit Seifenblase«, entstanden 1634. (Foto: The Princely Collections, Vaduz–Vienna)

Die Sommerausstellung der Residenzgalerie im DomQuartier in Salzburg widmet sich dem Thema »Allegorie«. Fürsterzbischof Harrach hatte durchaus einen ausgeprägten Hang zur bildlichen Selbsterhöhung. Mit Selfies war damals nichts auszurichten, er musste Maler beschäftigen (etwa Altomonte). Harrachs Besucher in der Residenz wussten dann schon, dass der Freskenzyklus über Alexander den Großen nicht der Antikenbegeisterung des Fürsterzbischofs geschuldet war, sondern der eigenen Erhöhung des Salzburger Landesfürsten diente.


Wollen Ausstellungsbesucher all die Allegorien der Barockzeit, von denen 90 an den Museumswänden hängen und viele weitere an die Decken der Prunkräume gemalt sind, verstehen – dann braucht es viel humanistisches Wissen. In der Welt der Götter und Halbgötter sollten sie sich auskennen und bei Ovid sowieso. Die Maler bedienten sich dieses Fundus, um Wesenszüge, Verhaltensweisen, Eigenheiten und Erwartungen »allegorisch« auszudrücken. »Anders sagen« oder »bildlich reden« heißt das griechische Wort.

Dass das Dechiffrieren der Inhalte Belesenheit, Recherche und Kombinationsfähigkeit verlangt, das kann man greifen, wenn die Gestalter der Schau – Erika Oehring, Astrid Ducke und Thomas Habersatter – zum Erklären anheben, was da oft an Geschichten und verklausulierten Botschaften drin steckt. Victoria krönt den Sieger, das erkennt man auf den ersten Blick. Die Feinde liegen tot oder gebunden da. Aber welchen Geschlechts ist die zweite Götterfigur? Herr Mars vielleicht oder doch eine andere Göttin?

Der Krieg gibt allemal viel Allegorisches her und das in großer Bandbreite. Karl V. hält sein Szepter mit heroischer Geste auf eine Weltkugel. Ihm ist die Welt Untertan. Zwei Bilder weiter, in einer Kriegsallegorie von Rembrandt, schaut die Angelegenheit schon ganz anders aus. Beim gefallenen Krieger sitzt eine bitterlich weinende Frauenfigur. Auch Kubin lässt den Krieg geharnischt daher stampfen. Aber der österreichische Meister des Bedrohlichen ist mit seinen Lithos auch in der Abteilung mit den Todsünden repräsentativ aufgehoben. Der Zorn führt einen ordentlichen Tanz auf. Ein Grafikblatt von Edvard Munch zeigt »Die Sünde«. Eine Frau, wie zu erwarten, und rothaarig auch noch.

Der Themenkreis ist riesig, weil Erdteile genauso Thema von Allegorien sein können wie die vier Elemente, Tag und Nacht, die Jahreszeiten, die Künste und Wissenschaften, Verhaltensweisen wie Todsünden oder Kardinalstugenden. Oder auch Eigenschaften wie die fünf Sinne – der Geschmackssinn kippt allzu leicht hinüber in die Völlerei. Manche Themeneinordnung, so erklärt Erika Oehring, habe man bei genauerer Bildbetrachtung geändert, weil man in manchem Bild hintergründige Botschaften entdeckte.

Nicht unlustig, dass einer der frühbarocken Kunsttheoretiker in einem Vorlagenbuch den nordamerikanischen Truthahn als Metapher für den Kontinent und auch für aufbrausendes Temperament vorstellte. Das Weiße Haus scheint im Moment barocke Metaphorik einzulösen.

Dann geht’s zum Tod, zur Vergänglichkeit, und gerade dort wartet Rembrandts lieblicher Amor mit der Seifenblase. Die Leihgabe aus der Sammlung Liechtenstein ist Plakatmotiv. Rembrandt hat diesen Amor angeblich gemalt, als er gerade seine Frau ehelichte und ziemlich verliebt war. Und dazu die Seifenblase, ein so vergängliches Ding? Im Barock war man wohl pessimistischer (und realistischer) als mancher heutige Selfie-Allegoriker.

»Allegorie. Die Sprache der Bilder« ist noch bis zum 6. November in der Residenzgalerie in Salzburg zu sehen. Reinhard Kriechbaum