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Altbewährtes »Neues vom Valentin«

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Alfons Schweiggert (links) und die Couplet AG gaben Anekdoten und Zitate, Couplets und Lieder von Karl Valentin zum Besten. (Foto: Heel)

»Neues vom Valentin« lautete der Titel des Programms, das die Münchner Couplet AG im Verein mit dem Valentin-Experten und Münchner Turmschreiber Alfons Schweiggert in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS vorstellte. Zustande gekommen sei das Programm aufgrund seiner langjährigen Freundschaft mit Anneliese Kühn, der Enkelin von Karl Valentin, wie Jürgen Kirner, der Kopf der Couplet AG, dazu erklärte. Diese sei im Jahr 2011 mit der Bitte an ihn herangetreten, die Couplet AG solle sich doch der Lieder »vom Opa« annehmen, damit sie nicht vergessen, sondern wieder gesungen und verbreitet werden.


Tatsächlich waren rund 115 Couplets und Lieder von Valentin überliefert, wie Jürgen Kirner weiter erklärte, die meisten davon bis heute unbekannt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Lieder wurden von Valentin nur auf der Bühne vorgetragen und nie aufgenommen bzw. mit Noten versehen. Das hat der Couplet AG-Komponist Bernhard Gruber nun nachgeholt und die Lieder neu vertont, wobei er die Kompositionen und Arrangements bewusst nicht »valentinesk«, sondern – wie von Anneliese Kühn gewünscht – im Stil der Couplet AG gehalten hat. Teilweise benutzte er auch fremde Melodien wie etwa Luigi Denzas »Funiculi Funicula« für das Lied »Ein zufriedener Ehemann«, in dem ein angesäuselter Herr, umwerfend interpretiert von Jürgen Kirner, an seiner Gattin kein gutes Haar lässt: »Schön ist sie nicht, das kann ich nicht grad sagen, aber saudumm, das oide Trum«.

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Noch deftiger bzw. richtig böse ging es in dem Couplet »Der Mord in der Eisdiele« zur Sache. Da spielt ein junger Mann alle möglichen Mordvarianten durch, um an das Geld seiner älteren Geliebten zu kommen. Am Ende glückt ihm der perfekte Mord: Er sucht mit der Dame eine Eisdiele auf, wo sie nicht widerstehen kann und so viel Eis in sich hineinstopft, bis sie erfriert. Weitere Couplets wie »Das Volksauto« zeugten von der Abneigung Valentins gegenüber dem Autofahren, im feschen Dirndl sang Bianca Bachmann »Immer wieder Pech« (in der Liebe), und mit Unterstützung des Publikums auch das »Chinesische Couplet«, das einzige Lied, von dem auch eine Fassung von Liesl Karlstadt existiert. Und wie die Bevölkerung zum Besuch von Theatern gezwungen werden könnte, trug sie noch mit der Valentin-Soloszene »Zwangsvorstellungen« vor.

Zu Gehör brachte die Couplet-AG auch einige spät entstandene Couplets wie das 1942 geschriebene »Wenn ich einmal der Herrgott wär«, in dem Valentin mit der Friedlosigkeit und Gier der Menschen hadert, oder das Couplet »Mein München« aus dem Jahr 1947, in dem Valentin die vom Krieg zerstörte Stadt beschreibt, aber schon den Wiederaufbau vor Augen hat: »Da kommt natürlich 's Hofbräuhaus als allererstes dro. 'S Finanzamt ist zwar auch kaputt, doch des tuat uns ned leid. Dass des die Fliaga troffn ham, des hot uns alle gfreit«. Zum Abschied gab es noch den passenden, bereits um 1900 entstandenen Song »So amüsiert sich jeder«, in dem es heißt: »Wir stehen hier oben und singen, weil jeder von uns muss. Das ewige Gedüdel, das ist uns kein Genuss. Doch Sie, Sie sitzen unten und hör’n den Blödsinn an, so amüsiert sich jeder, so gut er eben kann.«

Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, aber das Publikum im NUTS amüsierte sich an diesem Abend nicht nur prächtig, es ging auch klüger nach Hause. Denn mit Alfons Schweiggert, der viele Bücher über den tragisch-komischen Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzenten verfasst hat, war auch einer der besten Kenner Valentins zu Gast.

Er ist ein glänzender Rezitator, der anhand vieler Anekdoten und Zitate das Leben und Wirken des Kabarett-Genies beschrieb, speziell seine Anfangszeit und die letzten Jahre, die Valentin verarmt und vereinsamt verbracht hat. So ist zum Beispiel wenig bekannt, dass kein Geringerer als Ludwig Ganghofer einer der ersten Förderer Valentins war, der damals noch als Schreinerlehrling arbeitete. Nicht unerwähnt blieben auch Valentins Misserfolge und Krankheiten (Morphiumsucht), und dass er »saugrob sein konnte – im Film wie im alltäglichen Leben«, schilderte Schweiggert ebenfalls. Seine Haltung und Rolle gegenüber den Nazis formulierte Schweiggert so: »Valentin fiel im Dritten Reich nicht auf«. Und wenn doch, dann nur auf der Bühne, wo er einmal ein Bild von Hitler platzieren sollte und dabei das Publikum frage: »Soll ich ihn aufhängen oder an die Wand stellen?«

Wer an diesem Abend im NUTS nicht dabei sein konnte, dem sei das Album »Couplets und Lieder von Karl Valentin« der Couplet AG empfohlen, auf dem neben den bereits erwähnten Titeln 13 weitere Lieder enthalten sind, die mit ihren eingängigen Melodien zum Nachsingen anregen und so das musikalische Erbe von Karl Valentin weitertragen. Mit einem neuen Programm wird die Couplet AG dann wieder am 15. Oktober im NUTS auftreten. Wolfgang Schweiger

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