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Als es mit im Namen Mozarts so richtig losging

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Ludwig Schwanthaler: Entwurf zum Mozart-Denkmal 1841/42 Bleistiftzeichnung.

An Großzügigkeit der Familie Mozart hat es nicht gefehlt: Als man in Salzburg 1841, also vor 175 Jahren, den Verein »Dommusikverein und Mozarteum« ins Leben rief, kam ein Viertel der Spenden des ersten Jahres von Mozart-Witwe Constanze. Die »gewesene Witwe Mozart«, wie sie einen Spenderbrief unterschrieb, schenkte dem Verein auch die Handschrift eines unvollendeten Kyrie. Carl Thomas, der jüngere Mozart-Sohn, spendierte zum 100. Geburtstag seines Vaters dessen Hammerklavier. Überhaupt bildeten die Hinterlassenschaften Constanzes und der beiden Söhne den Grundstock dessen, was die Stiftung Mozarteum heute mit Stolz bewahrt, etwa die weltweit größte Sammlung von Briefen Mozarts.


Vor 175 Jahren ging der »Mozart-Kult« in Salzburg also los, mit der Gründung der Institution »Dommusikverein und Mozarteum«. Stiftungs-Präsident Johannes Honsig in einem Pressegespräch: »Das Geburtsjahr für alles, wovon wir in der Salzburger Hochkultur bis heute zehren.«

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Eine Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus erhellt die Vereinsgeschichte zwischen 1841 und 1880. Nicht, dass das »Mozarteum« gleich im Vordergrund gestanden wäre: Das Wort kommt in den Statuten von 1841 erst unter Paragraph 69 das erste Mal vor. Zuerst ging es um die Qualitätssicherung und Organisation der Kirchenmusik (nicht nur jener im Dom). Eine Handvoll Profimusiker und »Dilettanten« aus dem Bürgermilieu waren deren Träger und leisteten beispielsweise im ersten Jahr 4500 »Musikdienste«, davon die Hälfte im Dom. Das »Mozarteum« war ursprünglich die Musikschule für den Nachwuchs. Die hohe Geistlichkeit hatte das Sagen, Protektor (also in heutigem Sinn: Präsident) war der Salzburger Erzbischof. Das war in den ersten Jahren Kardinal Schwarzenberg. – Sage keiner, dass einer, der Mozarts Musik schätzt, gleich ein besserer, toleranterer Mensch wäre: Kardinal Schwarzenberg spielte eine nicht unbedeutende Rolle bei der allerletzten Vertreibung von Protestanten aus dem Gebiet der Erzdiözese. Das betraf die sogenannten Zillertaler Inklinanten, die sich 1837 (!) ins Riesengebirge aufmachen mussten. Kein Ruhmesblatt für Toleranz.

Aber in der kleinen Ausstellung geht es natürlich um die Vereinsgeschichte, auch um die ersten Direktoren. Anton Bruckner wär’s gern geworden, er hat sich aber zwei Mal vergeblich in Salzburg beworben. Linzer waren damals nicht so gut beleumundet in Salzburg. Hätten die Entscheidungsträger damals einen etwas weiteren Horizont gehabt, hätten wir womöglich nun neben der Mozartwoche gar ein Brucknerfest.

Wie Mozart ausgesehen hat, davon hatte der Münchner Bildhauer Ludwig Schwanthaler noch gar kein so genaues Bild, als er sich mit dem Entwerfen der Statue auf dem Mozartplatz begann. Er machte sich dann eines, indem er zu Constanze reiste und bei ihr eine Skizze anhand des Lange-Porträts anfertigte. Das ist ein schönes, in dieser Schau erstmals präsentiertes Original.

Die Dinge liegen in schönen Vitrinen, die selbst Museumsstücke sind – Überbleibsel aus dem Mozart-Geburtshaus aus einer Zeit, da man solche Orte noch nicht nach neumodernen Methoden der PR und Museumsdidaktik aufmotze. Es geht, wie man sieht, auch so. Aber zugegeben wenig spektakulär. Reinhard Kriechbaum

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