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Alpines Philosophicum Ramsau diskutiert

Alpine Hütten-Kultur: Schutzhaus oder Berghotel?

Foto: Rasp

Ramsau – Im Rahmen des Alpinen Philosophicums im Bergsteigerdorf Ramsau auf dem Watzmannhaus wurde letzten Montag über die Zukunft der alpinen Hütten diskutiert.


Welche Funktionen müssen alpine Hütten für die Gäste erfüllen – und welche von deren Erwartungen sollten sie besser nicht erfüllen? Rund 35 Personen waren letzten Montag (11. September) am Watzmannhaus dabei, als diese Fragestellungen unter dem Titel "Schutzhaus oder Berghotel?" engagiert diskutiert wurden.

Ein kurzer Rückblick in historische Debatten zur Hüttenkultur, wie zum Beispiel die "Tölzer Richtlinien" von 1923 machten deutlich, dass diese Frage keineswegs neu ist – und von einer komplexen Gemengelage an technischen und ökonomischen Aspekten wie auch unterschiedlichen Erwartungs- und Werthaltungen geprägt ist.

Die Impulse für die Diskussion kamen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Eingeladen waren die Hüttenwirte des Watzmannhauses Bruno und Annette Verst, Thomas Gesell (Hüttenreferent DAV Sektion München), Roland Stierle (DAV Vizepräsident), Josef Egger vom Nationalpark Berchtesgaden, Beppo Maltan (Vorsitzender DAV Sektion Berchtesgaden), Franz Rasp (Vorsitzender Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und Bürgermeister von Berchtesgaden), Herbert Gschoßmann (1. Bürgermeister Ramsau) und Fritz Rasp (Direktor Tourist-Info Bergsteigerdorf Ramsau). Eingeleitet und moderiert wurde das Gespräch von Jens Badura (berg_kulturbüro Ramsau).

Wünsche der Bergsteiger verändern sich

Von Seiten des DAV wurde darauf hingewiesen, dass es heute neben "klassischen" Faktoren wie Wasserversorgung, Umweltschutzmaßnahmen oder Energiegewinnung auch immer restriktivere bau- und arbeitsrechtliche Vorschriften sind, die den Betrieb einer Hütte für die verantwortlichen Alpenvereinssektionen und die Hüttenwirte zur Herausforderung machen. Zugleich haben sich die Ansprüche der Gäste verändert: warme Duschen, WLAN, Wellnessangebote und ein breites kulinarisches Angebot stehen heute oft auf der "Wunschliste" von Bergsteigern und Wanderern.

Wie man diesen Ansprüchen am besten begegnen kann, war allerdings in der Diskussion strittig: Einerseits könne man diese Fragen nicht pauschal mit einem Ja oder einem Nein beantworten, denn letztlich seien immer die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Hütte ausschlaggebend. Und andererseits spreche nichts dagegen – sofern der Standort passe und vernünftige technische Lösungen möglich seien – beispielsweise Duschen oder WLAN anzubieten.

Besonderen Charakter der alpinen Hütten bewahren

Doch auch die Gegenseite meldete sich zu Wort: Würde man alles machen, was technisch möglich sei, ginge der besondere Charakter alpiner Hütten verloren. Natürlich sei es wichtig, dass Hütten einen Internetzugang haben sollten um etwa aktuelle Wetterinformationen abzurufen oder das Online-Buchungssystem nutzen zu können – aber könne man wollen, dass die Smartphonekultur auch in der Hüttenstube Einzug halte? Oder gehe es nicht darum, durch entsprechende "Upgrades" möglichst viele Gäste anzuziehen, um die Hütten gewinnbringend betreiben zu können?

Die Diskutanten des DAV merkten an, dass der Hüttenbetrieb wesentlich durch die betreibenden Sektionen geprägt sei – und es daher eine große Vielfalt unterschiedlicher Hüttenkulturen gebe. Dem entgegen stand der Einwand, dass der DAV als Gesamtverein die Verantwortung trage, den Charakter der Hütten als einfache Unterkünfte zu erhalten und sich dabei nicht von den neuen Trends wie allgegenwärtiger Online-Optionen treiben lassen dürfe.

Die Diskussion, die im Rahmen des Alpinen Philosophicums Ramsau stattfand, blieb bis zum Ende kontrovers und es wurde deutlich, dass wie schon vor 100 Jahren ein fortwährender Bedarf am Gespräch darüber besteht, was mit Blick auf die Funktion und den alpinen Hütten angemessene Erwartungshaltungen sind. fb

 

Foto: Rasp