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Alpenländisches Brauchtum von Weihnachten bis Lichtmess

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Die Rothendiandl gefielen mit ihren zu den Geschichten passenden Liedern, rechts Hansl Auer. (Foto: Aumiller)

Mit den Bockstoa Bläsern war der fröhliche Rundgang durch den Alpenländischen Weihnachtskreis im Theater im Kurgastzentrum in Bad Reichenhall eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner äußerte sich lobend über die »Erfindung« von Hansl Auer, das Neue Jahr mit der Alpenländischen Tradition musikalisch einzuleiten.


Hans Auer führte als Erzähler durch den Brauchtumskreis zwischen Weihnachten und Lichtmess mit spannenden Geschichten und Erläuterungen zur Herkunft der traditionellen Bräuche. Dieser Neujahrsspaziergang zeigte sich diesmal als audiovisuelles Erlebnis. Denn zu den zur Moderation passend ausgewählten musikalischen Beiträgen, erfreute eine auf Großleinwand projizierte Bilderschau von Hans und Rosi Fürmann. Stimmungsvolle Winterlandschaften aus dem bayerischen Umland, Krippenbilder u.a. von der Stallweihnacht, Weihnachtsbäckereien, Böllerschützen, Aperschnalzern und vieles mehr illustrierten die verschiedenen Musiknummern.

Die Chiemgauer Musikanten, die Antoniberg Musi, die Rothendiandl, die Geschwister Nutz, die Mitterbicher Zithermusi, Hansl Auer und der junge Reichenhaller Felix Lechner an der Ziach spielten wechselweise ihre zünftigen, gefühlvollen und klangfeinen Weisen. Die Chiemgauer Musikanten hatten Zither, Gitarre, Bassklarinette und Akkordeon im Gepäck, die Antoniberg Musi brachte Hackbrett, Zither, Gitarren und Kontrabass zum Klingen und war im Wechsel dazu noch als Flötenensemble mit von der Partie. Feine Harfenklänge, dazu abwechselnd Flöte und Gesang trugen die Geschwister Nutz bei. Die Lieder der Rothendiandl und der Geschwister Nutz wie u.a. Marienlied, Spinnerlied, Kletzenbrotlied, Schnalzerlied ergänzten die zahlreichen Geschichten.

Hansl Auer erzählte von den Engelämtern im Advent, deren Name auf die Verkündigung des Engels Gabriel für die Gottesmutter verweist. Die erste Hauskrippe habe es um 1560 gegeben und die Kunst des Krippenbaus sei im 17. Jahrhundert in Italien gegründet worden. Die Reichenhaller Stallweihnacht begann 1962 und sei eine der bedeutendsten lebenden Krippen im Alpenraum. Jugend und Volksmusik gehöre zusammen, meinte Auer und diesbezüglich »leben wir hier in einem gesegneten Land«.

Über den komplizierten Vorgang des Spinnens auf Spinnrädern klärte er auf. Auch in manchen Liedertiteln findet sich noch ein Hinweis auf das Spinnen, wie zum Beispiel Tobi Reisers »Spinn, Spinn«, Franz Schuberts »Gretchen am Spinnrad« oder »Der Spinnerin Nachtlied« von Clemens von Brentano.

Vom Berchtesgadener Kunsthandwerk wusste Auer Interessantes zu berichten, ebenso vom Eisstockhandwerk und vom Berchtesgadener Weihnachts- und Silvesterschießen, das von 17 Vereinen mit 1100 aktiven Schützen lebendig gehalten werde. Der Januar habe seinen Namen vom Gott Janus mit den zwei Gesichtern und besonders zu beachten seien die Raunächte, oder auch Rauchnächte genannt, vom 25. Dezember bis 6. Januar. In dieser Zeit solle man nicht zum Friseur gehen und keine Wäsche auf die Leine hängen.

Und die Raunacht vor dem Dreikönigstag sei besonders zu beachten. Dazu gibt es die Bauernregel: »Ist bis Dreikönigstag kein Winter, folgt keiner mehr dahinter« oder »Heiligdreikönig sonnig und still, Winter vor Ostern nicht weichen will«. Ein frecher Spaß mache aus dem Dreikönigszeichen auf Türen K+M+B den Spruch »Katholisch musst bleiben«. Auch von der Tradition des Aperschnalzens, das seit 1796 jeweils bis Faschingsdienstag der Brauch sei, war die Rede und wurde von schönen Bildern auf der Leinwand begleitet.

Die musikalischen Beiträge waren allesamt ein Ohrenschmaus. Alle Mitwirkenden profilierten sich als feine Musikanten und zeigten mit Freude, Kenntnis und Können ihre geschätzten Fähigkeiten. Dass die Zuhörer Auers Rat befolgten und auf Zwischenapplaus nach jedem Stück verzichteten, war hoch erfreulich, weil es den Fluss und die Einheit der Darbietung nicht unterbrach. Dafür dankte dann am Ende begeisterter Beifall aus dem Auditorium allen Mitwirkenden für den stimmigen Neujahrsspaziergang. Elisabeth Aumiller