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Almabtrieb von Gotzentalalm und Büchsenalm

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Königssee: Almabtrieb von Gotzentalalm und Büchsenalm
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Almabtrieb vom Simmernkaser auf der Büchsenalm. Angeführt wird er von Vroni Lenz in der Berchtesgadener Tracht. Vroni ist Sennerin auf der Priesbergalm und auf der Wasserfallalm. Weil es auf ihrer Alm einen »Unreim« gab und nicht gekranzt wurde, konnte sie beim Simmerer mithelfen. Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de.

Schönau am Königssee – Oberhalb des Königssees war am Samstag Tag der Almabtriebe. Das Vieh von der Gotzentalalm und von der Büchsenalm kehrte zurück in den heimischen Stall. Nicht nur für die Bauern und Treiber ein besonderer Tag, auch zahlreiche Gäste und Einheimische standen staunend am Weges- und Straßenrand.


Obwohl sich vor allem die Urlauber über den Anblick der zumeist prächtig geschmückten Tiere freuen, ist der Almabtrieb in Berchtesgaden, anders als im Allgäu, keine Touristenattraktion. Der Bauer geht mit seinen Tieren nach Hause, je nach Witterung und Beschaffenheit der Weide. Er schmückt seine Tiere, wenn es keinen »Unreim« gegeben hat, wenn also dem Vieh auf der Alm und den Familienmitgliedern das Jahr über nichts zugestoßen ist. Der Schmuck besteht größtenteils aus gebeizten Holzspänen, sogenannte Gschabertbandln, die in stundenlanger Handarbeit für Fuikln und Latschenboschn verarbeitet werden.

Im Gebiet Gotzentalalm und Büchsenalm haben sich die Bauern zum Abtrieb abgesprochen, wie von Senn Franz Stangassinger zu erfahren war. Zuerst ging Mathias Irlinger, der Bauer vom Ruppenlehen in Bischofswiesen, dann Franz Moderegger vom Hochbichllehen in Stanggaß. Als nächstes folgte Herbert Kraus, der Bauer vom Simmernlehen in der Schönau, der sein Vieh von der Büchsenalm abtrieb. Dann kamen der Oidinger Sepp Hasenknopf und zum Schluss der in Königssee beheimatete Grafenbauer von der Büchsenalm.

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»Auf in Gott's Nam'« hieß es beim Simmern, als sich der Tross in Bewegung setzte.

Der »Keilhof Franzei« hatte Fuikln und Latschenboschen auf eine Holzbank vor den Kaser gelegt. Seine Rinder hatte er vor der Alm angehängt, mit Kraftfutter gestärkt und für den Almabtrieb beruhigt. 20 Jahre ist er jetzt Almsenn und seit sieben Jahren beim Oidinger. Die Büchsenalm ist die Niederalm und die Gotzenalm die Hochalm.

Den Franzei kann man schon fast als Künstler bezeichnen, was die Liebe zum Brauchtum, zur Berchtesgadener Kultur und zum Almleben betrifft. Seine Fuiklsterne sind etwas Besonderes und äußerst exakt. Für jeden Treiber hat er eigens einen »Treibersteckn« gekranzt. Der Franzei hat auch bis jetzt immer die jeweiligen Kirchen zum Almbauernjahrtag bewundernswert geschmückt.

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Treiber Wasti Walch, Senn Franz Stangassinger und Treiber Schorsch Koll (v.l.).

Beim Oidinger lief beim Almabtrieb alles nach Plan. Treiber und Bauersleut versammelten sich vor dem Kaser zum Gebet und dann hieß es »Auf in Gotts Nam – dass nur g'sund ois hoam kimmt.«

Probleme gab es beim Grafenbauern. Sichtlich aufgeregt war Georg Lenz. Ihm fehlte ein einjähriger Ochse. Der komplette Almabtrieb war vorbereitet, das Kranzzeug gefertigt, die Treiber auf der Alm. Alle halfen zusammen, um den Ochsen zu suchen.

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Die Treiber vom Ruppenkaser auf der Gotzentalalm eilen voraus, um abzusperren. (Fotos: B. Stanggassinger)

»Wenn wir den Ochsen nicht finden, können wir nicht kranzen«, sagte der Schorsch aufgeregt dem »Anzeiger«- Fotografen. Und so kam es dann leider auch, der Ochse wurde am Samstag nicht mehr gefunden und so mussten die Tiere ohne Kranzzeug den Gang in den Stall antreten. Dabei war der Ochse am Vortag noch da, der muss sich in der Nacht abgesetzt haben. Am Sonntag ging die Suche nach dem vermissten Tier weiter. Bernhard Stanggassinger

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Senn Franz Stangassinger ging beim Oidinger zum Schluss mit den gekranzten Kälbern, Bauer Sepp ging voran.