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Allofs stellt Charakterfrage - Augsburgs Lebenszeichen

Augsburg (dpa) - Jetzt weiß auch Markus Weinzierl, wie sich ein Sieg als Bundesliga-Trainer anfühlt - einfach wunderbar! Ihm seien «sehr große Steine» vom Herzen gefallen, bekannte der 37 Jahre alte Fußball-Lehrer nach seinem erlösenden Premieren-Erfolg mit dem FC Augsburg.

Premierensieg
Augsburgs Trainer Markus Weinzierl (M) umarmte nach dem Sieg gegen Werder seine Spieler. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa

Als der Erstliga-Newcomer in der Augsburger Arena nach dem 3:1 (2:1) gegen Bremen noch beschwingt von einem Mikrofon zum anderen zog, hatten Trainer-Urgestein Thomas Schaaf und Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs den Ort des Schreckens längst verlassen - «total enttäuscht» und schwer verärgert.

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Der Bremer Trend zeigt nach unten - und Allofs stellte nach dem «total misslungen Spiel» sogar die Charakterfrage: «Wir waren in keiner Sekunde bereit das einzusetzen, was der Gegner bereit war einzubringen, der mit absolutem Einsatz und voller Hingabe gespielt hat», klagte der Manager die eigenen Spieler an und warnte: «Mit der Leistung werden wir nicht nach oben kommen.» Auch Schaaf war restlos bedient: «Sieben Punkte - das hätten wir uns ganz anders gewünscht.»

So eine Leistung wie in der zweiten Halbzeit könne man sich «nicht leisten», kritisierte der Coach in ruhiger Tonlage. Doch an einem «rabenschwarzen Tag», wie Torhüter Sebastian Mielitz stöhnte, war eigentlich schon der Start der Anfang vom Ende. Tobias Werner traf gleich mit dem Kopf, was Allofs in Rage versetzte. «Nach 90 Sekunden steht es 1:0, ohne dass jemals ein Gegner Körperkontakt mit uns hatte», schimpfte der Ex-Profi. Womöglich habe das viele Lob für die junge Werder-Truppe, «das nicht von unserer Seite gekommen ist», eher geschadet, spekulierte Allofs: «Wir haben gedacht, wir könnten hier ein bisschen Fußballspielen am Freitagabend. So geht das nicht.»

Auch der Freistoßtreffer von Kevin De Bruyne (19.) zum 1:1 war kein Wachrüttler. Augsburg beeindruckte mit Elan, Kompaktheit und sogar Spielwitz, siegte verdient durch weitere Tore von Stephan Hain (32.) und Daniel Baier (73.), der in seinem 68. Bundesligaspiel mit einem Freistoß ins Torwarteck seine Torpremiere feierte. «Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht abrutschen», mahnte Werder-Profi Aaron Hunt.

Sieben Punkte, das sind nur zwei mehr als bei Augsburg - und der FCA bleibt auch nach dem ersten Sieg ein Abstiegskandidat. Aber einer mit neuem Mumm. «Letzte Saison hat es mit dem ersten Sieg bis zum 9. Spieltag gedauert, jetzt war es der 7 Spieltag. Jetzt kann man gut weiterarbeiten», verkündete Kapitän Paul Verhaegh erleichtert.

Auch für Markus Weinzierl war der Sieg, der keiner glücklichen Fügung entsprang, sondern erzwungen und erspielt worden war, ein persönlicher Befreiungsschlag. «Es geht nicht um mich», wiegelte der Trainer zwar ab. Trotzdem bewies Weinzierl mit einigen personellen und taktischen Maßnahmen, dass auch er den großen Sprung von der dritten in die erste Liga langsam zu vollziehen scheint.

Die Hereinnahme von Torschütze Hain in der Spitze und dem agilen Knowledge Musona auf dem rechten Flügel verlieh dem Augsburger Offensivspiel Tempo und Torgefahr. Und mit Youngster Kevin Vogt (21) anstelle des Spiel-Entschleunigers Andreas Ottl kommt mehr Dynamik und Griffigkeit ins Mittelfeld. «Nach sieben Spieltagen hast du natürlich mehr Erkenntnisse als vor dem ersten Spieltag. Daran muss man als Trainer die Konsequenzen und Entscheidungen auslegen», erläuterte Weinzierl seinen Entwicklungsprozess. 28 133 Zuschauer beklatschten begeistert das kräftige Lebenszeichen des FCA. «Drei Tore geben natürlich Mut, wenn man vorher in sechs Spielen nur zwei gemacht hat», meinte Kapitän Verhaegh: «Das gibt Selbstvertrauen.»