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Alles begann mit dem Klöcklsingen

Die Ramsauer Sänger und die Antoniberg Musi im Jahr 2005 bei einer Messfeier auf der Mellecker Steinbachalm (v.l.): Hinten - Angelika Neudecker, Fritz Resch, Sepp Graßl, Erhard Maltan; Vorne - Stefan Hollrieder, Paul Hallinger und Vroni Hallinger. Foto: privat

Ramsau - Als die Ramsauer Sänger im Jahr 1959 gemeinsam zum Klöcklsingen durch die Ramsau zogen, war das der Startschuss für eine 50-jährige Gesangskarriere. Auch wenn sie sich im Jahr 2009 von der öffentlichen Bühne zurückgezogen haben, so gelten sie heute immer noch als Inbegriff der Volksmusik. Ihnen zu Ehren gab jetzt der Bairisch-Alpenländische Volksmusikverein mit tatkräftiger Unterstützung von Stefan Hollrieder (Liedersatz und Layout) sowie Fritz Resch (Zeichnungen) ein 144-seitiges Liederbüchl mit Auszügen aus dem Liedgut der Ramsauer Sänger heraus.


Genau 50 Jahre lang haben die Ramsauer Sänger ihre Zuhörer mit ihren brillanten Stimmen erfreut. Am Anfang war es noch ein Viergesang, zu dem auch Bernhard Stöckl gehörte, später traten Sepp Graßl, Fritz Resch und Erhard Maltan nur noch als Dreigesang auf. Auszüge aus dem Liedgut der Ramsauer Sänger im Ablauf des Kirchenjahres von 1959 bis 2009 enthält das beim »Berchtesgadener Anzeiger« gedruckte Büchlein. Insgesamt sind es 60 Lieder und zwei Jodler, die jederzeit gerne im Rahmen der Volksmusikpflege öffentlich ohne Genehmigung und Aufführungsgebühr gesungen werden dürfen. Denn schließlich sollen die großteils sehr alten Lieder, die teilweise nur noch von den Ramsauer Sängern dargebracht wurden, nicht vergessen werden. Allerdings muss man dafür Noten lesen können, denn fast alle Lieder sind dreistimmig niedergeschrieben - dazu kommen die Texte aller Strophen.

Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Winter, dem Advent und Neujahr. »Da Winter schaut eina« singen die Ramsauer Sänger und lassen die Zuhörer wissen: »Hör's Gloria singa, dös Heil für uns all, a Kindl tuat's bringa, dös liegt in an Stall«.

Wer der Berchtesgadener/Ramsauer Sprache nicht ganz mächtig ist, der bekommt bei einzelnen, schwierigen Wörtern sogar eine Übersetzung. Im Lied »Jetz los, liabe Nachba, mit Fleiß« ist es das Wort »Budan«, das die Herausgeber freilich mit »Butter« übersetzen. Einheimische hätten's wohl gewusst.

Das Kapitel »Passion/Ostern« beginnt mit dem Lied »In der ganzen Stadt« und endet mit »Wächterruf am Ostermorgen«. Und dann ist auch schon das Frühjahr nicht mehr weit, was die Ramsauer Sänger ihre Zuhörer mit dem Lied »Wann die Schlehstaud'n blüah'n« wissen lassen. Freilich darf hier auch »Jetzt fang des schene Fruahjahr o« nicht fehlen.

Der Jungfrau Maria widmen sich drei Marienlieder - und dann ist auch schon der Sommer mit der Almzeit gekommen. »Auf da Oim, do wachst a kuglerts Gras«, wissen die Ramsauer Sänger, bevor sie die »Schene Schwoagrin« besingen. Es folgt eine ganze Reihe von Liebes- und Tanzliedern, ehe sich die Ramsauer Sänger der Jagd und den Wildschützen zuwenden. Hier preisen sie die Schönheit des Watzmannlaabls in B-Dur: »Und in's Watzmolaabe bin i einiganga und des Gamseischiaß'n, des war mei Verlanga«.

»Da Summa is umma« singen die Ramsauer Sänger im Kapitel »Herbstlieder«, dem sich das Kapitel »Sonstige Lieder« und am Ende noch zwei Jodler anschließen.

Beim Durchblättern des Büchleins fallen gleich einmal die originellen Zeichnungen auf, die Fritz Resch kreiert hat. Ob weihnachtlicher Kerzenschein, eine Kuh auf der Alm, der Auerhahn auf dem Baum oder ein fescher Jagersbua beim Plaudern mit der Sennerin - jedes Thema ist hier mit sicherem Strich visuell nett aufbereitet.

Kein Hehl machen die Autoren daraus, dass die in dem Büchl aufgeführten Lieder nicht von den Ramsauern selbst komponiert worden sind. Allerdings haben die Sänger bei fast allen Liedern Melodie und Text ihrer Singweise angepasst, verändert oder ergänzt. Vereinzelt wurden auch Strophen angefügt, ausgetauscht oder textlich verändert und dem regionalen Dialekt angepasst. So sind manche der Lieder über 100, 200 oder gar 250 Jahre alt. Genaueres zu den einzelnen Liedern erfährt der Leser im Kapitel »Quellennachweise«.

Über fünf Jahrzehnte nach ihrer Gründung sind die mittlerweile nicht mehr aktiven Ramsauer Sänger für viele Sänger im Alpenraum eine wertvolle Orientierungshilfe. Ihr Werk findet seine Fortsetzung auch im Gesang der Jungen Ramsauer Sänger, alle vier Söhne von Fritz Resch.

Erhältlich ist das Büchlein zum Preis von 19,80 Euro bei Lederhosen- und Trachtenbekleidung Engelbert Aigner in Berchtesgaden sowie in verschiedenen Ramsauer Geschäften. UK