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»Alle Menschen werden Brüder«

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Das Team des Landestheaters bei der Programmpräsentation (von links): Intendant Carl Philip von Maldeghem, Angela Beyerlein, Friederike Bernau, Katrin König und Torger Erik Nelson. (Foto: Aumiller)

»Das Spielzeitthema 'Alle Menschen werden Brüder' durchzieht alle Produktionen der neuen Saison. Das Motto schließt alle Menschen mit ein und das Streben nach dem Miteinander stellt die Basis der künstlerischen Auseinandersetzung dar«, sagte Intendant Carl Philip von Maldeghem, der zusammen mit seinem Team das Programm der neuen Spielzeit 2017/2018 im Landestheater Salzburg präsentierte. Theater werde als Abwesenheit von Hass definiert. Es gelte, in Europa nach dem Verbindlichen zu suchen quer durch alle Gesellschaftsschichten über alle Grenzen hinaus.


Im Zentrum der Herbstsaison steht das große Theaterspektakel »Dionysien«, das am 25. Oktober in der Felsenreitschule Premiere hat. Es soll »ein Theaterrausch, ein Fest aller Sparten nach griechischem Vorbild« werden. Vier Stunden geballte Theaterkraft, von einer 90-minütigen Pause mit Oliven, Schafskäse und griechischem Wein unterbrochen. Dabei widmet sich das Schauspiel mit »Prometheus« einer der großen mythischen Figuren. Preisgekrönt ist Reginaldo Oliveras Medea-Ballett »Der Fall M., der sich um das Familienschicksal Medeas rankt. Die Strawinsky-Oper »Oedipus Rex«, eine »Mischung aus Dramatik und Urgewalt«, wie von Maldeghem erläutert, geht mit Opernsolisten, Opernchor, Extrachor und Ballettcompagnie ins dionysische Rennen. Schließlich klingt der Abend mit dem Stück »Der Frieden« als eine »Utopie zum Mitmachen« aus.

Katrin König, die designierte neue Operndirektorin, gab einen Überblick über die Opernproduktionen der neuen Spielzeit: Zuerst startet der Saisonauftakt im September mit Jacques Offenbachs fantastischer Oper »Hoffmanns Erzählungen«, in deutscher Sprache, in der Regie von Alexandra Liedke mit Adrian Kelly am Pult des Mozarteumorchesters und Franz Supper in der Titelrolle. Vermehrte Aufmerksamkeit in die Ensemblepflege sei hierbei ein Begleitaspekt. Als deutschsprachige Uraufführung geht »Doktor Doolittle« von Leslie Bricusse im Dezember in der Regie von Andreas Gergen in Szene. Das Musical basiert auf dem Twentieth-Century-Fox-Film gleichen Namens und kam erst 1998 als Bühnenversion zur Uraufführung in London.

Die Mozart-Oper »Le nozze di Figaro« beschließt im Januar 2018 den Kreis des »Da-Ponte-Zyklus’« von Jacopo Spirei, Adrian Kelly hat die musikalische Leitung. Paul Hindemiths »Cardillac«, nach E.T. A. Hoffmanns Kriminalnovelle »Das Fräulein von Scuderi«, ist ein »Krimi durch Mark und Bein«, wie von Maldeghem das »Mord- und Totschlag-Szenario« beschreibt. In der Inszenierung von Amelie Niermeyer hat die Oper im April Premiere. Als österreichische Erstaufführung kommt »Der Flüchtling« von Lucio Gregoretti im Mai 2018 auf die Bühne des Landestheaters. Die Oper für Kinder und mit Kindern wird als ein berührendes Stück mit unglaublicher Brisanz bezeichnet. »Oper in der Residenz« stellt eine musikalische Entdeckungsreise dar, wobei in Kooperation mit dem Domquartier die Salzburger Residenz als Spielstätte wiederentdeckt wird, in der auch einige frühe Mozartopern uraufgeführt wurden. Wegen des nach wie vor großen Erfolges wird das Musical »Sound of Music« auch wieder in die neue Spielzeit aufgenommen.

Das Ballett serviert im Januar die Uraufführung des Jugendballetts »Die Nashörner«, frei nach Eugène Ionesco, für junges Publikum ab 12 Jahren. Peter Breuer bringt »Cinderella« mit Musik von Sergej Prokofjew ins Haus für Mozart. Erstmals spielt dabei das Mozarteumorchester für das Tanzensemble. Im Mai folgt dann die Internationale Ballettgala ebenfalls im Haus für Mozart und im neuen Probenzentrum in Aigen bringt Reginaldo Oliveira sein brasilianisches Ballettfest »Balacobaco« zur Uraufführung.

Chefdramaturgin Friederike Bernau berichtete vom reichhaltigen Angebot des Schauspielensembles, das sich zuerst mit Goethes »Die Leiden des jungen Werther« auseinandersetzt und im Oktober in der Uraufführung »Hotel Europa« auf musikalische Spurensuche geht. Lillian Groags »Die weiße Rose« erzählt im November vom Schicksal der Sophie Scholl. »Dry Powder« von Sarah Burgess ist eine Europäische Erstaufführung im Januar 2018 und beschäftigt sich als »sehr authentisches New Yorker Stück« mit der Welt der knallharten Geschäftsleute und wer wen am besten über den Tisch zieht.

Uraufführung von »Krieg der Träume«

Im Februar ist die Uraufführung »Krieg der Träume« eine Koproduktion mit Arte und sieben weiteren europäischen Fernsehanstalten. Shakespeares »Viel Lärm um nichts« inszeniert Andreas Gergen im März und Carl Philip von Maldeghem übernimmt im Mai 2018 die Regie der deutschsprachigen Erstaufführung von »Kick it like Beckham« von Howard Goodall. Für Shakespeares »Love Songs« ist im Mai 2018 Schloss Leopoldskron der Schauplatz. Ins Heckentheater kommt im Juni 2018 die österreichische Erstaufführung von John von Düffels »Döner zweier Herren«, frei nach Carlo Goldoni. »Schauspiel extra« bringt in den Kammerspielen »Festival der Neuen Komödie – Die Freiheit des Lachens«, sowie die Uraufführung von Georg Clementis »Zeitlieder«.

Der Leiterin von »Junges Land«, Angela Beyerlein, liegen die jungen Theaterbesucher am Herzen. Unter anderem gibt es für das junge Publikum im Landestheater »Die kleine Hexe« von Otfried Preußler und in den Kammerspielen Astrid Lindgrens »Die Brüder Löwenherz« für Jugendliche ab 10 Jahren. Um eine Eintagsfliege geht es in »Nur ein Tag« von Martin Baltscheit.

Auslastung bei 80 Prozent

Der kaufmännische Direktor Torger Erik Nelson gab eine kurze Zwischenbilanz der laufenden Saison: Die Auslastung nach 240 gespielten von 380 angesetzten Vorstellungen liegt bei 80,0 Prozent. Von den insgesamt verfügbaren 181 382 Karten sind derzeit 135 673, somit 74,8 Prozent, verkauft. Das Salzburger Landestheater verfügt in der laufenden Saison 2016/17 über ein Gesamtbudget von 18 Millionen Euro und erwirtschaftet voraussichtlich rund 23 Prozent davon aus eigenen Erträgen. Das neue Probengebäude in Aigen wird nach Ostern in Betrieb genommen  und  im  September mit einem großen Theaterfest und Tag   der   offenen   Tür   der Öffentlichkeit vorgestellt. Gefeiert wird auch beim großen Silvesterkonzert im Großen Festspielhaus und beim »Tanz in den Mai« am 28. April kommenden Jahres auf Schloss Leopoldskron. Elisabeth Aumiller