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Alfons Kandler mit 90 Jahren in Silvesternacht verstorben

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Marktschellenberg: Alfons Kandler mit 90 Jahren in Silvesternacht verstorben
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Alfons Kandler erhielt für sein ehrenamtliches Wirken auf vielen Ebenen zahlreiche Auszeichnungen. Der Marktschellenberger Altbürgermeister und Ehrenbürger verstarb in der Silvesternacht im Alter von 90 Jahren. (Foto: BRK BGL)

Marktschellenberg – Drei Jahrzehnte lang war Alfons Kandler ehrenamtlicher Bürgermeister der Marktgemeinde Marktschellenberg. Hauptamtlich leitete er darüber hinaus lange Zeit parallel das Zollamt Marktschellenberg und nahm damit zum Wohle seiner Gemeinde eine Doppelbelastung in Kauf. Nachdem der gebürtige Straubinger nun schon seit Längerem gesundheitlich stark angeschlagen war, verstarb er in der Silvesternacht im Alter von 90 Jahren.


Alfons Kandler machte nach dem Schulabschluss zunächst eine Lehre als Großhandelskaufmann bei der in Straubing ansässigen Firma Poiger. Als Sekretär, Lohnbuchhalter und Hauptkassierer blieb er acht Jahre bei seinem Lehrherrn, ehe er im Oktober 1955 in die Zollverwaltung eintrat. Nachdem er im Jahr darauf die Zollassistentenprüfung abgelegt hatte, versah er sechs Jahre lang den Zollgrenzdienst im Zollkommissariat Berchtesgaden.

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Im Dezember 1962 begann Alfons Kandler die Ausbildung für den gehobenen Dienst, die er knapp drei Jahre später mit der Zollinspektorenprüfung abschließen konnte. Bevor er am 1. Februar 1967 das Zollamt Marktschellenberg übernahm, arbeitete er zunächst am Autobahnzollamt Bad Reichenhall. Die Beförderung zum Zolloberinspektor erfolgte im November 1969 und mit Jahresbeginn 1982 schließlich zum Zollamtmann.

Eine weitere Beförderung, die auch geografische Veränderung bedeutet hätte, schlug er aus, da ihn sein kommunalpolitisches Engagement und die Liebe zu Marktschellenberg dort festhielten. So schied er nach 27 Jahren als Marktschellenberger Zollamtsleiter aus und ging 1994 in den Ruhestand.

Da hatte er längst die Kommunalpolitik für sich entdeckt. Als sich die CSU-Ortsgruppe Marktschellenberg gerade in der Auflösung befand, stieß Kandler hinzu. Im Jahr 1972 schaffte er auf Anhieb den Sprung in den Gemeinderat. Sechs Jahre später war er Bürgermeister des Marktes und nebenher Mitglied des Kreistags, des Jugendwohlfahrtsausschusses und später des Sozialhilfeausschusses. Fünf Wahlperioden lang stand er der Gemeinde als Ortsoberhaupt vor. Als Alfons Kandler im Jahre 2008 aus Altersgründen sein Amt niederlegte, verlieh man ihm den Titel »Altbürgermeister« und die Ehrenbürgerwürde.

Zahlreiche Projekte konnten unter der Führung Kandlers in Marktschellenberg realisiert werden. So der Neubau des Schwimmbades und einer Kneippanlage, die Errichtung des örtlichen Kindergartens sowie eines Feuerwehrhauses. Der Neubau des märktischen Bauhofs, die Generalsanierung des Schulhaus-Altbaues und des Schulsportplatzes oder die Errichtung eines Kinderspielplatzes fallen ebenso in Kandlers lange Amtszeit wie der Erwerb des Wehrturms, die Erschließung des Gewerbegebiets Almbachklamm oder die Herausgabe der Ortschronik.

In seiner Zeit wurden auch zahlreiche Bergbauernwege ausgebaut und Gemeindeverbindungs- beziehungsweise Ortsstraßen und historische Denkmäler saniert. Nicht zuletzt ging auch die Initiative zur schnellen Wiedereröffnung der 1998 durch Unwetter zerstörten Almbachklamm von Kandler aus.

Alfons Kandler war auch Vertreter Marktschellenbergs im Fremdenverkehrsverband beziehungsweise Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und Kreisvorsitzender der Wasserwacht. Bereits 1945 hatte er die Wasserwacht-Abteilung Straubing mitgegründet und später geleitet. Kandler war das letzte noch lebende Gründungsmitglied der Wasserwacht.

Von 1956 bis 1961 übernahm er die Leitung der Ortsgruppe Berchtesgaden, 1961 den Vorsitz der Kreiswasserwacht Berchtesgadener Land bis 2005. Danach war Alfons Kandler Ehrenvorsitzender und Delegierter der Landesleitung der Wasserwacht Bayern.

Als Ausbilder »Schwimmen und Rettungsschwimmen« sowie in Erster Hilfe hat Kandler im Laufe der Jahre Hunderten von Menschen das Schwimmen beigebracht und sie teilweise zu Rettungsschwimmern ausgebildet.

Er bewahrte mehrere Menschen, zum Teil unter Einsatz des eigenen Lebens, vor dem Ertrinken. Für seine Verdienste wurde Kandler 1999 von der Wasserwacht zum Ehrenmitglied ernannt. Bis 2015 engagierte er sich aktiv im Schulschwimmen an der Grundschule Marktschellenberg. Im Januar 2016 erhielt er bei der Jahreshauptversammlung der Wasserwacht auch die Auszeichnung für 70-jährige aktive Mitgliedschaft und das Ehrenzeichen für Ausbilder in Gold.

Auch sonst ist Kandler für sein Engagement mit vielen Auszeichnungen bedacht worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Solange es gesundheitlich noch ging, hat Alfons Kandler auch im Ruhestand das politische Geschehen in seiner Heimatgemeinde Marktschellenberg noch aufmerksam mitverfolgt. Doch vor allem im letzten Jahr ließen seine Kräfte stark nach, bis er in der Silvesternacht von seinem Leiden erlöst wurde. Alfons Kandler hinterlässt neben Ehefrau Anni auch vier Kinder, neun Enkel und vier Urenkel.

Ulli Kastner