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Einen amüsanten, aber auch nachdenklichen Abend bescherten Michael Lerchenberg und Florian Burgmayr den Zuhörern im k1. (Foto: Mix)

Ludwig Thoma (1867 bis 1921) kennt man in Bayern als Autor der »Lausbubengeschichten« und der »Heiligen Nacht«, einen, der das bayerische Leben mit all seinen Facetten sehr treffend wiedergab. Er war jedoch ein sehr vielschichtiger Mensch und schrieb auch überaus kritische und oft beißend scharfe Texte, verpackt in Form von Briefen oder Zeitungsartikeln. Vor allem zum Klerus hatte Thoma, der auf Wunsch seiner Mutter eigentlich Pfarrer hätte werden sollen, ein gespaltenes Verhältnis und übte offen Kritik an manchen Machenschaften.


Der Schauspieler Michael Lerchenberg ist ein ausgewiesener Thoma-Kenner, er hat zum 150. Geburtstag von Ludwig Thoma im Jahr 2017 ein Buch geschrieben mit dem Titel »Pfaffen, Pfarrer & Pastoren, von Scheinheiligen und Heiligen«, in dem viele Ausschnitte des bayerischen Autors zu finden sind, in denen sein Verhältnis zur katholischen und evangelischen Kirche deutlich wird.

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Im ausverkauften Studiotheater des Traunreuter k1 las Michael Lerchenberg nun Ausschnitte aus den verschiedensten Werken Thomas, darunter der Roman »Andreas Vöst« oder das Theaterstück »Magdalena«. Der Schauspieler brachte die Textpassagen lebendig dar, schlüpfte in die einzelnen Rollen und machte dadurch das Zuhören zum großen Vergnügen.

Ludwig Thoma war zur damaligen Zeit, als das Kabarett noch gar nicht erfunden war, einer der ersten sarkastischen Autoren, der die Scheinmoral so mancher Mitmenschen bloß stellte. Als Chefredakteur der satirischen Wochenzeitschrift »Simplicissimus« zog er so richtig vom Leder. Nicht nur einmal wurde er dadurch vor Gericht zitiert und wegen der »Beleidigung einiger Mitglieder eines Sittlichkeitsvereines« in einem Spottgedicht wurde er sogar zu sechs Wochen Haft verurteilt, die er in Stadelheim absitzen musste.

Diese Haftzeit nutzte er, um den Beginn seiner Komödie »Moral« zu verfassen. Die Themen, mit denen sich Ludwig Thoma bereits Ende des 19. Jahrhunderts befasste, haben auch heute noch Gültigkeit und sind sogar in manchen Teilen aktueller denn je. So erläuterte er beispielsweise in einem der bekannten Filser-Briefe die Bedeutung des Zölibats. Die geistlichen Herren könnten gar nichts dafür, dass bei all dem guten Essen und Trinken, das ihnen die Köchin täglich kredenzt, das Blut in Wallung gerät. Und schließlich bedeute Zölibat ja nur, dass Pfarrer nicht heiraten dürfen, aber nicht, dass sie keusch leben müssten. Selbst Missbrauch von jungen Schutzbefohlenen kam schon damals in der Kirche vor und wurde von ihm aufgegriffen.

Nur zu gerne befasste sich Ludwig Thoma auch mit dem bayerischen Parlament zu seiner Zeit, das »schwärzer ist als Kohle« und frömmer als jedes Priesterkolleg. Denn in der »Katholischen Zentrumspartei« waren zahlreiche Priester und Theologen Mitglieder – eine, wie Lerchenberg ausführte, »von Rom gewollte Politisierung des Klerus'«.

Wie schlecht es um die bayerische Staatsregierung bestellt ist, die seit Jahren vergebens auf den göttlichen Ratschlag wartet, zeigte Michael Lerchenberg am Ende seiner Lesung mit der bekannten, aber amüsanten Geschichte vom »Münchner im Himmel« auf. Musikalisch passend untermalt wurde der Abend von Florian Burgmayr mit seiner Tuba. Pia Mix