weather-image
27°

»Af do Olm do gibs Absinth«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Opas Diandl mit (v. l.) Markus Prieth, Daniel Faranna, Veronika Egger, Jan Langer und Thomas Lamprecht. (Foto: Heel)

So reden sie, die Südtiroler, wenn sie meinen: »Auf der Alm, da gibt's Absinth.« Kein Wunder also, dass Markus Prieth, der Frontmann der Band Opas Diandl, im Verlauf des Abends so einiges zu erklären hatte. Etwas fahrig und augenscheinlich eher spontan, aber das kannten wir ja schon vom ersten Auftritt der Band, als sie vor ziemlich genau einem Jahr im NUTS ihr Album »Bachblüten und Pestizide« vorgestellt hatte. Und dabei das Publikum mit ihrem kreuzfidelen Mix aus »Neuer Volksmusik« und Folkpop in eine ganz eigene Welt entführte, wo der »Kneidlsteahler« (Knödeldieb) »A poor af die Löffel« kriegt und die »Polka vom Schorsch« erklingt, wenn es heißt »In die Berg bin i gearn«, auch wenn dort der unheimliche Tatzlwurm haust.


Jetzt haben Markus Prieht und seine vier Mitspieler Veronika Egger, Daniel Faranna, Thomas Lamprecht und Jan Langer in der sehr gut besuchten Kulturfabrik ihr neues Album »Schubplaadln« präsentiert, ein Titel, der wohl darauf hinweisen soll, dass ihre Musik in keine bestimmte Schublade passt, dass sie sich dort bedienen, wo es ihnen gerade gefällt. Bei Rock und Punk, aber auch bei Klassik und italienischer Volksmusik. »Denn wären wir alle aus der Volksmusik gekommen«, so Jan Langer dazu, »dann wären wir vielleicht schon zu eingefahren gewesen, um einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln.«

Ein Stil, der auch beim zweiten Mal seine Wirkung nicht verfehlte bzw. restlos begeisterte. Versiert an einer Vielzahl von Instrumenten und mit sichtlicher Freude am ausgelassenen Spiel, erzählten uns die fünf Musiker/innen inklusive vieler Jodeleinlagen z. B. mit »Wonn du durchgeasch durchs Tol« von einem Vater, der seinen Buben wegschicken muss; stimmten sie mit »Die Spinnerin« ein Loblied an dieselbige an und brachten mit »Poll allz anuan Korrn ziacht« zum Ausdruck, dass alles gut wird, wenn wir nur in Bewegung bleiben und den (Lebens-)Karren weiterziehen.

So schräg und eigenwillig die Texte, so ungewöhnlich und spannend auch die Arrangements der meist selbst komponierten Lieder und Instrumentalstücke. Trotz aller Experimentierfreudigkeit und stilistischen Eskapaden klang auch hier alles verblüffend harmonisch und wunderbar flüssig, auch wenn auf betont ruhige Passagen häufig schlagartig laute, wilddramatische Ausbrüche folgten. Ganz klar, dass bei soviel Können und Spielfreude auch der Humor nicht zu kurz kam, Markus Prieht neben der launigen Übersetzung der Texte auch so manch verquere Geschichte parat hatte. Etwa die von einem Urlaub in Kalabrien, der in einer Riesenwelle endet, die bis in seine Südtiroler Heimat schwappt, wo sie dann als Knödelursuppe für neues Leben sorgt.

Hoffen wir also, dass die fünf sympathischen Vollblutmusiker noch öfter den Weg übers Gebirge ins NUTS finden, vorbei am Tatzlwurm und gestärkt mit ein paar Knödeln, und jeweils mit einem neuen Album im Gepäck. Wolfgang Schweiger