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Abschluss mit einer Sternstunde

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Einen atemberaubenden Abschluss boten die Musiker beim letzten Konzert des 13. Chiemgauer Musikfrühlings – nicht nur mit dem Klavierquintett Nr. 1 von Ernest Bloch. (Foto: Heigl)

Atemberaubend schön war das Abschlusskonzert des 13. Chiemgauer Musikfrühlings im Traunsteiner Kunstraum Klosterkirche mit dem Schubert-Trio in B-Dur, das einer Programmänderung geschuldet war, weil die Pianistin des Abends, Marianna Shirinyan, wegen einer Verletzung kurzfristig hatte absagen müssen und dem vierhändig spielenden Schwesternpaar Walachowski, glamourös vom Kopf bis zur Zehe, das ein berühmtes Stück von Felix Mendelssohn Bartholdy spielte: »Ein Sommernachtstraum«, wie er aufregender nicht sein könnte! Es war ein Vergnügen, und ja, atemberaubend schön, wie die beiden Schwestern ihn präsentierten.


Der zweite Teil des Konzerts war ganz dem Komponisten Ernest Bloch (1880-1959) gewidmet und das Konzert ging geradewegs durch die Decke. Diana Ketler hatte das Auditorium bereits vor Beginn darüber informiert, welche unglaublichen Tiefen und Höhen das Klavierquintett Nr. 1 Blochs beinhaltet – fast ehrfürchtig ging sie danach zum Flügel. Ein jüdisches Sprichwort, erklärte Diana Ketler, sagt, »man wird geboren mit einem Lied und stirbt mit einem Lied«.

Die drei Sätze – »Agitato«, »Andante mistico« und »Allegro energico« –, die Diana Ketler als spannenden Prozess einer Kartharsis darbot, hielten die Zuhörer in ihrem Bann. Klangbilder der industriellen Revolution, der Aufbruch in die Moderne und der neue Mensch kumulierten zu einem farbenprächtigen Epos. Die Auflösung der Komposition im letzten Satz war wirklich so himmlisch schön und erhaben, wie angekündigt.

Begonnen hatte das Werk mit den dramatischen, stürmisch-wilden Phrasen des ersten Satzes. Im zweiten Satz des episch-großartigen Werks folgte die Klangsprache jüdischer Legendenerzählungen im dritten dann die Erlösung. Der Himmel schien sich zu öffnen. Dann: sich ausbreitende Stille. Die Stille nach dem letzten verklungenen Ton dauerte ungewöhnlich lange, schwebte das Publikum doch noch in einem Taumel von musikalischer Glückseligkeit. So großartig wird sonst nur Kirchenmusik komponiert.

Nach dem überaus enthusiastischen Applaus spielten die Musiker den Schluss des zweiten Satzes noch einmal – wieder waren am Ende alle sprachlos vor Staunen und Glück, und genossen die entstandene Stille im Kunstraum der Klosterkirche. Unfassbar, wie man so etwas überhaupt spielen kann. So endete also der letzte Konzertabend mit einer großartigen Sternstunde. Barbara Heigl