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Abschied von der Pfarrei Übersee mit Herz und Schmerz

Übersee. Mit einem mehr als fünfstündigen Feier-, Dank- und Abschiedsabend ist der langjährige katholische Pfarrer Konrad Kronast aus Übersee verabschiedet worden. Der emotionale Abschiedsmarathon führte an seine ehemaligen Wirkungsstätten von Pfarrzentrum, Kindergarten, Schule, Rathaus, Kirche und Pfarrsaal und war an jeder Station gestaltet mit Reden, Darbietungen und Sympathiebekundungen.

Kronast hat in Übersee 14 Jahre lang als Pfarrer gewirkt und dort 362 Taufen, 316 Beerdigungen. 91 Trauungen, 645 Erstkommunionkinder und 650 Firmlinge begleitet. In seine Zeit fielen zwei Gautrachtenfeste und das 100. Kirchenjubiläum am 26. September 2004. Energisch hat er einige Bauvorhaben durchgesetzt, wie die Verschönerung des Pfarrhofes, die Renovierung der Almau-Kirche, die Sanierung des Pfarrzentrums, Familien-Urnengräber, einen behindertengerechten Kircheneingang sowie zuletzt den Kindergarten-Neubau.

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Ferner hat Kronast fünf Priesteramtskandidaten ausgebildet, den Cantiamo-Chor gegründet, den Neujahrsempfang und etliche neue Gottesdienstformen eingeführt. Als Dekan, geistlicher Beirat der katholischen Landvolkbewegung und Betreuer von bis zu sieben Pfarrgemeinden hat er darüber hinaus weit über die Ortsgrenzen hinaus Akzente gesetzt. Auch jetzt nach seinem 75. Geburtstag will Kronast nicht die Hände in den Schoß legen und bleibt weiterhin als Inselpfarrer auf der Fraueninsel tätig.

So groß wie sein Wirkungskreis war auch die Zahl derer, die ihm gratulieren und sich von ihm verabschieden wollten. Rund 500 Bürger aus allen gesellschaftlichen Bereichen waren gekommen. Auch Petrus war mit im Bunde, denn er schenkte dem scheidenden Pfarrer zwischen zwei unwetterähnlichen Regenphasen einige wundersame Sonnenstunden für die geplanten Aktionen im Freien.

Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung hatten zum Abschied einen Weg ausgesucht, »den du oft gegangen bist«, sagte Gemeindereferent Richard Mittermaier und führte Kronast und alle Gäste noch einmal an dessen Wirkungsstätten. Am Pfarrzentrum wurde der scheidende Pfarrer von der Blaskapelle begrüßt und von den Erstkommunionkindern mit einem Geburtstagsständchen bedacht. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Josefine Steinbichl fand herzliche Dankesworte und wünschte ihm eine lange Gesundheit.

Angeführt von der Blaskapelle bewegte sich der Zug zum Kindergarten, wo Kronast schon von den Kindern und einer Abordnung des gemeindlichen Kindergartens erwartet wurde. »Sie kennen alle unsere Kinder beim Namen, denn Kinder haben ihnen immer am Herzen gelegen«, freute sich Kindergarten-Leiterin Gisela Fagerer. Als Nachbarn des katholischen Kindergartens verabschiedete sich auch die evangelische Kirche. Pfarrer Wolfgang Schmidt-Pasedag und seine Frau Iris gaben Kronast alle guten Wünsche mit auf den weiteren Lebensweg.

An der nächsten Station, der Schule, führten die Grundschulkinder Tänze auf und der neue Rektor Bernhard Benoist überreichte ihm einen bunten Fallschirm. »In unserem Lehrerzimmer warst du fast daheim, denn du hast dich immer um unsere Kinder gekümmert«, sagte der ehemalige Schulleiter Hans Aderbauer.

Weiter ging der Zug zu Bürgermeister Marc Nitschke und seinen Gemeinderäten vor das Rathaus. »In den vergangenen 14 Jahren haben Sie drei Bürgermeister erlebt, davon sogar einen evangelischen«, schmunzelte Nitschke. »Wir haben in den letzten viereinhalb Jahren trotzdem viel erlebt und gestaltet und immer sehr gut zusammengearbeitet.« Als Geschenk überreichte der Gemeindechef dem Garten- und Fußballfan Kronast einen ganzen Handwagen voller Pflanzen, einen Fußball und Karten für die ersten Bundesligaspiele von Bayern München. Zur Gaudi der Anwesenden ließ Gemeinderat Hans Schönberger danach in lustigen Gstanzln das Wirken von Kronast noch einmal Revue passieren.

Ein großer Festgottesdienst in der Pfarrkirche mit zehn Pfarrern sowie zehn Fahnenabordnungen der Überseer Vereine erwartete den Pfarrer dann in seiner Hauptwirkungsstelle. Kirchenchor, der Cantiamo Chor und die Blaskapelle boten ein grandioses Musikerlebnis.

Im Rahmen seiner letzten Predigt an der Überseer Kanzel fand Kronast nachdenkliche Worte zu den 218 Kirchenaustritten in seiner Amtszeit und bat um Vergebung, »dass ich vielleicht einige Menschen nicht genug gewürdigt habe«. Nicht mit Wehmut, sondern mit einem Witz beendet Kronast seine Predigt. Er schilderte die Geschichte von einem Pfarrer, der mitten in der Predigt zwei Minuten innehielt, an die Kirchendecke schaute und als Entschuldigung später von einer Erscheinung sprach. Welcher Art die Erscheinung gewesen sei, wollte seine Gemeinde wissen. Darauf die Antwort: »Eine Alterserscheinung.«

Am Ende des Gottesdienstes hielt auch Kirchenpfleger Ludwig Klarwein noch einmal Rückblick auf die vergangenen 14 Jahre und versicherte, »dass wir Sie nicht vergessen und als Pfarrgemeinde lebendig bleiben werden.

Rund 300 Personen trafen sich abschließend an der Endstation des Weges, dem Pfarrsaal. Dort hatten die Frauen der Pfarrgemeinde liebevoll dekorierte Tische mit Häppchen und Getränken vorbereitet. Nicht enden wollte auch hier die Zahl der Menschen, die sich mit Geschenken von Pfarrer Kronast verabschiedeten und ihm Freude, Elan, Mut und Zuversicht für seinen neuen Lebensabschnitt wünschten. bvd