weather-image

Abschied vom »Ministrantenvater«

Berchtesgaden - »Da Heini is gstorbn.« Schnell verbreitete sich die traurige Nachricht am vergangenen Wochenende in Berchtesgaden. Der Heini - fast jeder kannte ihn, fast jeder mochte ihn, den Altmesner der Pfarrei St. Andreas. Der Heini war eine Institution. An seinem 85. Geburtstag wurde er vorgestern am Alten Friedhof zu Grabe getragen.

Im Kreise seiner Ministranten fühlte sich Mesner Heini Zauner (M.) wohl. Hier spricht er mit seinem späteren Nachfolger, dem Kaiser Willi (r.). Foto: Anzeiger/B. Stanggassinger

Heinrich Zauner wurde am 13. September 1927 als viertes Kind von Karl und Amalia Zauner geboren. Als er gerade neun Jahre alt war, starb seine Mutter im Alter von 34 Jahren, drei Jahre später verlor er auch seinen Vater. Er begann eine Gärtnerlehre im Hofbrauhaus, die allerdings durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde.

Anzeige

Als er nach viereinhalbjähriger Kriegsgefangenschaft nach Berchtesgaden heimkehrte, bewarb er sich um die frei gewordene Stelle des Stiftsmesners, die vorher ausschließlich von vier Generationen der Familie Vonderthann eingenommen worden war. Am 1. April 1949 trat er seine neue Arbeitsstelle an und, so kann man mit Fug und Recht behaupten, stellte von nun an sein Leben vollständig in den Dienst der Kirche, speziell in den Dienst »seiner« Stiftskirche und »seiner« Pfarrkirche.

Als er nach fast 42 Mesnerjahren am Lichtmesstag 1991 offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde, dachte er noch lange nicht ans Aufhören. Erst eine schwere Erkrankung in den letzten Jahren, in deren Verlauf ihm ein Unterschenkel amputiert werden musste, konnte seinen Arbeitseifer stoppen. An den Rollstuhl gebunden verbrachte er die vergangenen Jahre im Bürgerheim - nie aber klagte er über sein schweres Los: Auch im Rollstuhl war er immer fröhlich und »gut drauf«. Vor wenigen Wochen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide, auch eine weitere Amputation in der Kreisklinik Bad Reichenhall brachte keine Besserung. Am Abend des 6. September hat er für immer seine Augen geschlossen.

Zahlreiche Bilder kommen einem in den Sinn, wenn man an den Verstorbenen denkt: Der Heini, der in aller Herrgottsfrüh pfeifend mit seinem Radl vorbeigefahren ist, der Gepäckträger überquellend von Blumen, die er sich bei seinen »Stellen« holen durfte. Der Heini, der an Fest- oder Namenstagen noch vor Sonnenaufgang kleine Präsente an die Haustüren seiner Ministranten oder »verdienter« Personen gehängt hat. Der Heini, der für seine Ministranten autoritätsmäßig teilweise vor deren eigenen Eltern stand (»Der Heini hat g'sagt …«). Der Heini, der unter anderem die Freiwillige Feuerwehr und die Markterer Weihnachtsschützen ideell in jeder Weise unterstützte und der sich immer unbändig freute, wenn der Altarraum bei Festgottesdiensten mit Fahnenabordnungen gefüllt war, wie es dann auch bei seinem Requiem der Fall war.

Der Heini, der als Friedhofsmesner unzähligen Berchtesgadenern auf ihrem letzten irdischen Weg das Kreuz vorangetragen hat. Der Heini, mit dem sich jeder »seiner« drei Pfarrer erst einmal auseinanderzusetzen hatte, wer wo das Sagen hat. Der Heini, der im Dienst ständig seinen schwarzen Talar trug, in dem er übrigens auch bestattet worden ist. Der Heini, der seinem Gegenüber nur ganz ungern die Hand gab und nach einem freundlichen Kopfnicken meist sagte: »Des guit scho!« Der Heini, der mit zunehmendem Alter immer jovialer wurde und die Gottesdienstbesucher mit einem kräftigen »Griaß God beinanda« begrüßte, wenn er aus der Sakristei kam. Der Heini, der alles Aufhebens um seine Person ablehnte, sich aber doch spürbar freute, wenn seine Leistungen als »Stiftsmesner« anerkannt wurden. Der Heini, der noch immer mit seinem Radl zwischen Stiftskirche und Bürgerheim fuhr, als er bereits körperlich stark gehandicapt war und infolgedessen die halbe Straßenbreite brauchte. Der Heini, der in den letzten Jahren von Ministranten oder seinen Mesner-Nachfolgern im Rollstuhl durch Berchtesgaden geschoben wurde und die Leute auf der anderen Straßenseite lauthals und freundlich grüßte.

»Wir sind ärmer geworden«, sagte Pfarrer Peter Demmelmair am Beginn des Requiems, zu dem zahlreiche Wegbegleiter, darunter viele erwachsene Ministranten gekommen waren. Pfarrer Demmelmair feierte das von den Geschwistern Hallinger musikalisch umrahmte Requiem in Konzelebration mit Prälat Dr. Walter Brugger, Pfarrer Alois Fuchs, Pfarrer Josef Zierl, Pfarrer Christian Hermann, Pfarrer Kaspar Städele, Kurat Ralph Regensburger, Kaplan Stefan Leitenbacher und Diakon Karl Bodinger. In seiner Predigt sprach Demmelmair einige Mosaiksteine aus dem Persönlichkeitsbild des Verstorbenen an, beispielsweise seine väterliche Freundschaft zu vielen Jugendlichen, seine Liebe zum Blumenschmuck, seine immer positive Lebensauffassung, seine absolute Loyalität. »Der Heini hat seinem Leben einen Sinn gegeben«, fasste Demmelmair zusammen und schloss die Predigt mit einem Spruch, der über einem französischen Friedhofstor steht: »Wenn man dich zu Grabe trägt, zählt nicht, was du hast, sondern was du gegeben hast.« A.P.