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»A Mind of Winter« und die Spitze des Eisbergs

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Das Bild »Blut färbt die Wolken« nach Frederic E. Church zeigen Martin und Paloma Muñoz in ihrer Ausstellung im »Rupertinum«. (Foto: Mikosch)

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert seinen Besuchern bis April zwei parallel laufende Ausstellungen: Zum einen in seinem Standort auf dem Mönchsberg die beeindruckende Ausstellung »Die Spitze des Eisbergs«, in der ausgewählte Werke aus den vielseitigen Sammlungen des Museums gezeigt werden, die lange nicht mehr präsentiert worden sind und jetzt in chronologischer Folge über zwei Etagen zu sehen sind. Zum anderen im »Rupertinum« in der Altstadt »A Mind of Winter«, in der das amerikanisch-spanische Künstlerpaar Walter Martin und Paloma Muñoz auf Ebene 1 ihre absurd-bizarren Visionen in – auf den ersten Blick zauberhaft anmutende – Schneekugeln gestaltet haben.


Dass der »Zauber« dieser transparenten Glaskugeln, die wohl jeder noch aus seiner Kindheit kennt, hier aber in tiefe Abgründe führen kann, wird dem Betrachter erst auf den zweiten Blick klar, wenn er die akribisch gestalteten Minilandschaften aus Eisbergen, Eisflächen und abgestorbenen Bäumen, Tieren und vor allem Menschen und deren Handlungen genauer betrachtet. Teilweise verstoßen sie sogar gegen jede Ethik, gegen Moral oder Gesetz und stecken in absurden oder ausweglosen Situationen, die den Betrachter befremden, erschrecken oder die einfach nur skurril sind.

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Die ganz ähnlich gestalteten Wandbilder der von Weitem friedlich anmutenden Schneelandschaften sind ebenfalls alles andere als das – und schon begibt sich der inzwischen sensibilisierte Betrachter auf die spannende Suche nach der nächsten Absurdität.

Im Norden der USA, wo die beiden Künstler abgeschieden auf dem Land leben, sind Schneestürme und verwehungen keine Seltenheit. So mögen inmitten einer vom Schnee abgeschnittenen Natur in der dortigen Einsamkeit durchaus jene albtraumartigen Vorstellungen in den Sinn kommen, die durch die gläsernen Kugeln sichtbar werden – gleich einem überwachbaren, voyeuristischen Akt, eine Art Sinnbild der Überwachungsfantasien der modernen digitalen Welt wie auch des privaten Raums.

Darauf weist auch die Fotoserie »Blind Houses« (Blinde Häuser) hin: Bilder von typisch amerikanischen Häusern, die aber durch Bearbeitung hier weder Fenster noch Türen aufweisen und somit weder Einblick noch Eintritt gewähren.

Auf Ebene 2 findet der Besucher Gemälde, die durch Martin und Paloma Muñoz, die immer gemeinsam arbeiten, von Künstlern der River Hudson School (Mitte des 19. Jahrhunderts im romantischen Stil) zwar in ihren Grundzügen wie der typisch nordamerikanischen Landschaft übernommen wurden, doch ohne die idyllischen Motive dieser Zeit und ihre stilistischen Merkmale und Pinselstriche.

Aktualisiert und transformiert in die heutige Zeit sind die Farben verändert, oft verwischt: Während sich der verunreinigte Fluss Hudson träge dahin schiebt, haben giftgrüne und blutrote Farben das einstige Blaugrün verdrängt. Ein Bild, das in den USA wie auch in Europa die Sünden ungeklärter Abwässer anprangert.

Ebenso befremdend ist das Bild eines Sees, an dessen gegenüberliegendem Ufer der Wald lichterloh brennt, der Himmel glüht und ein Clown gelassen dessen Todesmelodie auf der Geige spielt. (»Blut färbt die Wolken« – nach Frederic E. Church). Eine Aufforderung an jeden, Partei für die bedrohte Umwelt und Natur zu ergreifen.

So kann sich der Besucher hier wie auch in der ebenso komplexen Ausstellung auf dem Mönchsberg auf eine spannende Suche begeben.

Die Ausstellung ist bis 26. April zu den Öffnungszeiten des Rupertinum von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr.

Helga Mikosch