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Über Ossi-Bayern und andere »Dreckslöcher«

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»Hallöchen«, sagt der Preiß. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Über 700 Zuschauer fieberten am Donnerstagabend gespannt auf den Tourneestart des bayerischen Comedystars Harry G und sein neues Programm »HarrydieEhre« hin.


Frei nach dem Motto: »Das Leben und andere Katastrophen« witzelte der Münchner rotzfrech, brüskierend bis diskriminierend von der Bühne des Großen Saals. Wer zwei Stunden seinen Anspruch auf Tiefgründigkeit zu Hause ließ, hatte Spaß am provokanten Schmarrn und lachte mit.

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Das Schlimmste für Harry G ist der Alltag mit all seinen Deppen. Besonders die Preißn. Und weil das Thema noch nicht ausgetreten genug ist, aber immer wieder als Garant für Lacher funktioniert, bedient sich der Comedian gern dieses Klischees. Mit charismatischem Hut und chronisch dicker Halsschlagader lästert er sich durch das Unterholz ihrer täglichen Fehltritte.

Gewöhnlich begrüßt »Harry G« sein Publikum mit: »Freut mich, dass ich da bin.« Dann legt er sofort los: »Kennt jemand Duisburg?«, fragt er grinsend in die Runde. »Duisburg ist das größte Drecksloch auf der ganzen Welt«, pöbelt er von der Bühne und äfft die unappetitliche Currywurstfresserei nach. Richtig in Fahrt gekommen mäht »Harry G« anschließend sämtliche Dialekte der Republik nieder. »Mia san mia! Und ihr seid ihr!«, schreit er. Selbst die Franken sprechen nur ein »Ossibairisch«. Und natürlich freut sich ein Berliner, wenn der Bayer ihm eine »Fotzn« geben will. Neu ist das nicht.

»Harry G« heißt im bürgerlichen Leben Markus Stoll. Seine Bühnenfigur leitet er durch die Abkürzung eines guten Freundes seines Vaters ab. Dass er hinter dem G keinen Punkt gesetzt hat, begründet der gute Geschmack. Stoll erlangte mittels sozialer Medien bei vielen bereits Kultstatus. Auf Youtube liefert er häppchenweise deftige Kurzclips ab. Auch im Bayerischen Fernsehen werden seine Späße neuerdings gesendet. Bereits in seinem Debütprogramm »Leben mit dem Isarpreiß« tourte er erfolgreich. Mit »HarrydieEhre« baut Stoll nun seinen Erfolg professionell weiter aus. 40 Termine stehen in diesem Jahr an.

Begegnungen und Charakterdefizite lieferten auch nach der Pause genug Stoff zum Weitergranteln. »Harry G« greift schonungslos zu und nagelt alle an die Wand. Frauen, Mütter, »Zuagroaste« werden derbleckt. Eine weitere Kostprobe: Frauen werfen einen Ball, wie Männer mit links. Oder noch einen Kalauer: Männern empfahl »Harry G«, in ein veganes Café zu gehen, wenn sie »Titten« sehen wollten. Denn da stillen Frauen mit großen oder kleinen Hängebrüsten. Mit Glück sogar laktosefrei. Mehr? Wenn das Lachen im Saal von einem lauten »Ha ha ha« Richtung gedämpftem »Ho ho ho« ging, traute sich »Harry G« mal wieder, die Geschmacksgürtellinie nach unten zu variieren.

Tratsch im Treppenhaus oder Stammtischgelaber könnte man sein Bühnenprogramm auch betiteln. »Harry G« stellt sich einfach kurz daneben, nutzt seine Comedian-Spürnase, und zack – hat er massenkompatibles Material im Kasten. So einfach geht das. Aber »Harry G« ist bekannt und erfolgreich mit seinen Beschimpfungstiraden geworden. Das Publikum erwartet, dass die Gags wie aus der Pistole geschossen kommen. Der Große Saal war so gut wie ausverkauft und nach der Show standen die Zuschauer Schlange, um mit Autogrammkarte und »Harry G«-Selfie nach Hause zu gehen. Jörg Tessnow

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