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Österliche Prachtmusik im Rupertiwinkler Dom

»Für uns Rupertiwinkler ist das ein kleines bisserl ein Nach-Hause-Kommen«, interpretierte der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl das Gastspiel der Stiftsmusik St. Peter aus Salzburg in der Waginger Kirche: Er erinnerte an die über 1000 Jahre währende Zugehörigkeit zum Fürsterzbistum Salzburg. Die prachtvolle barocke Kirche Mariä Himmelfahrt wirkt auch wie ein kleiner Bruder des Salzburger Doms. Chor und Orchester von St. Peter erfüllten sie im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« mit in österlicher Freude überbordenden Klängen.

Chor und Orchester der Stiftsmusik St. Peter rissen unter Leitung von Armin Kircher mit einem temporeichen österlichen Programm mit. (Foto: Mergenthal)

Wer eine Woche zuvor auch in Inzell war, konnte mit Albert Hartinger von der Bachgesellschaft und nun mit Stiftskapellmeister Armin Kircher zwei faszinierende Salzburger Musiker-Persönlichkeiten erleben – mit ganz unterschiedlichen Zugängen zur Salzburger Musik des 18. Jahrhunderts. Das gesamte opulente Programm war bei Kircher samt Zugabe in Eineinviertelstunden vorbei. Statt meditativer Verinnerlichung setzt er auf hohes Tempo, bei dem aber zugleich die facettenreiche, musikalische Gestaltung nicht zu kurz kommt.

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Mit einem witzigen Frage-Antwort-Spiel zwischen Geigen einerseits und warmen Holzbläsern sowie silbrigen Klängen der von Günther Firlinger meisterhaft bedienten Truhenorgel andererseits begann das »Terra tremuit« von Johann E. Eberlin. Der Lehrer Mozarts und Adlgassers, dessen Schwiegervater er später wurde, schildert mit diesem Offertorium für den Ostersonntag das Erdbeben, das die Auferstehung begleitete. Besonders lautmalerisch wird dieses im Choreinsatz durch das stockende Sprechen – »tre-e-muit« – umgesetzt. Der immer mächtigere Chorklang wurde von Trompeten überhöht und mündete in ein gewaltiges Halleluja.

Der Osterfestkreis bildeten den Spannungsbogen des Abends, der mit einem Graduale von Johann Michael Haydn für Christi Himmelfahrt stimmig fortgesetzt wurde. Die Sänger und Musiker bezauberten mit weiten Bögen, ausladenden Fugato-Teilen und beschwingtem Tempo, das den Streichern hohe Virtuosität abverlangte.

Mit einem Solo voller Süße und mit anmutigen Verzierungen von Simone Vierlinger rückte die Sopranistin des Abends beim Pfingsthymnus »Veni Sancte Spiritus« von Leopold Mozart zum ersten Mal in den Mittelpunkt. Die Haltetöne der Solistin kontrastierten reizvoll mit bewegten Streichern und mächtigen Tutti-Passagen, wie ein Wechselspiel zwischen einer inständig Betenden und dem Brausen des Heiligen Geistes. Mit großer Weite, Intensität und sinnlich anschwellenden Tönen, die an Franz Schuberts »Ave Maria« denken lassen, zog die Sopranistin sodann in Wolfgang Amadeus Mozarts »Laudate Dominum« aus »Vesperae solennes de Confessore« in Bann, sanft eingebettet von Streichern und Orgel. Der Chor griff den Faden verhalten, innig und geheimnisvoll auf. Er ließ den Klang kommen wie Meereswogen und zu einem feinen Klangteppich verebben.

Mit »O Jesu mi dulcissimi« des eher unbekannteren Luigi Gatti, der immerhin Leopold Mozart als Bewerber um den Posten des Salzburger Hofkapellmeisters ausgestochen hatte, rundeten die Interpreten den österlichen Spannungsbogen mit einem Graduale für das Kirchenjahr ab. Nach einer Einleitung mit sanftem Hörnerklang begann das Männerduett Gerhard Erlebach (Tenor) und Matthias Winckler (Bass) in warmen Terzen. Später ergaben sich reizvolle Wechsel zwischen Männer- und Frauenduett, bei dem sich Altistin Kristina Busch mit wunderbar biegsamer Stimme dazu gestellte. In raschen Sechzehnteln trieben die Musiker das Stück voran, das durch den Choreinsatz weiter gesteigert wurde.

Der Höhepunkt war Mozarts bekannte Krönungsmesse – mit machtvollen Chorakzenten und flehendem Piano im Kyrie. Das rasant dirigierte Gloria – die hervorragende Akustik erlaubte solche Tempi – wirkte im ersten Teil wie ein Vulkan des Jubels und Gotteslobes. Die Sopranistinnen im Chor begeisterten in den Höhen mit sensationeller Leichtigkeit, die sich auch bei der Zugabe, dem Händel-Halleluja, zeigte. Viel Magie hatten Solistenquartette wie bei »Miserere Nobis«. Weitere Glanzlichter der Messe waren das feurige, spannend gestaltete Credo und das Agnus Dei mit seinem langen Sopransolo über angenehm zurückgenommenen Streicherklang, den reizvoll zwischen Zupfen und Streichen wechselnde Cello- und Basstöne belebten. Veronika Mergenthal