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Ökonom Fuest erwartet jahrelangen Stillstand in Euro-Krisenstaaten

München (dpa) - Der künftige Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, rechnet mit einer jahrelangen wirtschaftlichen Stagnation in den Euro-Krisenstaaten.

Fuest
Wie geht es in den nächsten fünf Jahren in den Euro-Krisenstaaten weiter? Der künftige ZEW-Präsident Fuest ist dieser Frage nachgegangen - und sieht keine schnelle Besserung. Foto: ZEW Foto: dpa

Beim Versuch, die Staatsfinanzen zu sanieren, werde es «quälend langsame» Fortschritte geben, schreibt der Regierungsberater und Finanzexperte in einem Gutachten über die Euro-Schuldenkrise, das die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft in Auftrag gegeben hatte.

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Der Grund: Um die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisenstaaten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien wiederzugewinnen, müssten Preise und Löhne gesenkt werden. Dies führe zu sinkenden Steuereinnahmen und erschwere damit die Sanierung der Staatsfinanzen. «Die Krisenstaaten in der Eurozone werden mindestens fünf Jahre brauchen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Deutschland merklich zu verbessern», sagte Fuest am Dienstagabend bei der Vorstellung seiner Analyse in München.

Mit Austritten aus der Eurozone rechnet der renommierte Ökonom aber nicht. «Die Gläubigerstaaten, vor allem Deutschland und Frankreich, werden dennoch alles daran setzen, Austritte aus der Eurozone zu vermeiden.» Austritte wären kurzfristig mit hohen Kosten verbunden: Allein die Forderungen Deutschlands an Griechenland, Portugal und Spanien bezifferte er auf derzeit rund 540 Milliarden Euro.

Spürbare Entlastung für die Krisenländer könne ein Abbau der Verschuldung durch einen Verzicht der Gläubiger bringen. Im Fall Griechenlands sei dieser Schuldenschnitt unvermeidlich gewesen. «Wenn das Land in der Eurozone bleibt, wird ein weiterer Schuldenerlass folgen müssen, bei einem Austritt erst recht.»

Den Austritt Griechenlands hält Fuest aber trotz der desolaten Lage dort für unwahrscheinlich. Deutschland müsse bei einem Austritt damit rechnen, seine Forderungen gegenüber Griechenland in Höhe von rund 109 Milliarden Euro größtenteils abzuschreiben - und auch als Exportmarkt würde das Land noch einmal stark schrumpfen.

Der Prüfbericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) wird nach Einschätzung von Fuest allerdings ernüchternd ausfallen, weil abzusehen sei, was dabei herauskomme: «Von den vereinbarten Reformmaßnahmen ist der größte Teil nicht umgesetzt worden.» Und: «Die Wirtschaftslage entwickelt sich deutlich schlechter als erwartet, mit negativen Auswirkungen auf den Staatshaushalt.»

Nicht auszuschließen ist aus Sicht von Fuest aber das Szenario, dass die Regierung in Griechenland oder den anderen Krisenstaaten selbst die Entscheidung trifft, die Eurozone zu verlassen. «Das könnte geschehen, wenn die Bevölkerung in diesen Staaten in Folge der zu erwartenden mehrjährigen Stagnation die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung in der Eurozone verliert.» Sollte es zu Austritten aus der Eurozone kommen, würde dies voraussichtlich eher Griechenland, Portugal oder Spanien betreffen, da die Chancen für eine wirtschaftliche Erholung dort schlechter stünden als in Italien und Irland.

Fuest wird im März kommenden Jahres Nachfolger von Wolfgang Franz an der Spitze des ZEW in Mannheim. Derzeit ist er Direktor des Zentrums für Unternehmensbesteuerung in Oxford. Außerdem berät er Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Für sein knapp 30-seitiges Gutachten untersuchte er die Entwicklung in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland bis 2017.

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