weather-image
25°

30-jähriger Sachse stirbt nach Lawinenabgang am Geigelstein

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Der Geigelstein (links) und der "Super Puma"-Helikopter der Bundespolizei (rechts) nach dem heutigen Lawinenunglück im Einsatz. Foto: Montage (l. Sepp Niederbuchner; r. FDL/Brekl)

Schleching – Am Geigelstein ist Sonntagmittag eine Lawine abgegangen. Nach einem großangelegten und aufwendigen Such-Einsatz von Bergwacht, Rettungsdienst und Feuerwehr konnte ein verschütteter 30-jähriger Sachse zuerst wiederbelebt werden; verstarb jedoch später an seinen schweren Verletzungen.


Update, Sonntagabend:

Ein 30-Jähriger aus Oberwiesenthal unternahm am Vormittag eine Skitour im Geigelsteingebiet. An der sogenannten Wirtsalm traf er auf einen 57-jährigen Münchner und setzte mit ihm gemeinsam die Tour in Richtung Geigelstein fort.

Gegen 12 Uhr beschlossen beide Männer am "Sattel" Richtung Südosten über einen steilen Rücken abzufahren. Der 57-Jährige fuhr voraus und bemerkte kurze Zeit später, dass er von hinten von einer Lawine erfasst wurde. Er schaffte es jedoch, an der Oberfläche zu bleiben und konnte sich selbst aus der Lawine befreien. Da er seinen Begleiter nicht mehr sehen konnte, suchte er diesen mit seinem Lawinenverschüttungssuchgerät.

Kurz darauf konnte er den 30-Jährigen finden und aus dem Schnee graben. Da dieser nicht mehr ansprechbar war, begann er sofort mit der Reanimation. Er wurde er von hinzukommenden Tourengehern unterstützt.

Wegen der Witterung war ein Hubschrauberflug anfangs nicht möglich. Einsatz- und Rettungskräfte mussten über das Tal, zum Teil mit Pistenraupen, zur Unfallstelle gelangen. Die Reanimationsmaßnahmen wurden von den Ersthelfern bis zum Eintreffen des Notarztes aufrechterhalten. Der Verunglückte erlag jedoch am späten Nachmittag im Klinikum Traunstein seinen Verletzungen.

Update, 16.20 Uhr:

Laut ersten, aber unbestätigten Informationen sind am späten Sonntagvormittag zwei Skifahrer bzw. Tourengeher zwischen Wuhrsteinalm und Wirtsalm unterwegs gewesen. Dort hat sich ein Schneebrett gelöst und eine der beiden Personen verschüttet.

Sein Begleiter konnte den Verschütteten ausgraben und hat sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. Die Hilferufe des Ersthelfers wurden von zahlreichen anderen Personen, die sich wohl in den Almen aufhielten, gehört. Sie eilten ebenfalls zu Hilfe.

Gleichzeitig wurden mehrere Bergwachtbereitschaften unter Einsatzleitung der Bergwacht Schleching alarmiert. Ebenso ein Rettungshubschrauber aus Österreich, der aber zunächst wegen Nebel nicht bis zur Unfallstelle gelangen konnte. Die Bergwacht setzte die Wiederbelebungsmaßnahmen fort, Ärzte wurden zur Unglücksstelle gebracht. Nach rund zwei Stunden Reanimation wurde der Schwerstverletzte zunächst mit dem Polizeihubschrauber Edelweiß 4 ins Tal geflogen und von dort unter fortgesetzten Reanimationsmaßnahmen mit dem Rettungshubschrauber Christoph 14 ins Klinikum Traunstein gebracht. Auch der "Super Puma"-Helikopter der Bundespolizei war im Einsatz.

Die Betreuung der zahlreichen Augenzeugen und Ersthelfer übernahm das Kriseninterventionsteam der Bergwacht und mehrere Krisenhelfer des Malteser Hilfsdienstes (KIT Traunstein).

Im Einsatz waren auch die Feuerwehr Schleching und die Feuerwehr Oberwössen. Die Floriansjünger sorgten für die Absperrung am Bereitstellungsraum der Talstation der Geigelsteinbahn und unterstützen den Material- und Personentransport, unter anderem mit einem geländegängigen Allradfahrzeug der Oberwössener Wehr. Erst gegen 16 Uhr war der Rettungseinsatz beendet.

Der Lawinenkegel wurde von der Bergwacht intensiv nach möglichen weiteren Verunglückten abgesucht. Es gab aber keine weiteren Hinweise, dass außer den beiden Betroffenen weitere Personen in die Lawine geraten waren.

Wie viele Bergwachthelfer und Polizisten der Alpinen Einsatzgruppe an der Rettungsaktion beteiligt waren, ist nicht bekannt. pv/red

Bildtext einblenden
Foto: Leitner, BRK BGL

Insgesamt kam es am Sonntag zu drei Lawinenabgängen in der Region. Nach dem ersten Vorfall in Bad Reichenhall am Vormittag, ging gegen 14 Uhr eine weitere Lawine am Brünnstein ab.

Erste Informationen:

Ob Personen vermisst werden, ist derzeit noch nicht bekannt. Das Gebiet in 1800 Metern Höhe wird von den Rettungskräften derzeit abgesucht. Mittlerweile werden auch Suchhubschrauber über dem Gebiet eingesetzt.

In den Chiemgauer Alpen herrscht aktuell Lawinenwarnstufe 3 (von 5) und damit "erhebliche Gefahr vor Lawinenabgängen". Der Bayerische Lawinenwarndienst erklärt, dass eine zuletzt durch leichten Schneefall gebildete dünne Schicht Oberflächenreif auf der Altschneedecke eine markante Schwachschicht darstellt. Beim Blocktest brach der meist vom Wind gebundene Neuschnee bereits beim Abstechen, so der Warnbericht weiter. Die Altschneedecke sei in allen Höhenlagen stark verharscht und kompakt.

Sobald unserer Redaktion weitere Informationen vorliegen, werden wir nachberichten. Am Abend wird die Polizei eine ausführliche Pressemeldung herausgeben.

red/pv/Lawinenwarndienst Bayern