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30 Jahre im Bischofswieser Gemeinderat: »Ich lasse mich nicht verbiegen«

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30 Jahre im Bischofswieser Gemeinderat: »Ich lasse mich nicht verbiegen«
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Bernhard Heitauer war von 2008 bis 2014 zweiter Bürgermeister der Gemeinde Bischofswiesen. Der Unternehmer will sich nun mehr auf seinen Betrieb konzentrieren. (Foto: Patrick Vietze)

Bischofswiesen – Sein halbes Leben hat er im Gemeinderat verbracht. Bernhard Heitauer verabschiedet sich nach 30 Jahren von der Bischofswieser Kommunalpolitik. Der Fuhrunternehmer war zweiter Bürgermeister und Fraktionssprecher der CSU. Während seiner Tätigkeit musste Heitauer viele persönliche Angriffe hinnehmen. Die Ansiedlung der Unternehmen war ihm schon immer wichtig.


Das politische Interesse entstand durch Altbürgermeister Simon Schwaiger, als Heitauer in den 80er-Jahren Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Bischofswiesen war. »Er hat sich köstlich darüber amüsiert, wie ich alles ausführlich dokumentierte«, erinnert sich Heitauer. Schwaiger fragte ihn daraufhin, ob er nicht in den Gemeinderat wolle. Zunächst zögerte der Bischofswieser. Sein Schwiegervater Josef Lenz, damals SPD-Gemeinderat in Schönau am Königssee, riet ihm aber: »Wenn dich der Bürgermeister fragt, darfst du nicht ablehnen.« 1988 trat er der CSU bei, 1990 zog er in den Gemeinderat ein.

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Heitauer erinnert sich an viele hitzige Diskussionen – gerade in seiner ersten Amtsperiode. So auch bei der Errichtung und Förderung des Skilifts Götschen. Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch seine politische Tätigkeit – sei es die Installation der Beschneiungsanlagen oder der kürzlich gescheiterte Landing Bag. Als Sportfunktionär des WSV Bischofswiesen liegt ihm das Skigebiet am Herzen. Oft musste der 60-Jährige herbe Rückschläge einstecken. »Es waren schwierige Zeiten mit Angriffen bis weit unter die Gürtellinie.« Auch wenn es ein steiniger Weg für ihn war, bereut er seinen Einsatz für die Anlage nicht.

Ebenso kontrovers ging es beim Bau des Gewerbegebiets Pfaffenfeld zu. Ursprünglich war ein Gewerbegebiet im Ganghoferfeld geplant. Dieses wurde aber mit einem Bürgerentscheid abgelehnt. Heitauer befürwortete bereits den Vorschlag »Ganghoferfeld«. Die Ansiedlung der Unternehmen war ihm schon immer wichtig. Als dann das Pfaffenfeld zur Diskussion stand, stieß das Projekt auf heftigen Widerstand durch die Bewohner Winkls. Heitauer wohnt ebenfalls dort. Seine Nachbarn verlangten von ihm, sich gegen die Errichtung einzusetzen. Die Landschaft in Winkl-Land sollte nicht durch die Industrie zerstört werden. Heitauer widersetzte sich seinen Nachbarn, da eine Ablehnung gegen seine Prinzipien sprach. »Ich lasse mich nicht verbiegen«, betont der 60-Jährige.

Mit dieser Haltung machte er sich bei vielen unbeliebt. »Zu der Zeit verlor ich viele Kunden. Ich hatte damit zu kämpfen. Der Einsatz hat sich aber bezahlt gemacht.« Das Gewerbegebiet Pfaffenfeld sei heute nicht mehr wegzudenken.

Trotz turbulenter Entscheidungen blickt der CSU-Politiker auch auf schöne Momente zurück. Die umstrittenen Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt habe die Gemeinde aufgewertet. Als große Errungenschaft bezeichnet der Bischofswieser die Partnerschaft mit der Gemeinde Wölbling. Gerne erinnert er sich auch an die Gemeinderatsausflüge nach Prag, St. Petersburg oder auch Lissabon. Diese Momente hätten das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Leicht fiel ihm der Rückzug deshalb nicht. Doch der Lokalpolitiker hatte zwei Gründe dafür: Einerseits hat er im Unternehmen 34 Mitarbeiter und möchte sich künftig mehr auf den Betrieb konzentrieren. »Hätte meine Familie mir nicht den Rücken freigehalten, wären 30 Jahre Gemeinderat nie möglich gewesen.«

Andererseits hatte er keine Freude mehr an unnötig langen Diskussionen. Die Entscheidung zum Abbruch des alten Rathauses gab ihm den Rest, denn die Mehrheit des Gemeinderats hatte bereits dafür gestimmt. Man hätte dieses Thema in einem halben Jahr abschließen können. Stattdessen verzögerte sich die Entscheidung um zweieinhalb Jahre mit einem Bürgerentscheid. »Wenn ich im Gemeinderat bin, muss ich Entscheidungen treffen.«

Obwohl sich manches unnötig verzögerte, blickt der 60-Jährige auf eine schöne und spannende Zeit zurück. Dabei gestaltete er die Kommunalpolitik gemeinsam mit den Bürgermeistern Simon Schwaiger, Anton Altkofer und Thomas Weber. »Jeder mit eigenem Charakter«, sagt er. Darüber hinaus habe ihm die Zusammenarbeit mit den Verwaltungsangestellten gut gefallen. Heitauer wollte immer das Beste für die Gemeinde Bischofswiesen.

»In den 30 Jahren war ich nie ein Verhinderer. Ich versuchte immer dazu beizutragen, die Gemeinde lebenswert und wirtschaftlich zu gestalten«, fasst er seine Amtszeit zusammen. Komplett zurückziehen wird er sich aber nicht. Diese Amtsperiode sitzt Heitauer erneut im Kreistag: »Es fällt mir schwer, ganz loszulassen.« Patrick Vietze