weather-image

25 Jahre Vox: Der Kuschel-Katze wachsen Krallen

0.0
0.0
Bernd Reichart
Bildtext einblenden
Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart kann auf viele Erfolge zurückblicken. Foto: Michael Kappeler Foto: dpa

Als der Sender Vox das Licht der Welt erblickte, sollte er der Privatsender für Intellektuelle sein. Der Erfolg war überschaubar. Heute, 25 Jahre später, hat er eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Mit Eigenproduktionen setzt man den Platzhirschen zu.


Köln (dpa) - Bernd Reichart hat ein schönes Büro in der Kölner Zentrale seines Senders Vox. Schaut er aus dem Fenster, sieht der Geschäftsführer ein Stadt-Panorama, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Mittendrin steht der Kölner Dom.

Auf der anderen Seite des Raums, an der Wand seines Büros, hat sich zuletzt allerdings viel verändert. Dort hängen Plakate der bekanntesten Vox-Gesichter: Etwa die Juroren aus der »Höhle der Löwen« und Fernsehkoch Tim Mälzer aus »Kitchen Impossible«. Die Bilder sind ziemlich neu. Es sind Sendungen, die Vox erst vor einigen Jahren ins Programm genommen hat - die den Sender aber bereits definieren wie der Dom die Stadt Köln.

Die Stimmung in der Vox-Zentrale ist aus zwei Gründen gelöst. Zum einen feiert man an diesem Donnerstag Geburtstag. Vor 25 Jahren, am 25. Januar 1993, flimmerte erstmals das Vox-Logo über deutsche Bildschirme. Zum anderen hat sich der Sender aus der RTL-Gruppe einen guten Ruf mit neuen Eigenproduktionen erarbeitet. Geschäftsführer Reichart erklärt selbstbewusst: »Vox soll nicht die dritte oder vierte Option sein - sondern auch mal die erste. Und das gelingt uns mittlerweile immer häufiger.«

Der Weg dahin war allerdings mit Kurven und mitunter auch Sackgassen verbunden. Angetreten war Vox als eine Art Privatsender für Intellektuelle: Unterhaltsam, aber mit Anstand und Seriosität. Die Werbung versprach: »Manche Fernsehsender fordern nur Gebühren. Wir fordern Ihren Kopf.« Man setzte daher auf Nachrichten und Magazine wie das Medienmagazin »Canale Grande« mit Max Moor (damals noch Dieter Moor), der sein Publikum mit »Liebe Zielgruppe« begrüßte. Kritiker liebten die Sendung, 1994 war aber schon wieder Schluss. Der ganze Sender hatte Probleme: zu wenige Zuschauer, zu hohe Verluste.

Schon ein Jahr nach Sendestart drohte das Aus. Im April 1994 ging Vox in die Liquidation, mehr als 250 Mitarbeiter mussten gehen. Die Rettung kam schließlich aus Amerika. Medienunternehmer Rupert Murdoch stieg ein, der Sender richtete sich neu aus - und berappelte sich. Vox wurde zum sogenannten Wohlfühlsender mit eher weichen Themen. Ganz wichtig waren Kochen, Autos und Reisen. 1997 ging »Kochduell« mit Britta von Lojewski auf Sendung, ein Vorbote der großen Kochshow-Welle. Hinzu kamen US-Serien. Wer an »Ally McBeal« denkt, hat heute noch sofort das Vox-Logo mit der roten Kugel vor Augen.

Und heute? Geschäftsführer Reichart verneint die Traditionslinien seines Senders nicht. Auch nicht die Anfänge als Intellektuellen-Kanal: »Das ist immer noch Teil der Marke. Wir sind auf das Erbe stolz. Als Markenkern hätte es aber nicht gereicht, um zu überleben.« Vox sei heute breiter aufgestellt.

Viele Investitionen flossen in den vergangenen Jahren in Eigenproduktionen. Man habe zum Beispiel schon vor längerer Zeit beschlossen, unabhängiger von US-Ware werden zu wollen, sagt Reichart. Das ist auch notwendig, weil es neue Spieler wie den Streamingdienst Netflix gibt. US-Serien sind viel leichter verfügbar als früher. »Vor fünf Jahren waren unsere besten Abende am Montag, Mittwoch, Freitag - die Serien-Abende. Das ist heute nicht mehr so«, sagt Reichart.

Der Mut zur Eigenproduktion zahlte sich aus. Zuletzt hatte der Sender einen regelrechten Lauf. »Die Höhle der Löwen«, »Club der roten Bänder« oder »Sing meinen Song« fuhren und fahren beste Quoten ein und bedrängen in der Primetime die Platzhirsche der Senderlandschaft.

2017 lag der Anteil der Eigenproduktionen zwischen 13 Uhr und 0 Uhr nach Vox-Angaben bei fast 80 Prozent. Medienwissenschaftler Joachim Trebbe sieht bei dem Sender dabei auch einen »brutalen« Trend zu Realityformaten - echte Menschen werden beim Kochen, Shoppen, Heiraten gezeigt. Man merkt an der Aufzählung: Trotz aller Neuerungen haben die weichen Themen bei Vox immer noch ein Zuhause.

Geschäftsführer Reichart berichtet, dass seinem Sender in Image-Studien fast immer die Attribute Wohlfühlen, Nähe und Vertrauen zugerechnet werden. Er findet das gut, sieht es aber auch als Zeichen, dass noch mehr frischer Wind rein muss. »In der letzten Studie kam dann heraus, dass Vox - wenn es ein Tier wäre - in der Daytime eine Katze ist. Ein liebevoller, charmanter Begleiter«, sagt er. »In der Primetime werden wir aber zum Gepard. Da wollen wir nicht kuscheln, sondern fahren auch mal die Krallen aus.«

Vox-Chronik