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Erster Lawinentoter im September – Schneelawine löst sich in Berchtesgadener Alpen

24-Jähriger wird vor den Augen seiner Familie von Lawine in den Tod gerissen

Foto: Ziegler, BRK BGL

Schönau am Königssee – Ein Schneelawine riss am Donnerstag einen 24-jährigen Bergsteiger vor den Augen seiner Familie in den Tod. Ein Großeinsatz startete.


Bei einem Lawinenabgang wurde am Nachmittag im Hagengebirge ein junger Bergsteiger von Schneemassen mitgerissen und getötet. In einem aufwendigen Großeinsatz wurde die Familie gerettet und der Leichnam geborgen. In dem Gebiet fiel zuletzt rund ein halber Meter Neuschnee.

Update, Freitagvormittag:

Die aktuell kalte Witterung und der ungewöhnlich viele Schnee für Mitte September mitten in der ansonsten zu dieser Zeit eher milden Wander-Saison bringen die mit den Themen Schnee und Lawine eher unerfahrenen Sommer-Bergsteiger rasch an ihre Grenzen; eine ähnliche Situation gab es heuer bereits Ende April mit einem ungewöhnlich späten, erneuten Wintereinbruch im Berchtesgadener Land.

Zu dieser Zeit waren bereits viele Urlauber im Landkreis, die in den Bergen wandern gehen wollten, von der kalten Witterung aber überrascht wurden, dann aber trotzdem losstarteten. Der erneute, späte Wintereinbruch mit unerwartet viel Schnee freute zwar viele Skitourengeher und ermöglichte nochmals Abfahrten bis ins Tal, konfrontierte aber bereits auf den Sommer eingestellte Bergsteiger mit Schwierigkeiten und Gefahren, denen sie sonst nicht ausgesetzt sind und mit denen sie wenig oder gar keine Erfahrung haben. "Es ist rutschig, es drohen Lawinen und Steinschlag und der teilweise tiefe Schnee fordert wesentlich mehr Kondition und zusätzliche Kleidung", betont Einsatzleiter Thomas Pöpperl.

"Wenig oder unerfahrene Bergsteiger sollten deshalb in niedrigere, schneefreie Höhenlagen ausweichen, die gerade im Herbst mit der Laubverfärbung der Bäume einen reizvollen Wandergenuss bieten und sich unbedingt eingehend über Wetter- und Schneeverhältnisse bei alpinen Auskunftsstellen, bei einschlägigen Wetterportalen, bei Bergführern oder Hüttenwirten erkundigen. Wichtig ist auch die richtige Ausrüstung, wozu stabiles Schuhwerk mit Profilsohle, Nässe und Kälteschutz, Wechselwäsche, Erste-Hilfe-Material, ein Biwaksack als Schutz vor Unterkühlung, ein Handy für Notrufe und nicht zuletzt eine Stirnlampe wegen des früheren Nachtanbruchs zählen. Zur Tourenplanung gehört es nicht zuletzt auch, das eigene alpine Können und die Kondition für die geplante alpine Unternehmung realistisch einzuschätzen", erklärt Robert Kern, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Bad Reichenhall.

Pressemeldung BRK BGL

Foto: Ziegler, BRK BGL

Update, 23 Uhr: Polizeimeldung

Eine vierköpfige niederländische Familie, die zurzeit ihren Urlaub im Chiemgau verbringt, machte sich am Donnerstagmorgen zu einer Wanderung in Richtung Gotzenalm und Wasseralm auf. Am Nachmittag gegen 15 Uhr gingen sie von der Gotzenalm über die Regenalm in das Landtal. Sie überquerten unterhalb der Laafeldwände auf rund 1650 Höhenmetern einen Steig in das Landtal hinein.

Als Letzter in der Gruppe von Lawine in den Tod gerissen

Gegen 16.15 Uhr erfasste ein Schneerutsch den als letzten gehenden 24-jährigen Sohn der Familie und riss ihn mit sich. Der junge Mann stürzte über etwa 60 bis 80 Meter in felsigem Gelände ab und war sofort tot. Er hatte sich beim Absturz schwerste Kopfverletzungen zugezogen.

In einem aufwendigen Abstieg versuchte die Familie zum Abgestürzten zu eilen, doch sie konnten nichts mehr für ihren Sohn tun. Sie stiegen daraufhin weiter über das Landtal in Richtung Obersee ab, bis sie endlich kurz vor 18 Uhr einen Notruf absetzen konnten. Daraufhin flog ein Bergretter der Bergwacht Berchtesgaden zur Unfallstelle. Weitere Einsatzkräfte und auch die Lawinenhundestaffel standen für einen größeren Einsatz parat. Allerdings wurde dann sehr schnell Entwarnung gegeben.

Die leicht unterkühlten und geschockten Angehörigen wurden vom Bergwachtmann mit dem österreichischen Rettungshubschrauber C6 aus Salzburg ausgeflogen. Das Kriseninterventionsteam der Bergwacht kümmerte sich um die Familie.

Vier Hubschrauber im Einsatz

Zusammen mit einem Polizeibergführer wurden zwei Helfer der Berchtesgadener Bergwacht mit dem Rettungshubschrauber Christoph 14 zur Unfallstelle geflogen. Nach Aufnahme des Unfalls wurde die Bergung des Leichnams vorbereitet. Der Polizeihubschrauber brachte den Toten ins Tal. Die restlichen Einsatzkräfte am Einsatzort wurden in den Abendstunden mit einem Hubschrauber der Bundespolizei ausgeflogen.

Im Bereich der Unfallstelle lagen rund 20 bis 30 Zentimeter durchfeuchteter Schnee. Durch die Erwärmung am Nachmittag kam es im gesamten Bereich ab der Gotzenalm zu vielen Nass-Schneerutschen auf dem steilen Grasuntergrund. Dieser nasse Schnee entwickelt in seiner Masse eine unbändige Kraft, die auch Personen einfach mitreißen kann.

Bilder vom Einsatz:

Foto: Ziegler, BRK BGL

Große Lawinengefahr in den nächsten Tagen

Die Familie hatte sich zuvor auf der Gotzenalm noch über die Verhältnisse informiert. Nachdem bereits im Laufe des Tages ein Bergführer eine Spur gelegt hatte, ging die Familie davon aus, dass es keine Probleme geben sollte. Am Einsatz waren neben den vier Hubschraubern noch 14 Mann der Bergwacht Berchtesgaden und vier Hundeführer der Lawinenhundestaffel beteiligt.

In den nächsten Tagen ist davon auszugehen, dass durch weitere Erwärmung noch intensivere Lawinen auch aus höheren Lagen abrutschen werden. Die Schneehöhe nimmt inneralpin der Berchtesgadener Berge massiv zu, sodass Wanderungen bei dem gemeldeten Schönwetter mit Bedacht und größter Vorsicht angegangen werden sollten.

Update, 22.40 Uhr:

Bei dem Lawinenabgang ist ein Wanderer der Gruppe ums Leben gekommen, teilt die Polizei mit. Drei weitere wurden verletzt.

Update, 22.05 Uhr:

Laut Angaben der Polizei wurden mehrere Mitglieder der Wandergruppe beim Abgang der Schneelawine verletzt. "Vier Personen der Gruppe sind betroffen", sagte ein Polizeisprecher.

Die Unglücksstelle liege schwer zugänglich hinter der Landtalalm. Selbst die Polizeikräfte hätten das Gelände hinter dem Königssee nur per Helikopter erreicht. In den Alpen der Region fiel zuletzt laut Lawinenwarndienst Bayern bis zu einem halben Meter Schnee. Woher die Reisegruppe stammte, ist bisher noch unklar. Über die Schwere der Verletzungen liegen der Polizei ebenfalls keine Informationen vor.

Update, 20.55 Uhr:

Da es möglicherweise Verletzte gibt, sind Hubschrauber, Bergwacht und Polizeibergführer im Einsatz. Die Polizei spricht von umfassenden Suchmaßnahmen. "Als gesichert gilt, dass da eine Wandergruppe unterwegs war", sagte ein Sprecher.

Doch deren Verbleib sei unklar. Die Rettungskräfte müssten in der Dunkelheit auf Nachtsicht fliegen. Der Einsatz könne sich lange hinziehen.

Erstmeldung:

Am frühen Donnerstagabend kam es im Hagengebirge zu einem Schneelawinenabgang. Derzeit sind Einsatz- und Rettungskräfte mit umfassenden Suchmaßnahmen gefordert, wie das Polizeipräsidium mitteilt.

Neben Hubschraubern, die das Gelände von oben absuchen, sind Retter der Bergwacht und Polizeibergführer im Einsatz. Über mögliche Verletzte liegen bisher noch keine Informationen vor. Es wird nach möglichen vermissten und verunglückten Bergsteigern gesucht.

th/dpa/Polizei