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21 Euro pro Ton mit »Fanny«

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Tim Allhof auf dem Piano und Andreas M. Hofmeir präsentierten das Musikkabarett »Kein Aufwand« dieses aber dennoch mit viel Begeisterung. (Foto: T. Eder)

»Endlich einmal kein politisches Musikkabarett« dachten sich die Zuhörer im Grassauer Heftersaal, als Andreas M. Hofmeir und Tim Allhof mit ihrem Programm »Kein Aufwand« gastierten. Die beiden Vollblutmusiker brillierten auf ihren Instrumenten.


Nach diesem Abend wussten alle Besucher im Saal, dass die Tuba wohl ein sehr unterschätztes Instrument ist. Hofmeirs Argument, dieses Instrument zu wählen, da mit ihm mit geringem Aufwand musiziert werden könne, stellte er aber durch seinen brillanten Auftritt selbst in Frage. Denn auch für die Tuba gilt schließlich, dass kein Meister vom Himmel fällt.

Das ehemalige Bandmitglied von »La Brass Banda« kam, wie sollte es anders sein, barfuß. Mit seinen »autobiografisch-tragisch-depressiven« Erzählungen aus seinem Leben begeisterte er das Publikum. »Tubist wird man, wenn man keinen Ehrgeiz besitzt und trotzdem dabei sein möchte. Zudem bekommt man meist die erste Tuba geschenkt und ist ein Mitläufer unter den Musikanten«, erklärte er und meinte noch, dass Tubisten dennoch lieber sitzen und jede Bewegung Aufwand sei.

Er als Berufstubist verdiene zudem das gleiche wie ein Geiger und bekomme so pro Ton über 21 Euro, während der Geiger gerade einmal pro Ton auf 1,5 Cent komme. Dafür müsse er auf Rampenlicht und auf die Wirkung auf Frauen verzichten. Da er als Tubist viel Zeit habe, weil er nicht üben müsse, schreibe er, Lyrik und Prosa. Übrigens heiße seine Tuba »Fanny«. Aus seinem Buch stellte er die Geschichte »Üben« vor.

Als Kind sollte er ein Übungsheft führen und jeden Tag eine halbe Stunde üben. Allerdings bestand keiner darauf. Von seinem Ingolstädter Musiklehrer sei ihm bescheinigt worden, dass er eine »faule Sau« sei. Mit 16 Jahren musste er sich zwischen Fußball und Kapelle entscheiden, da beide zum gleichen Zeitpunkt »trainierten«. Er entschied sich dann für den Jugendkammerchor, auch weil dort Tenöre und Bässe wie rohe Eier behandelt werden.

Hofmeir erzählte, wie er seinen Kapellmeister veräppelte, indem er diesen als Veranstalter anrief und erklärte, dass das Konzert ausfallen müsse, da die Kirche wegen Rissen im Kirchturm gesperrt werden muss. Sein Kapellmeister suchte daraufhin eine andere Auftrittsmöglichkeit. Abends rief ihn der Kapellmeister an und erklärte, dass das Konzert an einem anderen Ort stattfindet. Hofmeir wollte den Scherz auflösen, doch der Kapellmeister hörte ihm nicht zu, sondern war damit beschäftigt, den anderen Chormitgliedern Bescheid zu geben. Einige Wochen später habe er erfahren, dass die Kirche tatsächlich wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde.

Auch aus seiner Studentenzeit in Berlin berichtete der Musiker und gab einige lustige Anekdoten zum Besten. Diese »kabarettistischen« Lesestückchen amüsierten die Zuhörer. Sein wahres Können als hervorragender Tubist konnte Hofmeir bei den unterschiedlichen Musikstücken unter Beweis stellen. Erstaunlich war, welch feine, reine Töne er spielen konnte.

Nicht minder begeisterte sein Kompagnon Timm Allhof auf dem Piano. Leider blieb die Suche nach einem Schlafplatz für den jungen Pianisten ergebnislos und dies, obwohl die Ansprüche an die mögliche Gastgeberin mit fortschreitendem Abend immer niedriger wurden. Die beiden Musiker boten einen sehr unterhaltsamen, sehr melodischen und vor allem auch lustigen Abend und durften erst nach drei Zugaben die Bühne verlassen. Tamara Eder