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Das Salzachtheater Laufen versetzt seine Zuschauer mit einem fantasievollen Stück in den Orient – Noch zwei Aufführungen am Wochenende

»1001 Nacht« in der Salzachhalle

»Ein Buch ist wie ein Teppich, Geschichten werden wahr. Du wirst hinein gewoben« und »Vorbei sind 1000 Nächte und du warst mit dabei« sangen die Darstellerinnen und Darsteller am Schluss mit einer gekonnten Choreografie auf der Bühne der Salzachhalle Laufen und ließen damit poetisch das Stück »1001 Nacht – eine märchenhafte Nacherzählung« noch einmal Revue passieren.

Was ist das nur für ein rätselhaftes Buch, aus dem Charlie (Mia Wegmann, vorne) da vorliest? Calypso (Evi Weingarten) und der Großwesir (Wilhelm Fulde) beratschlagen vor den Augen des Kalifen (Christian Zink). (Foto: Janoschka)

Symbolisch zeigt die Aufführung des Salzachtheaters Laufen unter der Regie von Sabine und Evi Weingarten, in der es um Liebe, Machtgier und viel Fantasie geht, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen. Die Schauspieler zeigen darstellerische Begabung und gesangliches Talent auf hohem Niveau und geben dem Stück mit den eingestreuten Liedern einen Anstrich von Musical – besonders Evi Weingarten als Calypso, Dominik Riedel als Aladdin, Kathrin Fuchs als Dschinni und Mia Wegmann als Charlie.

Schlechte Laune ist vorprogrammiert

Charlie, ein typischer Teenager, befindet sich mit ihrem Vater (Andreas Wagner) auf einer All-inclusive-Urlaubsreise im Nahen Osten in einem historischen Hotel – dem ehemaligen Palast des Kalifen. Dort gibt es weder Handy-Empfang noch Fernseher oder Telefon. Schlechte Laune bei Charlie ist also vorprogrammiert, sodass sie sogar lieber im Hotelzimmer bleibt, als mit ihrem Vater einkaufen zu gehen.

Währenddessen lernt sie das Zimmermädchen Dinarasad (Bianca Kasper) kennen – fantasievoll im orientalischen Stil gekleidet. Genau dieses Mädchen aus der Rahmenhandlung tritt als Tochter der Dienerin Schamsannahar (Sabine Weingarten) in der parallelen Märchenwelt auf. In diese wird Charlie nämlich schneller, als ihr lieb ist, durch ihre – wenn auch anfangs gelangweilte – Lektüre von »Aladdins Wunderlampe« versetzt.

Was sie liest, wird augenblicklich auf der Bühne dargestellt. Der wundersame Teppich, den der Teppichhändler (Andreas Weingarten) zu Beginn hereingebracht hat, tut sein Übriges dazu, sodass sie sich plötzlich dem Kalifen Schahriyar (Christian Zink) gegenübersieht – in derselben Haltung wie im Hotelzimmer, nämlich auf dem Boden hockend und in das Buch vertieft.

Durch das Umdrehen der mobilen Wände, die auf der Rückseite mit orientalischen Mustern versehen sind, werden auch die Zuschauer sofort in diese ferne Welt versetzt. Wilhelm Fulde als Großwesir Azad Ibn al Hassan, der in seinen Kommentaren zum Geschehen ständig die Buchstaben verwechselt, sorgt durch diese komischen Effekte für viel Heiterkeit bei Kindern und Erwachsenen.

Charlie weiß nicht, wie ihr geschieht: »Wer bin ich noch mal?« In den Augen des Kalifen, der um seine vor vielen Jahren verschwundene Frau trauert, ist sie die vorlesende Scheherazade, deren Tage nun von seiner Gunst abhängen.

Seine hinterhältige Schwester Calypso (Evi Weingarten) möchte selbst Kalifin werden und hat daher die Ehefrau des Kalifen vor langer Zeit verzaubert. »Meine Seele ist so schwarz« gibt sie in ihrem eindrucksvoll gesungenen Lied zu. Charlies Buch ist für sie ein Zauberbuch mit rätselhaften Codewörtern und Charlie eine Hexe. Sie solle doch ohne das Buch weitererzählen, verlangt Calypso.

Da das junge Mädchen den Inhalt der Geschichte aber nicht kennt, die Figuren jedoch durch ihre Erzählung sofort real auf der Bühne erscheinen, gibt es unerwartete Wendungen. Mit genialen Theatertechniken wie Schattenspiel oder Videopräsentation (Andreas Tauchen) werden die Hintergrundhandlungen zu Aladdin und seiner Wunderlampe sowie zur Vergangenheit des Kalifen dargestellt.

Doch als sich Charlies Erzählung immer mehr vom Original entfernt, springt Aladdin aus seinem Märchen durch das Transparentpapier des Schattenspiels heraus – da kreischen die vielen Kinder der Nachmittagsaufführung erschrocken. Im Stil von »Ich bin der Märchenprinz« der Ersten Allgemeinen Verunsicherung stellt er sich mit dem Song »Ich bin Aladdin« vor.

Eine große Portion Authentizität

Dschinni (Kathrin Fuchs), der Flaschengeist, erscheint immer, wenn jemand an der Lampe reibt, und verliert schließlich im von Charlie erfundenen Märchen vorübergehend ihre Zauberkraft. Die Älteren im Publikum fühlten sich sicherlich an die »Bezaubernde Jeannie« aus dem TV-Programm der 60er Jahre erinnert. Ihr Lied im Muezzin-Stil verlieh der Aufführung eine große Portion Authentizität.

Schließlich wird die wahre Geschichte um den traurigen Kalifen offenbar. Charlie wird daraufhin von Calypso gefangen genommen und in ihren wunderbar dargestellten Wüstenpalast verbracht. Die anschließende Befreiung und Verfolgungsjagd mit Comic-Charakter bereichern spannungsvoll den Fortgang der Geschichte. »Ich will, dass die Geschichte gut ausgeht«, fordert Charlie. Ob das klappt, können die Zuschauer noch bei zwei Aufführungen am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 15.30 Uhr in der Salzachhalle erleben. Brigitte Janoschka