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Vor Schließung: Streik bei Coca-Cola in Traunreut

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Auch die Coca Cola-Mitarbeiter am Standort Traunreut beteiligen sich aus Solidarität am bundesweiten Streik – sie nutzen es als Abschiedfest vor der Schließung des Betriebs Ende Mai.


Update, 15 Uhr: Statement von Coca Cola

Wir haben ein gutes und faires erstes Angebot unterbreitet. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einen 2. Verhandlungstermin am 24. April 2017 vereinbart, so das offizielle Statement.

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In der ersten Runde der Tarifverhandlungen Ende Januar wurde seitens Coca-Cola European Partners Deutschland eine Entgelterhöhung von durchschnittlich 2,5 Prozent angeboten. Das Angebot setzt sich zusammen aus einer Entgeltsteigerung von 1,3 Prozent, einer Erhöhung des Urlaubsgeldes auf 900 Euro und einer Steigerung des Arbeitnehmerzuschusses zur Altersvorsorge um 200 Euro. Diese weiteren Leistungen entsprechen einer zusätzlichen Erhöhung von im Schnitt 1,2 Prozent.

Brigitte Faust, Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin der CCEP DE: "Dieses Angebot ist aus unserer Sicht eine klare Basis für die weiteren Verhandlungen. Um auch zukünftig im hart umkämpften Markt für alkoholfreie Getränke in Deutschland zu bestehen, haben wir nur begrenzten Spielraum für Entgelterhöhungen. Vor diesem Hintergrund ist unser erstes Angebot angemessen und würdigt die Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zudem tragen wir mit der Erhöhung der Altersvorsorge einer wichtigen Forderung der Gewerkschaft Rechnung."

Pressemeldung Coca Cola Deutschland

Erstmeldung, Donnerstagmorgen:

Bundesweit laufen diese Woche Warnstreiks an Standorten der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH für mehr Lohn. Die Tarifverhandlungen sind Anfang des Jahres ins Stocken geraten und mit den Streiks will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wieder Bewegung hineinbringen. Der Standort Traunreut wird zwar zum 31. Mai geschlossen, aber die Beschäftigten dort zeigen sich solidarisch mit ihren Kollegen und machen aus dem achtstündigen Warnstreik gleichzeitig ein Abschiedsfest.

Der Hintergrund: Im Januar hatte die NGG die Tarifverhandlung bereits in der ersten Runde abgebrochen, da Coca-Cola nur ein »Magerangebot« von 1,3 Prozent vorgelegt hatte. Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde aber rückwirkend zum 1. Januar eine Erhöhung aller Entgelte um 160 Euro sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. Von Seiten der Gewerkschaft heißt es: »Durch die europaweite Umstrukturierung bei Coca-Cola und dem damit verbundenen Arbeitsplatzabbau in Deutschland ist die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Beschäftigten stark angestiegen, da der Volumenausstoß weiterhin stetig steigt.«

Buschmann: »Und jetzt erst recht«

Für die Kollegen aus Traunreut wird es die letzte Tarifrunde sein. Trotzdem ist eine Lohnerhöhung auch für sie noch interessant, da davon auch die Abfindungen, das künftige Arbeitslosengeld und die spätere Rente betroffen sind. »Und jetzt erst recht. Wir werden uns erhobenen Hauptes und aus Solidarität mit den verbleibenden Kollegen für eine gerechte Entgelterhöhung einsetzen«, erklärte der Traunreuter Betriebsratsvorsitzende Frank Buschmann dazu.

Er und seine Kollegen wollten sich mit diesem Streik würdig verabschieden. Von den rund 40 Beschäftigten am historischen Standort Traunreut werden nach der Schließung einige wenige weiter bei Coca-Cola beschäftigt bleiben, einzelne haben bereits andere Jobs in Aussicht, für die restlichen ist die Zukunft noch ungewiss.

Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim Oberbayern, sagt mit Blick auf die laufenden Tarifverhandlungen: »Das Angebot der Arbeitgeberseite ist ein Schlag ins Gesicht. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten für die Fehler des Managements doppelt bezahlen sollen.« Nachdem bereits in Mainz, Mannheim und Fürstenfeldbruck gestreikt worden sei, habe die Geschäftsleitung am Mittwoch erklärt, die Verhandlungen mit der Gewerkschaft wieder aufzunehmen.

Mitarbeiterzahl in Europa sinkt drastisch

Verhandlungspartner der Gewerkschaft NGG ist die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH. Sie ist für Abfüllung, Verkauf und Vertrieb von Coca-Cola-Produkten verantwortlich und das größte Getränkeunternehmen in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Beschäftigten von Coca-Cola in Europa drastisch reduziert. In Deutschland sank die Zahl von rund 12 000 Beschäftigten im Jahr 2007 auf etwa 8000 Beschäftigte Ende 2016. mix

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