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Rekordkulisse bei »Hinterdupfing«

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Eine rechte Gaudi hatten Moderator Christian Reiter (rechts) und die Besucher mit den gut aufgelegten Schauspielern von »Hinterdupfing«. Hinter Reiter ist Regisseur Andreas Schmidbauer zu sehen. (Foto: Hans Eder)

Waging am See. Rekordkulisse im Waginger Kurpark: 1200 Besucher versammelten sich in Picknickstimmung auf dem Gelände vor dem Bajuwarenhaus, um mit dem Kinofilm »Hinterdupfing« den Auftakt der Waginger Filmtage zu erleben. In der sechsjährigen Geschichte dieser Filmreihe hat es nicht einmal annähernd so guten Besuch an einem Abend gegeben. Und auch an den Tagen danach ging es auf hohem Niveau weiter.


Entsprechend euphorisch war auch Organisator Günter Wimmer, der sich gar nicht genug wundern konnte, dass die Schlangen am Eingang immer noch länger wurden und beinahe den ganzen Hang bis zur Strandbadallee hinauf reichten. Es kam aber natürlich auch alles Positive zusammen. Einmal stabiles, warmes Wetter ohne Gewitterangst, der aktuelle Kinofilm, der zurzeit überall im Gespräch ist, und sicherlich auch das gemütliche Flair im Erholungspark, wo die Besucher bereits mit Rauch und Qualm von kleinen privaten Grillstationen begrüßt wurden.

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Und noch einer freute sich über diesen besonderen Abend: Helmut Mühlbacher vom Landschaftsplanungsbüro Mühlbacher + Hilse. Er hatte viel Kritik einstecken müssen, weil doch eine ganze Reihe von Bäumen wegen der Neugestaltung des Kurparks gefällt werden mussten. Jetzt aber, so meinte er angesichts der Menschenmassen ganz zufrieden, zahle es sich aus, dass man soviel Platz geschaffen habe.

Die Besucher mussten dann ihr Kommen auch nicht bereuen. Denn nicht nur war dieser etwas andere Heimatfilm eine unterhaltsame Gaudi, nach der viele froh sein werden, dass sie jetzt wissen, dass Hinterdupfing im Landkreis Rosenheim liegt, nicht etwa in ihrer Nähe. Den fröhlichen Charakter des Films verbreitete auch die Filmcrew, die – auch das ein Novum – fast komplett angereist war, noch dazu ganz stilecht in dem Feuerwehrauto, das in dem Film auch eine besondere Rolle spielt.

Die zumeist jungen Leute unter Führung von Regisseur Andreas Schmidbauer hatten am Podium die höchste Gaudi. Moderator Christian Reiter hatte es mit den schlagfertigen Crew-Mitgliedern und ihren oft recht unerwarteten Antworten nicht ganz leicht – das Publikum aber seinen Spaß. Angekündigt waren eigentlich nur Schmidbauer und Schauspieler Hubbi Schlemer, der im Film einen arbeitsscheuen Polizisten spielt: Dass dann gleich fast alle Darsteller gekommen waren, war eine echte Überraschung.

Bei der Unterhaltung zwischen Reiter und der Filmcrew erfuhren die Besucher, dass für Andreas Schmidbauer alle Schauspieler und Techniker – insgesamt rund 200 Personen – kostenlos gespielt hatten. Und das waren nicht nur seine Leute, mit denen er in der Vergangenheit schon einige Projekte durchgezogen hatte, sondern auch bekannte Profis wie Peter Rappenglück, den man als Pfarrer aus »Dahoam is dahoam« kennt, oder Johanna Bittenbinder, die aus Serien wie »Tatort« oder »Polizeiruf 110« und nicht zuletzt auch aus Rosemüller-Filmen bekannt ist – und die auch in »Paradies 505« mitspielt, der bei den Waginger Filmtagen am Sonntag gezeigt wurde. Diese und weitere bekannte Schauspieler waren, so Schmidbauer, vom Drehbuch und vom Team so angetan, dass sie ohne Honorar mitmachten; sie wollten damit auch dieses Projekt unterstützen, bei dem das Filmen im Vordergrund gestanden sei, nicht der Kommerz.

Regisseur Schmidbauer erzählte nicht ohne Stolz, dass der Film inzwischen nicht nur in ganz Bayern, sondern auch in Baden-Württemberg und Österreich zu sehen sei, sogar auch in einem Hamburger Kino. Und Anfragen aus weiteren deutschen Städten lägen vor. Aber, so schränkte er ein: »Wer den Film zeigen will, kann ihn zeigen – aber ohne Untertitel, die Arbeit mach ich mir nicht!«

In Waging war der Film auch ohne Untertitel zu verstehen: die Geschichte, wie Jugendliche aus Hinterdupfing auf die Idee kommen, mit sehr fragwürdigen Methoden Urlauber anzuziehen. Das gelingt dann auch ganz gut. Beschwerden von Hinterdupfinger Bewohnern über die zunehmend zahlreicher werdenden Besucher werden von denen, die davon profitieren, weitgehend ignoriert, bis – ja bis das Bier ausgeht... he

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