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Chieminger Verkehrsverein erlebte eine denkwürdige Münchner Stadtratssitzung

»... nicht im Komödienstadl«

Chieming – Zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde der Ausflug des Verkehrsvereins Chieming nach München. Dort wohnten die Chieminger unter anderem einer denkwürdigen Stadtratssitzung bei – und schafften es dann auch noch, auf der gestrigen Titelseite der Süddeutschen Zeitung (SZ) erwähnt zu werden.

Schon bei der Begrüßung der Chieminger Gäste im Sitzungssaal des Münchner Stadtrats durch Oberbürgermeister Reiter war klar, dass dies eine besondere Sitzung wird. Das Zitat war dann gestern der passende Einstieg der SZ in ihren Bericht darüber.

Für den Einstieg in den Bericht über die abgelehnte Bierpreisbremse auf dem Oktoberfest hatte der SZ-Berichterstatter die Begrüßung der Gäste aus dem Chiemgau durch den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter gewählt: »Nein, lieber Verkehrsverein Chieming, Sie sind nicht im Komödienstadl.« Er hatte das sicher ironisch gemeint, doch wie Verkehrsvereinsvorsitzender Heinrich Wallner im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, kam man sich zwischendurch durchaus vor wie im Komödienstadl.

Unter den Zuhörern waren neben den Chiemingern auch viele Wiesenwirte, die das Thema natürlich sehr interessierte. Einige Wirte verglichen die Sitzung gar mit dem königlich-bayerischen Amtsgericht. Familie Reinbold vom Schützenzelt, Wiggerl Hagn vom Löwenbräuzelt, Manfred Schauer (Schichtl), Bodo Müller, Familie Steinberg (Hofbräuzelt) und viele mehr erlebten genussvoll eine Stadtratssitzung mit, in der die für die Wirte wichtige Entscheidung auch gut für sie ausgegangen ist (wir berichteten).

Besonders interessant für sie war die Begründung von Stadtrat Helmut Schmid (SPD), weshalb man gegen die Bierpreisbremse, für die sich sein Namensvetter, zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU), so stark gemacht hatte, stimmen solle: Im Jahr 1950 habe der Preis für eine Maß Bier 1,70 D-Mark betragen, dafür musste ein Mensch durchschnittlich 86 Minuten arbeiten. 2016 musste für eine Maß Bier ein Bayer 26 Minuten arbeiten und ein bundesdurchschnittlicher Arbeiter etwa 28 Minuten, da in Bayern die Leute etwas besser verdienen, so der SPD-Schmid. Eine Bierpreisbremse sei aus seiner Sicht absolut nicht angebracht und greife zu sehr in das unternehmerische Handeln der Wiesenwirte ein, zu denen ein großes Vertrauen seitens der Stadt München bestehe. Er hob deutlich heraus, dass sich niemand der Schausteller und Wiesenwirte etwas Negatives erlauben könne, da dies sonst beim Entzug der Wiesenzulassung seine Existenz kosten könnte.

Über den Beitrag von Helmut Schmid berichtete uns Heinz Wallner: »Die Art und Weise des Vortrages des durchaus barock-bayerisch wirkenden Sozialdemokraten fand großen Anklang bei den Zuhörern.«

Die Stadtratssitzung war nur ein Punkt im Ausflugsprogramm des Chieminger Verkehrsvereins, interessant waren auch die Rathaus-Besichtigung und der Besuch des Botanischen Gartens – aber die Sitzung war eindeutig der Höhepunkt: »So etwas muss man erlebt haben«, kommentierte Wallner deren Verlauf. m