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Leichter Rückgang der Umsatzerlöse

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Andreas Maier (links) hat sich die letzten fünf Jahre im Vorstand für die Molkereigenossenschaft Salzachtal engagiert. Zuvor wirkte er 15 Jahre lang im Aufsichtsrat mit. Dafür überreichte ihm Josef Schick ein Geschenk und eine Urkunde. (Foto: Caruso)

Die Prognose für die Milchpreisentwicklung war eigentlich optimistisch – mit anziehenden Werten. Für das erste Halbjahr 2020 lag die Erlöserwartung deshalb über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Durch die Corona-Pandemie wurde allerdings der Handel abrupt eingeschränkt und es kam zu vielen Verwerfungen auf allen Märkten. Teilweise waren keine Exporte mehr möglich und im Inland gab es kaum eine Nachfrage aus dem Gastronomie- und Hotelbereich. Dies wurde im Rahmen der Generalversammlung Molkereigenossenschaft Salzachtal deutlich.


»Auf der Marktseite war die Auswirkung der Corona-Krise stark zu spüren«, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme der Privatkäserei Bergader aus Waging am See, die im Zuge der Versammlung verlesen wurde – verfasst vom Leiter des Rohstoffmanagements bei Bergader, Jürgen Dorfer. Eine persönliche Teilnahme an der Generalversammlung war von Seiten von Bergader unter Berücksichtigung der firmeninternen Corona-Schutz-Regelungen abgesagt worden. »Im April und Mai sind die Absätze in die Hauptexportmärkte nahezu vollständig zum Erliegen gekommen«, so Dorfer.

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Milch ging nur zu schlechten Preisen weg

Wie er weiter mitteilte, ließ sich die Milch, die Bergader nicht zu Käse verarbeiten konnte, auf dem Spotmarkt nur zu sehr schlechten Preisen verkaufen. Da alle Molkereiunternehmen in einer ähnlich schwierigen Situation gewesen seien, habe es zeitweise so ausgesehen, dass man die überschüssige Milch gar nicht mehr auf dem Markt unterbringe. Eine spürbare Entspannung sei dann ab Ende Mai eingetreten. »Aktuell ist die Auftragslage im heimischen Markt gut.« Die Exportmärkte seien hingegen deutlich weniger stabil. »Insgesamt sind wir aus Unternehmenssicht bisher aber relativ gut durch die Krise gekommen.«

Dorfer befürchtet jedoch, dass der Lebensmittelhandel seinen Preiskampf in den kommenden Monaten noch verstärkt. Ähnliche Entwicklungen seien auch von den Nachbarländern zu hören. »Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown bewirken bei vielen Verbrauchern eine stärkere Preissensibilität«, steht für Dorfer außer Zweifel. In welchen Bereichen sich der Preis der Milch in den heimischen und den Exportmärkten einpendelt, sei nur äußerst schwierig vorauszusagen. Jürgen Dorfer brachte aber auch seine Zuversicht zu Papier: »Insgesamt sollten sich die Rohstoffmärkte aber stabilisieren und wieder leicht befestigen.«

Dies dürfte die Milchbauern etwas trösten, auch weil sie am stärksten unter dem Preisdruck des Handels leiden, was sich an der Zahl der Milchbauern, die in der Molkereigenossenschaft Salzachtal organisiert sind, bemerkbar macht: Sie sinkt seit Jahren.

Trend zu Betriebsaufgaben wird sich verstärken

Das ging auch aus dem Bericht des Vorstandsvorsitzenden, Josef Schick, hervor. Er berichtete über einen seit Jahren anhaltenden Trend von Betriebsaufgaben. Der werde sich aufgrund der Tierhaltungsanforderungen und Düngeverordnungen wohl noch beschleunigen und weiter verstärken.

Denn die sogenannte Anbindehaltung ist nach wie vor gängige Praxis im Süden von Deutschland, wo es viele kleine Familienunternehmen gibt. Im Sinne des Tierwohls sollen Kühe von 2030 an nur noch in Laufställen leben, wo sie sich frei bewegen können, oder in Kombinationshaltung mit mindestens 120 Tagen Freigang oder Weide.

Oft sei das nicht nur mit einem Stallumbau und neuen Schulden verbunden, vielmehr stehe der Landwirt dann auch vor der Frage, wohin er denn bauen soll. Bei einem aktuellen Milchpreis von 33 Cent sei es schon jetzt schwierig, über die Runden zu kommen.

Waren es im Jahr 2016 noch 125 Betriebe, zählte man 2018 mit 110 Betrieben schon deutlich weniger und ein Jahr später waren es nur noch 102 Höfe, auf denen gemolken wird. Abgesehen von kleinen Schwankungen ist die produzierte Menge an Milch im gleichen Zeitraum kontinuierlich gestiegen. Die Milchmenge lag im Jahr 2011 bei rund 31 Millionen Kilogramm und steigerte sich bis zum vergangenen Jahr (2019) auf 34,8 Millionen Kilogramm. Im Durchschnitt lieferte jeder Betrieb 335 000 Kilogramm ab. Der zuletzt erzielte Milchpreis, den der Abnehmer, die Privatkäserei Bergader in Waging am See, bezahlt, liegt bei knapp 33 Cent inklusive Prämie für die gentechnikfreie Milcherzeugung. (35 Cent war der Durchschnittspreis des vergangenen Jahres bis zur Coronakrise)

Wie Schick informierte, nahm er unter anderem an zwei Preisgesprächen teil, die auf Initiative und unter der Moderation des Geschäftsführers der Dachorganisation der Milchlieferanten (der Bayern-MeG), Markus Seemüller, bei Bergader stattgefunden haben. Dabei sei erreicht worden, dass alle Liefergemeinschaften den gleichen Vertrag mit dem gleichen Ablaufdatum erhalten haben. Im Wesentlichen gehe es bei den neuen Verträgen um Ergänzungspunkte, die das Tierwohl und die Herkunft der Futtermittel betreffen: Da die ganzjährige Anbindehaltung von den Vermarktungspartnern (Einzelhandel) der Molkereien künftig nicht mehr als akzeptabel betrachtet werde und daher einer zeitlichen Begrenzung unterliege, wolle die Privatmolkerei Bergader die Betriebs-Umstellung auf Laufstall und Kombihaltung forcieren und fördern. Falls der Handel eine Kennzeichnung fordere, könne die Molkerei die Milch getrennt erfassen, und die Kosten dafür dem Milcherzeuger in Rechnung stellen. Eine fristlose Kündigung sei bei erheblichen Tierwohlverstößen möglich, wenn der Tierhalter diese nicht dauerhaft abstelle. Zudem sollten die Bauern beim Füttern der Kühe keine Futtermittel mehr aus Übersee verwenden, so Schick.

Gute Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat

Von einem leichten Rückgang der Umsatzerlöse in der Molkereigenossenschaft Salzachtal sprach Steuerberater Peter Veiglhuber vom Steuerberatungsbüro Poller in Tittmoning. Veiglhuber hatte auch den unspektakulären Jahresabschluss dargelegt. Offensichtlich zufrieden mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung genehmigte die Versammlung dann einstimmig den Jahresabschluss. »An der Höhe der Rücklagen sieht man die gute Arbeit von Aufsichtsrat und Vorstand«, hieß es, ehe die Versammlung die Unternehmensorgane einhellig entlastete.

Die Molkereigenossenschaft Salzachtal besteht aus zwei Führungsgremien: Der Vorstand leitet die Geschäfte, während der Aufsichtsrat die Kontrollfunktion ausübt. Beide Gremien waren bislang mit einer gleichbleibenden Anzahl an Mitgliedern besetzt, die aber nicht gleichzeitig gewählt worden sind. So endete nun die Amtszeit von Andreas Maier aus Hausmoning, der im Vorstand saß. Dieser Posten wurde nun aufgrund rückläufiger Mitgliedsbetriebe nicht mehr besetzt.

Turnusgemäß schieden aus dem Aufsichtsrat Ernst Langer aus Aich, Martin Dandl aus Pietling und Rainer Obermayer aus Kirchanschöring aus. Die Versammlung war sich jedoch einig, Langer, Dandl und Obermayer wieder zu Aufsichtsräten zu ernennen. ca