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»Ist die Hüttengaudi noch zu retten?«

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Waging: »Ist die Hüttengaudi noch zu retten?« – Diskussion im Pfarrheim
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Der Redebedarf bei den Jugendlichen ist groß. Aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting waren die Jugendlichen gekommen – und standen teilweise sogar noch in den Gängen oder im Garten des Pfarrhofs. (Foto: Sojer)

Waging am See – Großes Interesse hatten viele junge Leute am Diskussionsabend im Waginger Pfarrheim, der vom Pfarrverband Waging, der Kolpingfamilie und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) gemeinsam veranstaltet wurde. Das Thema lautete »Ist die Hüttengaudi noch zu retten?«.


Vor zwei Jahren gab es schon einmal eine Diskussionsrunde unter dem Motto »Saufen, bis der Arzt kommt« mit der Frage, ob Hütten- und Bauwagentreffs zur Saufparty ausarten. Schon damals war das Interesse der Jugendlichen riesengroß, und diesmal kamen noch mehr, nämlich von 51 verschiedenen Hütten und Bauwagen aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting.

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Eingeladen zur Gesprächsrunde wurden Florian Appelt vom Jugendamt in Traunstein, Wagings Bürgermeister Matthias Baderhuber, der Dienststellen-leiter der Polizei Laufen, Erwin Wimmer, und Jugendbeamter Florian Lebesmühlbacher. Tobias Posch und Elias Leitner sowie Lucia Riedl und Lena Lamminger vertraten ihre Hüttenfreunde als Sprecher.

Hauptgründe der Jugendlichen unter 18 Jahren, sich in Hütten oder Bauwagen zu treffen, sind Spaß zu haben, ungestört Party machen und viele Leute kennenlernen – Alkohol trinken und rauchen inbegriffen. Doch leider artete die eine oder andere Party in jüngster Zeit aus und wurde von der Polizei aufgrund der Besuchermassen und exzessiven Alkoholmissbrauchs aufgelöst. »Für mich, besonders als kirchlicher Mitarbeiter, ist es wichtig, Jugendlichen einen Raum zu geben, wo man miteinander solche Dinge ausdiskutiert«, erklärte Gemeindereferent und Moderator Martin Riedl, der die Idee zur Diskussionsrunde hatte.

»Wissen nie, mit wem wir es zu tun haben«

Viele Fragen, Klagen aber auch so einige Vorwürfe kamen von den Jugendlichen. Da war der intolerante Nachbar, der die Polizei ano-nym rief, genervte Polizisten, die zu einem Einsatz nur mit Widerwillen kommen, zudem die unfaire und harte Behandlung, als wäre man ein Schwerverbrecher. Schließlich kam auch die Meinung auf, dass die Beamten der Laufener oder Traunsteiner Polizei viel strenger seien als ihre Trostberger Kollegen. Hinzu komme der bedrohliche Auftritt, wenn die Polizei mit einem »Kampfhund« aufmarschiere, so die Meinung der Jugendlichen. »Auch wir müssen uns schützen, denn wir wissen nie, mit wem wir es zu tun haben«, rechtfertigte sich Polizist Erwin Wimmer. »Wir werden nicht nur verbal angegriffen.«

Aber was passiert, wenn die Polizei kommt? Alarmiert wird sie von genervten Bürgern, die keineswegs anonym anrufen. »Als Exekutive sind wir verpflichtet, dass Gesetze eingehalten werden, zum Schutz aller Bürger. Und da werden wir auch durchgreifen«, betonte Erwin Wimmer. Es werden Ermittlungen aufgenommen und dann kommt alles zum Landratsamt auf den Tisch. Da vier Rechtsbereiche betroffen sind, muss zunächst geprüft werden, welche einzelnen Gesetzesverstöße im Jugendschutzgesetz, Baurecht, Gaststättenrecht, Landesstraf- und Verordnungsgesetz vorliegen.

»Bei uns gibt es immer weniger Möglichkeiten, für die zwischen 16- und 18-Jährigen. Wir müssen nach Österreich fahren, weil es dort mehr Freiheiten gibt. Wir wollen nicht nur vorm Fernseher oder Computer sitzen«, beschwerte sich ein Jugendlicher. »Wenn bei uns ein Veranstalter ein Event anmeldet, ist unsere erste Frage: ab 16 oder 18 Jahren? Es sind nicht wir, die das bestimmen«, erklärte Wimmer. Der Grund, dass Veranstalter den Einlass unter 18 verwehren, ist, dass an der Bar Hochprozentiges ausgeschenkt wird. Vereinzelt gäbe es noch Veranstalter, die Verantwortung für die unter 18-Jährigen übernehmen würden und alles mit der Dienststelle durchsprechen. »Hut ab vor denen, die es dann trotzdem machen. Es ist verdammt schwierig, wenn ich heute 16-Jährige mitziehe«, sagte Wimmer. »Deswegen gibt’s Hütten, da interessiert nämlich koan«, gab ein Jugendlicher daraufhin offen zu.

Partys, die aus dem Ruder laufen, Vermüllung, Pöbeleien, Sachbeschädigungen und Körperverletzung – so soll es künftig nicht mehr laufen. Martin Riedl fragt nach Kompromissen; »Wie wär es denn, wenn ihr einfach auf Schnaps verzichtet?« In den Gesichtern der Jugendlichen war schon ein stilles Nein zu erkennen. Bürgermeister Matthias Baderhuber sagte daraufhin: »Wir haben 2018 mit einem Regionalteam vom Landratsamt schon einmal nach einem Kompromiss gesucht, wie man Hüttenpartys legal machen könnte. Wir kamen zwar zu einem Ergebnis, aber in der Praxis würde es sicher nicht funktionieren.«

»Wir als Kommune stehen euch zur Seite«

Wonnebergs Bürgermeister Martin Fenninger forderte: »Vereine sollten sich mehr trauen, die zwischen 16- und 18-Jährigen miteinzubinden. Allerdings müssen die Eltern Verantwortung tragen.« Diese sollte nicht auf die Veranstalter abgeschoben werden, »sonst wird das nichts«. Baderhuber versprach: »Wir als Kommune stehen euch zur Seite und können euch unterstützen. Aber ihr müsst auf uns zugehen.«

Auf einen gemeinsamen Nenner kam man an diesem Abend nicht, aber immerhin wurde schon einmal miteinander geredet. Gemeindereferent Martin Riedl wünscht sich von den Jugendlichen: »Lernt Verantwortung zu tragen, habt euch unter Kontrolle und feiert im vernünftigen Rahmen.« soj