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»Wir können nichts machen«

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Die Traunsteiner Klosterkirche wird zur unendlichen Geschichte. Jede Sitzung muss sich der Stadtrat wieder mit Mehrkosten befassen – und das sorgt für Zündstoff.

Traunstein – Mittlerweile belaufen sich die Kosten für die Sanierung der Klosterkirche auf 11,1 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die Maler- und Putzarbeiten. Es kommen also voraussichtlich noch mindestens 700 000 Euro dazu. Die stetige Kostensteigerung sorgte im Traunsteiner Stadtrat erneut für Zündstoff.


»Wir sind darüber nicht erfreut«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). Das freue niemanden, weder ihn, noch den Rat. »Aber es ist nicht zu vermeiden.« Kegel führte verschiedene Gründe an, warum die Kosten für die Klosterkirche auf mittlerweile 11,1 Millionen Euro gestiegen sind – wie etwa die archäologischen Ausgrabungen, die acht Monate statt geplanter sechs Wochen gedauert hätten, dürftige Sanierungsarbeiten in der Vergangenheit, unerwartete Probleme mit dem Dachstuhl und nun die Fürther Firma, die mit Putz- und Malerarbeiten beauftragt worden sei, aber mit der Arbeit nicht begonnen habe. Das Gewerk habe nun europaweit neu ausgeschrieben werden müssen, wie Oberbürgermeister Christian Kegel sagte.

»Können Veranstaltungen abgehalten werden?«

Uwe Steinmetz (UW) gab zu bedenken, dass in diesem Jahr Jubiläum gefeiert werde in Traunstein. »Ich frage mich, ob die Veranstaltungen überhaupt abgehalten werden können?«

Das bestätigte Oberbürgermeister Christian Kegel. »Im Inneren wird die Klosterkirche ja fertig sein, die Sommerkonzerte können also stattfinden.«

»Das ist wieder eine Million Euro mehr als im Oktober. Da kann ich nicht zustimmen«, betonte Dr. Christian Hümmer (CSU). Die CSU habe bereits vor seiner Zeit im Stadtrat immer vor dieser Entwicklung gewarnt. »Und das hat sich jetzt alles bewahrheitet.« Es könne nicht sein, dass die ständige Kostensteigerung einfach hingenommen werde. »Wir sollten jetzt wirklich anfangen, zu schauen, wo wir einsparen können.« Als mögliches Beispiel nannte er die geplante Pflasterung am Klosterberg und auf der Ludwigstraße im Bereich der Klosterkirche. »Das macht eh keinen großartigen Sinn«, sagte Dr. Christian Hümmer. Außerdem frage er sich, wie es sein könne, dass im Haushalt mit 11,1 Millionen Euro gerechnet werde, die fortgeschriebene Kostenprognose des Architekten aber bereits von 12,2 Millionen Euro ausgehe.

Dritte Bürgermeisterin Traudl-Wiesholler Niederlöhner (SPD) betonte, dass sie es Leid sei, in jeder Sitzung über die Kostensteigerung zu diskutieren. »Wir wissen, warum es teurer wird und das wird gut begründet.« Auch die AKG-Turnhalle werde deutlich teurer und später fertig. »Aber davon habe ich fast nix gehört«, betonte sie und ergänzte: »Es gibt sehr viele Befürworter der Klosterkirche, aber die schreien nicht so wie die Kritiker.«

»Wir zerreden das permanent«

In diese Richtung ging auch die Äußerung von Burgi Mörtl-Körner (Grüne): »Wir zerreden das permanent. Wir sollten gute Stimmung machen. Zu Traunstein lebens- und liebenswert gehört die Klosterkirche. Ich bin froh, wenn sie endlich fertig ist.«

»Ich bin ein großer Befürworter der Klosterkirche«, sagte Karl Schulz (CSU). »Aber die Kostenmehrung reißt und reißt nicht ab. Das ist ein Faktum.« Fest stehe, dass Verzögerungen am Bau viel Geld kosten würden. »Aber das Projekt zu stoppen, geht nicht. Wir haben uns mehrheitlich dafür entschieden, also müssen wir da jetzt durch und den Weg gemeinsam gehen.«

Ähnlich sah das auch Wilfried Schott (Grüne): »Wir können nichts machen. Also Augen zu und durch.«

Von einer »sehr prekären Situation« sprach Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste). Aber ein Stillstand würde jetzt noch teurer kommen.

Josef Kaiser (UW) betonte, dass Einsparpotenziale gefunden werden müssten. Er sprach sich – wie bereits in einer vorangegangenen Sitzung – gegen eine Pflasterung der Fahrbahn aus. »Wir haben beim Schneechaos gesehen, was das für Auswirkungen hat, wenn der Klosterberg gesperrt ist«, blickte er voraus auf die möglichen Bauarbeiten, falls die Straße gepflastert würde. »Die Fahrbahn haben wir, dann lassen wir das doch so!« Sein Fraktionskollege Albert Rieder (UW) fragte nach den Kosten.

Oberbürgermeister Christian Kegel sagte zu, untersuchen zu lassen, welcher Betrag eingespart werden könne ohne Pflasterung.

Mittlerweile Kosten von fast zwölf Millionen Euro

Die Kostenschätzung für die Sanierung der Klosterkirche lag 2014 bei 7,47 Millionen Euro, die Kostenberechnung bei 8,03 Millionen Euro (Stand 2015) und die fortgeschriebene Kostenberechnung (Stand 2016) bei 8,8 Millionen Euro. Seit Beginn des Umbaus steigen die Kosten nun Monat für Monat an. Im Januar 2018 lagen die Gesamtkosten bei 9,4 Millionen Euro, ein Jahr später sind es nun 11,1 Millionen Euro plus rund 700 000 Euro für die neu ausgeschriebenen Maler- und Putzarbeiten, also fast zwölf Millionen Euro.

Trotzdem stimmte der Traunsteiner Stadtrat mit deutlicher Mehrheit folgenden Nachträgen zu: Gewerk Zimmerer, geprüfte Nachtragssumme von 23 755 Euro, Gewerk Baumeister, geprüfte Nachtragssumme 10 346, Gewerk Tischler Fenster, Türen außen, geprüfte Nachtragssumme von 43 235 Euro, Gerüst Detterbeck, geprüfte Nachtragssumme von € 121 868 Euro, Gewerk Heizung, geprüfte Nachtragssumme € 19 055 und Gewerk Sanitär, geprüfte Nachtragssumme von € 5678 Euro.

Abgelehnt wurde der Beschlussvorschlag von Nikolaus Schneider, Dr. Christian Hümmer und Stefan Namberger von der CSU-Fraktion. KR