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Von Baum zu Baum

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Angelika Sieger stellt ihre Werke derzeit in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus aus. (Foto: Benekam)

Bäume und »Bäumliches«, großformatig in Ölfarben auf unbehandelter Leinwand oder naturfarbenem Nessel, ist derzeit in der Alten Wache in den Ausstellungsräumen des Traunsteiner Rathauses zu sehen.


Die Werke von Angelika Sieger an den hohen Wänden wirken wie eigens für diesen Raum geschaffen, füllen ihn mit Farbe und Rhythmus, machen sich ihn zu eigen und ziehen damit die neugierigen Blicke auf sich. »Baum« – kurz und prägnant ist der Titel der Ausstellung, er lässt Raum für Ideen und Fantasie. Diese Kunstausstellung ist dem »Baum« gewidmet. Nicht einem bestimmten, sondern dem Wesen Baum. Oder dem Baum-Wesen, wie es Sieger in sich spürt und in ihrer Kunst sicht- und erlebbar macht.

Sigrid Ackermann, Vorsitzende der ARTS Kulturfördervereinigung Traunstein, hielt eine Einführung zu der besonderen Auswahl von Werken Angelika Siegers. Damit tat sie es der Künstlerin gleich: Weniger ist mehr. Sie traf mit wenigen Worten thematisch ins Schwarze, vermochte mit beschreibenden Worten das in Szene zu setzen, was das Kunstschaffen Siegers ausmacht.

Die zahlreichen Gäste folgten der kunstverständigen Einführung mit großem Interesse: Der Baum war und ist Künstlern seit der Antike Bildgegenstand. Die Kunst des 20. Jahrhunderts hat die gegenständliche Form weitgehend aufgelöst und durch eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Farbe und Form abgelöst. Farbliche Energiefelder haben formale Entsprechungen.

Angelika Siegers gestalterischer Anspruch und schöpferische Energie, erklärte Ackermann, zeige sich im inneren Zusammenhang zwischen Farbe, Form, Pinselduktus und Bewegungsrhythmik. Ihre Bilder wecken Kommunikation, die auch allein über das Visuelle funktionieren kann, wobei die Farbe den Weg zum Gemälde führt: Farbräume, Farbfelder, die atmen, sich verdichten und weiten. Farbschichten, halbdeckend übereinander, leuchten diffus, saugen die Augen des Betrachters ins Bild.

Es herrscht eine verborgene Anziehungskraft, die dem Rezipienten eigene Gedanken ermöglicht und ihn in einen emotionalen Prozess einbezieht. Er sieht das Rauschen in den Bäumen, den Wind in den Zweigen, das lebendige Farbspiel der Blätter, spürt Inspiration und ihren schöpferischen Drang. Angelika Sieger »erzählt« in ihren Bildern von Bäumen und trifft ihren Betrachter über sein Auge ins Herz.

Ihre künstlerische Ausbildung hat Angelika Sieger an der Bayerischen Akademie der Bildenden Künste München (Professor Jerry Zeniuk) absolviert. 2008 begann eine rege Ausstellungstätigkeit in Rosenheim, Wasserburg und vor allem in München. Seit 2014 ist sie Dozentin an der »Kunst-Akademie EigenArt«, hat Anteil am Bayerischen Atelierförderprogramm und gibt neben dem umfangreichen eigenen Schaffen Malkurse.

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag und ist bis Freitag täglich von 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag und am Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Kirsten Benekam