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Unvergessliche »Augenblicke«

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Barbara Mills zeigt Bilder wie »Harlekin« in der Alten Wache in Traunstein. (Foto: Giesen)

Barbara Mills ist schon lange keine Unbekannte mehr in der Region und weit darüber hinaus. In den vergangenen 30 Jahren hat sie ihre von Licht durchfluteten Öl- und Aquarellbilder zum Beispiel in Seebruck, Gstadt, Siegsdorf, in der Städtischen Galerie und im Kulturzentrum Traunstein ausgestellt. Eine kleine Retrospektive ihrer, in den vergangenen 20 Jahren entstandenen Arbeiten ist noch bis Sonntag in der Alten Wache in Traunstein zu sehen.


Besonders ins Auge fällt dort sofort ein großformatiges Ölgemälde an der Stirnseite des Raums zwischen den Fenstern: »Harlekin«, ein Porträt der Tochter von Barbara Mills im Harlekingewand. Vom Alter her kindlichen Verkleidungen längst entwachsen, sieht das junge Mädchen nachdenklich vor sich hin. Vor dem bequemen Sessel liegt achtlos eine Puppe am Boden, die nach ihrer Hand zu suchen scheint, für die sich das hübsche Mädchen aber offensichtlich schon lange nicht mehr interessiert. Eine in Farben, Ausdruck und harmonischer Komposition einmalig schöne Arbeit!

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Es lohnt sich aber auch, die übrigen Bilder von Barbara Mills – überwiegend Öl- und Aquarellbilder, aber auch viele Studien in Mappen zum Durchblättern – genauer zu betrachten.

Die Künstlerin ist fasziniert vom Licht in südlichen Ländern. Da gibt es helle, freundliche Bilder aus Südfrankreich, Saint-Tropez, oder der Toscana, aber natürlich auch von der hiesigen Region wie Frauenchiemsee, Seeon, Seebruck, vom Tegernsee oder Mittenwald. Ein weiterer Schwerpunkt der Künstlerin ist die Aktmalerei, die sie bereits viele Studenten in ihrem eigenen Atelier lehrte.

Barbara Mills, 1938 in Dresden geboren, zeichnete und malte seit frühster Jugend, auch angeregt von ihrem Großvater, der seine Geschwister oft porträtierte und dessen Bilder sie bewunderte. Ihr Vater war 1945 im Krieg gefallen, sodass sie als einzige Tochter mit der Mutter nach Berlin zog und nach dem Abitur Industriekauffrau im Export wurde. Dafür arbeitete sie in einem Betrieb, der hochwertige Spiegelreflexkameras (darunter die für Kenner legendäre Exakta Varex) herstellte und auch vielfach ins Ausland verkaufte. »Ich habe mich sehr für Fotografie interessiert«, erzählt Barbara Mills. Fotografieren sei eine unvergleichliche »Schule des Sehens«, wobei sie sehr viel gelernt habe. 1959 zog sie erst nach Nürnberg und zwei Jahre später nach München, wo sie zum Beispiel bei der »Quick« – damals eine sehr bekannte Illustrierte – als Werbeassistentin arbeitete. In München heiratete sie 1964 ihren Mann, mit dem sie einen Sohn und fünf Jahre später eine Tochter bekam. In München nahm sie auch Malunterricht bei Jörg Schreyögg, der an der Münchner Kunstakademie lehrte, und drei Jahre bei Professor Jürgen Knabe im katholischen Bildungswerk, was sie mit Diplom abschloss.

Daraufhin konnte sich Barbara Mills zusehends der Malerei widmen. Neben vielen Reisen in südliche Länder unterrichtete sie fast 15 Jahre als Dozentin an der Volkshochschule München und Freising figürliches Zeichnen und Malen, darunter auch das Fach »Akt und Kostüm«. In der Zeit hatte sie in München und Umgebung zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

Seit über 20 Jahren ist Barbara Mills Mitglied im Kunstverein Traunstein und der Vereinigung Bildender Künstler in München. Seit zehn Jahren werden ihre Frauenporträts auch regelmäßig im Frauenkalender des Frauenwerks Stein (bei Nürnberg) veröffentlicht.

Die Besucher der Alten Wache können diese besondere Ausstellung von Barbara Mills bis einschließlich Sonntag sehen. Sie ist täglich von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Christiane Giesen