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Temporärer Radweg wird »wenig bis gar nicht angenommen«

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Noch nicht angenommen haben die Grundschüler den Weg, den die Stadt vorübergehend auf der Ludwigstraße angelegt hat. Auch am ersten Schultag im neuen Jahr herrschte große Leere auf dem mit Leitbaken abgetrennten Streifen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Auf bislang geringes Interesse stößt der Radweg, den die Stadt vorübergehend auf der Ludwigstraße angelegt hat. Die mit Leitbaken abgetrennte, 170 Meter lange Strecke werde »wenig bis gar nicht angenommen«, sagte Konrad Baur (CSU), der Referent für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Mobilität, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Die Stadt hat den temporären Angebotsstreifen am 1. September eingerichtet, um den Mädchen und Buben, die mit dem Rad zur Ludwig-Thoma-Grundschule fahren, Sicherheit zu geben. Das Provisorium wird am 25. September wieder aufgelöst.

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Wie schon zuvor nahm auch am Dienstag zum Start ins neue Schuljahr kaum ein Radfahrer das Angebot wahr, sich von den Autos getrennt auf der viel befahrenen Straße sicher fortzubewegen. Viele Grundschüler machten sich zu Fuß auf den Weg zum Unterricht, kaum einer fuhr mit dem Rad. Auf der Ludwigstraße traten vor allem Erwachsene in die Pedale.

Immer wieder war auch zu beobachten, dass Fahrradfahrer, die stadteinwärts unterwegs waren, den Angebotsstreifen – warum auch immer – mieden. Stattdessen fuhren sie auf dem Streifen, der für die Autos vorgesehen ist.

Beobachtungen dieser Art macht Stadtrat Konrad Baur, wie er berichtet, immer wieder. Der Referent für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Mobilität – früher sprach man vom Verkehrsreferenten – hat sich den provisorisch angelegten Radweg in den vergangenen Tagen, wie er berichtet, »mehrfach zu verschiedenen Zeiten angeschaut«. Und vor Ort habe er feststellen müssen, dass Radfahrer immer wieder einen Bogen um den Weg machen, der doch gerade für sie reserviert ist.

Der Referent kann sich vorstellen, dass diese Radfahrer womöglich den mit Leitbaken von der Fahrbahn abgetrennten Radweg als Baustelle wahrnehmen. Er sei jedoch eindeutig als Radweg ausgeschildert. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben erfüllt und das Provisorium so wie gewünscht – das Projekt geht auf einen Antrag der Fraktion SPD/Die Linke im Stadtrat zurück – eingerichtet.

Mitunter stehen auch unüberwindliche Hindernisse im Weg, die eine Fahrt auf dem abgetrennten Streifen unmöglich machen. So hat Baur etwa auch schon feststellen müssen, dass jemand auf dem Radweg eine Vespa abgestellt habe. So ein Verhalten sei »seltsam« und »nicht im Sinne des Erfinders« – und damit all jener, die die Ausweisung des Weges angeregt haben.

Auch der weitere Fortgang des Projekts ist laut dem Referenten genau zu beobachten. So spricht sich Baur insbesondere auch dafür aus, wie er weiter sagte, an einem Tag einmal genau zu überprüfen, wie viele Radfahrer nun tatsächlich den knapp 200 Meter langen Angebotsstreifen am südlichen Fahrbahnrand der Ludwigstraße nutzen.

Für nicht ratsam hält er es, in das Projekt einzugreifen. So ist er dagegen, etwas zu verändern und zum Beispiel die von der Stadtverwaltung geschaffene Ausweisung des Fahrradstreifens zu überprüfen. Das auf dreieinhalb Wochen begrenzte Pilotprojekt sei so zu Ende zu führen, wie es am Anfang begonnen habe. Und dann, wenn die Leitbaken wieder entfernt worden sind, müsse man die im gesamten Zeitraum gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen auf den Tisch legen und bewerten.

Auf Antrag der Fraktion von SPD/Die Linke hatte im Juli der Ausschuss für Mobilität, Umwelt und Nachhaltigkeit des Stadtrats mit sechs zu vier Stimmen die Schaffung eines sogenannten Pop-up-Radwegs auf der Ludwigstraße beschlossen. Das Gremium verfügte, dass die Stadt zum Schutz der Grundschüler vom 1. bis 25. September rund 170 Meter mit Barken vom Rest der Fahrbahn abtrennt und diesen Streifen dann für die Radfahrer reserviert. 16 Parkplätze können nicht genutzt werden.