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Stadtwerke erhöhen Strompreise für Haushalte

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Traunstein: Stadtwerke erhöhen Strompreise für Haushalte
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Im Umspannwerk nahe Geißing übernehmen die Stadtwerke den Strom, den sie andernorts ein- und dann an ihre Kunden weiterverkaufen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadtwerke erhöhen die Strompreise für Privatkunden zum 1. Januar im Durchschnitt um 6,9 Prozent. Wenn ein Haushalt eine Kilowattstunde abnimmt, dann muss er statt 27,49 Cent künftig dann 29,39 Cent bezahlen. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt haben Stefan Will und Josef Loscar, die beiden Geschäftsführer, betont, die GmbH sei gezwungen, an der Preisschraube zu drehen. Denn ihren Angaben zufolge steigen die Abgaben und Steuern, die Netzentgelte sowie die Einkaufspreise.


Von dem erhöhten finanziellen Aufwand, sich den Strom zu beschaffen, können nicht nur die Stadtwerke ein Lied singen. Auch viele andere Stromanbieter in Bayern führen dieselbe Klage. Und so ist die städtische GmbH auch längst nicht der einzige Händler auf dem Markt, der nun die Preise anhebt.

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Stadtwerke versorgen 12.000 Kunden mit Strom

Mit Strom versorgen die Stadtwerke Traunstein insgesamt rund 12.000 Kunden: in der Hauptsache private Haushalte, daneben aber auch Gewerbe- und Industriebetriebe. Die Kundschaft ist von Ausnahmen abgesehen in Traunstein angesiedelt. Jenseits der Stadtgrenze besitzt die GmbH nur wenige Abnehmer.

Wer Haushaltskunde ist und einen Vertrag mit der GmbH abgeschlossen hat, der bekommt nach Angaben von Stefan Will Strom, der ausschließlich über Wasserkraftwerke gewonnen wird – Strom aus Atomkraftwerken sei kein Thema. Aber nur wenige Prozent der gesamten Menge, die die GmbH verkauft, erzeugt sie seinen Angaben zufolge selbst, den weitaus größten Teil kauft sie ein – und zwar in Österreich.

Die beiden Geschäftsführer machen kein Hehl daraus, dass der Wettbewerb immer weiter zunimmt. Ihren Angaben zufolge haben die Stadtwerke schon zahlreiche Kunden verloren, die zur billigeren Konkurrenz gegangen sind. Vor allem im Internet seien viele Anbieter unterwegs, die den Strom günstiger als die Stadtwerke anbieten. Anders als diese Händler wollen Will und Loscar jedoch nicht mit Dumpingpreisen arbeiten. Im zunehmenden Konkurrenzkampf setzen die beiden Geschäftsführer vielmehr auf eine andere Trumpfkarte, die – wie sie hoffen – noch lang stechen wird. »Wir sind für die Leute vor Ort da«, sagt Loscar. Anders als ein Händler, der nur im Internet erscheint, zeige die GmbH Präsenz. Wer Strom von den Stadtwerken beziehe, könne immer anrufen und vorbeikommen.

Die Stadtwerke vertrauen darauf, dass die Kunden auch weiterhin diesen Service vor Ort schätzen und ihnen aus diesem Grund die Treue halten. Und die Rechnung geht auch immer wieder auf. »Vor allem ältere Leute wollen mit uns reden«, sagt Loscar. Die Mitarbeiter der Stadtwerke kümmern sich seinen Angaben zufolge persönlich um die Kunden. Und in dieser Ausrichtung verzichte die GmbH auch auf eine »aktive Werbung«.

Konkurrenz steigt und steigt

Was den Stromverkauf in Traunstein betrifft, so sind die Stadtwerke trotz steigender Konkurrenz nach wie vor der »Platzhirsch«. So schätzt Will, dass rund 70 der rund 100 Millionen Kilowattstunden, die pro Jahr in der Stadt von den Haushalts- wie auch von den Gewerbe- und Industriekunden verbraucht werden, von den Stadtwerken geliefert werden. 30 Millionen kämen von anderen Anbietern. Will will die Gefahr nicht von der Hand weisen, dass die Anteile, die auswärtiger Händler am Strommarkt in Traunstein halten, weiter steigt. »Es ist Bewegung auf dem Markt«, sagt der Geschäftsführer. Aber nicht immer entwickeln sich Dinge, wie er weiter durchblicken lässt, zum Schlechten für die Stadtwerke Traunstein. »Einige Händler sind pleite gegangen.«

Beträchtlich ist der Aufwand, den die Stadtwerke gemäß den beiden Geschäftsführern im Stromhandel betreiben müssen. Und vor allem: Die Tendenz sei steigend. Die Stadtwerke seien in der Folge gezwungen, den Mehraufwand auf die Kunden umzulegen – was dann letztlich bedeutet, dass sie, wie jetzt wieder, die Preise erhöhen. Zum einen nehmen laut Loscar die Abgaben und Steuern immer weiter zu. Er sagt, dass derzeit nicht weniger als 21 Cent pro Kilowattstunde abzuführen seien. Zum anderen müssen die Stadtwerke laut Loscar immer höhere Netzentgelte bezahlen: Wenn sie Strom aus Österreich importieren, dann fließt er seinen Angaben zufolge durch Leitungen, die den Stadtwerken nicht gehören – wofür sie dann zur Kasse geben werden. Und nicht zuletzt steigen auch die Preise, die die Stromerzeuger verlangen.

Nach einer Erhöhung zum 1. April 2019 ist die Anhebung zum 1. Januar 2020 die zweite binnen kurzer Zeit. Und womöglich geht's so weiter. So möchte Geschäftsführer Will nicht ausschließen, dass der Strom der Stadtwerke 2021 dann erneut teurer wird.

Gewerbe muss auch mehr zahlen

Nicht nur die Haushalts-, sondern auch die Gewerbe- und Industriekunden müssen künftig mehr für den Strom bezahlen, den sie von den Stadtwerken beziehen. Wie viel mehr die Kilowattstunde für sie im Durchschnitt kostet, lässt sich nach Angaben von Stefan Will, einem der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH, nicht angeben. Denn die Kunden hätten unabhängig von einander einzelne Abmachungen mit der GmbH getroffen. Ebenso wie in der Versorgung der privaten Haushalte steige auch im Fall der Lieferung an gewerbliche Abnehmer der Aufwand der Stadtwerke, den sie betreiben müssen, um ihre Abnehmer mit der Energie zu versorgen, die sie benötigen.

Die Gewerbe- und Industriekunden erhalten laut Will den bundesdeutschen Strommix – womit dann auch Strom geliefert wird, der aus Atomkraftwerken stammt. Wenn sie bereit sind, mehr zu bezahlen, könnten die Betriebe auch Strom, gewonnen aus Wasserkraft, bestellen.