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Staatsanwaltschaft und Kripo Traunstein decken Millionenbetrug mit Schutzmasken auf

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Traunstein: Millionenbetrug mit Corona-Schutzmasken von Staatsanwaltschaft und Kripo aufgedeckt
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Foto: Rene Traut/dpa

Landkreis Traunstein – Einen international angelegten Millionenbetrug mit Schutzmasken haben die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei Traunstein aufgedeckt. Der Geschäftsführer einer betrogenen Firma, der sich im Landkreis Traunstein mit einer Corona-Infektion in Quarantäne befindet, hatte Anzeige gegen die bislang unbekannten Betrüger erstattet. Diese wollten Atemschutzmasken, die gar nicht existieren, zum Preis von fast fünfzehn Millionen Euro an den Mann bringen.


Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag mitteilte, konnte ein Großteil der bereits ins Ausland überwiesenen Gelder gesichert werden. Die Spezialabteilung der Behörde zur Verfolgung grenzüberschreitender Kriminalität (»Traunsteiner Modell«) war wieder einmal erfolgreich.

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Der Geschäftsführer von zwei Vertriebsfirmen mit Geschäftssitzen in Zürich und Hamburg hatte Mitte März von vermeintlichen Anbietern aus dem asiatischen Raum Angebote zur Lieferung von Atemschutzmasken erhalten und suchte für diese daraufhin Abnehmer in Deutschland.

Das Land Nordrhein-Westfalen zeigte Interesse und wollte zehn Millionen Masken für knapp 15 Millionen Euro abnehmen. Die Übergabe der Masken sollte über mehrere Zwischenhändler in den Niederlanden erfolgen. Die Täter brachten die Mitarbeiter der Firma durch geschickte Täuschungsmanöver dazu, schon vor der Auslieferung rund 2,4 Millionen Euro als Anzahlung zu überweisen.

Für die Abholung und Auslieferung der Masken nach Nordrhein-Westfalen standen in den Niederlanden bereits 52 Lieferfahrzeuge bereit, die ab der deutschen Grenze von der Polizei begleitet werden sollten. Das Bundesland hatte schon 14,7 Millionen Euro an eine Schweizer Gesellschaft überwiesen. Allerdings kam es dann nie zur Lieferung der Masken.

Der deutsche Geschäftsführer der betrogenen Unternehmen, der sich nach einem Urlaub in Österreich mit dem Coronavirus infiziert hatte, befand sich Ende März im Landkreis Traunstein in häuslicher Quarantäne und hatte von dort die Anzahlungen an die angeblichen Lieferfirmen im Ausland veranlasst. Nachdem er erkannt hatte, dass er Betrügern aufgesessen war, erstattete er am 30. März Strafanzeige bei der örtlichen Polizei.

Effektive Eilmaßnahmen der Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei für zentrale Aufgaben Traunstein, der Wirtschaftsabteilung der Kripo und Ermittlungsbehörden in mehreren europäischen Ländern führten schnell zum Erfolg: Zwei Millionen Euro konnten bei verschiedenen Banken im Ausland eingefroren werden, sodass die Täter keinen Zugriff mehr auf das Geld haben. Das Land Nordrhein-Westfalen hat von der Schweizer Firma ebenfalls rund 12,3 Millionen Euro zurückbekommen.

Zum Verbleib des Restbetrags und hinsichtlich der Täter, die ihre Identität über eine Firma im europäischen Ausland verschleiert hatten, laufen in mehreren Ländern die Ermittlungen auf Hochtouren. »Aus ermittlungstaktischen Gründen« und »um die Ermittlungserfolge nicht zu gefährden«, will die Staatsanwaltschaft Traunstein hierzu noch keine weiteren Angaben machen.

EUROJUST, die Agentur für europäische Zusammenarbeit der Justizbehörden, sowie die europäische Interpol unterstützten die lokalen und deutschen Behörden bei den Ermittlungen.

Der Münchner Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle stellt klar: »Trotz der Herausforderungen der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen ist eine effektive Strafverfolgung – auch über Ländergrenzen hinweg – jederzeit gewährleistet. Die erfolgreiche und in kürzester Zeit umgesetzten Eilmaßnahmen zur Vermögenssicherung im vorliegenden Fall zeigen besonders, dass die Einrichtung von Spezialabteilungen nach dem Traunsteiner Vorbild mit der damit verbundenen Spezialisierung sowie der Optimierung der internationalen Zusammenarbeit der richtige Ansatz zur Verfolgung von grenzüberschreitender Kriminalität ist.«

red/fb