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Sichtbare »Innere Brüche« und »Scherben im Glas«

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Johann Plank: »Innere Brüche« (Zeichnungen auf Pergament, 30 x 30 cm).
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Luise Wittmann: »Scherben im Glas« (Objekt, Durchmesser 30 cm).

Die Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Traunstein wird in diesem Jahr ausschließlich im Internet zu sehen sein. Auf der Internetseite www.kunstverein-traunstein-galerie.de können Interessierte die Online-Galerie besuchen. Das Thema der Ausstellung lautet: »Bruchstück«, formale Vorgabe war die Einhaltung eines kreisrunden Bildformats. Unsere Zeitung stellt in einer losen Reihe verschiedene Kunstwerke aus der digitalen Ausstellung vor.


»Innere Brüche«

Seit der Porträtmalerei der Renaissance legen Künstler Wert darauf, in ihren Menschendarstellungen auch den Charakter eines Menschen an seinem Gesicht ablesbar zu machen. Im Expressionismus der klassischen Moderne aber erweitert sich die Bandbreite des Darstellbaren.

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Nun rückt der Anspruch des naturalistischen Abbilds in den Hintergrund. Interessant wird, das innere Wesen eines Menschen an die Oberfläche zu rücken – bei gleichzeitiger Vernachlässigung seiner Wiedererkennbarkeit. Farben und Malduktus repräsentieren Gefühle, Verzerrungen und Deformationen der Physiognomie sind Ausdruck innerer Zerrissenheit.

Johann Plank legt mehrere Zeichnungen auf Pergament übereinander, sodass es zu Überschneidungen, dem Entgleiten der Gesichtszüge und verwaschenen Konturierungen kommt. Im stummen Schrei erstarrt gibt er dem seelischen Schmerz und der Aggression ein Gesicht.

»Scherben im Glas«

In einem kreisrunden, transparenten Glasbehälter befinden sich Bruchstücke verschiedener Gläser. Diese unterscheiden sich farblich und variieren hinsichtlich ihrer Struktur, Größe und Form. Platziert ist das Behältnis auf einem Sockel, was die Bedeutung und den Kunstanspruch der Arbeit betont.

Der Blick in den Glasbruch macht deutlich, dass hier eine ordnende, strukturierende Hand tätig war, die nichts dem Zufall überlassen hat, um zu einem ausgesprochen ästhetischen Resultat zu kommen. Kristalline, farblich ansprechende und geometrische, eckige Formen schieben sich wie auf einem abstrakten Bild oder wie in einem Kaleidoskop ineinander.

Der intakte Glasbehälter hat dabei die untergeordnete Funktion einer Fassung, die Bruchstücke, die kaputten Teile sind es, die in Luise Wittmanns Arbeit die perfekte Ganzheit demonstrieren: Ein Scherbenhaufen als Designobjekt.