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Sensationelle Virtuosität

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Das Morgensterntrio mit Emanuel Wehse (links), Stefan Hempel (von rechts) und Catherine Klipfel würdigte zum Abschluss der Traunsteiner Sommerkonzerte besonders das Werk der anwesenden Komponistin Jacqueline Fontyn. (Foto: Heigl)

Neben den klassischen Musikstücken, die in den Traunsteiner Sommerkonzerten zu hören sind, gibt es die Tradition, die Zuhörer auch mit moderner Musik bekannt zu machen. Ein besonderer Glücksfall tritt ein, wenn der Komponist bei diesen Konzerten durch seine persönliche Anwesenheit einen zusätzlichen Aspekt des Zuhörens eröffnet – so wie beim Abschlusskonzert die Komponistin Jacqueline Fontyn, geboren 1930, was dem Abend eine besondere Note verlieh.


Um die Komponistin mit dem umfangreichen Schaffenswerk, das viele musikalische Genres umfasst, ausreichend zu würdigen, verlegten die Musiker ihr Konzertstück an diesem Abend vor die anschließende Pause.

Also eröffnete das Morgensterntrio das Konzert mit dem Klaviertrio op. 80 von Robert Schumann, das vom ersten Ton an mit seiner liedhaften Gestalt die Zuhörer fesselte. Nach dem auftrumpfenden Finale des ersten Satzes schmiegte sich das Violinenspiel von Stefan Hempel im 2. Satz »Mit innigem Ausdruck-Lebhaft«, geradezu in die Gehörgänge der Zuhörer.

Emanuel Wehse (Violoncello) und Catherine Klipfel (Klavier) ließen ebenfalls keine Wünsche offen. Sie zelebrierten gemeinsam mit Stefan Hempel in einheitlich abgestimmter, geschmeidiger Dynamik und fließenden Tempi die romantische Aussage des Stücks. Die lebhaften Ausbrüche, die raschen Abstürze und die bewegenden Durchbrüche der Komposition präsentierten die Musiker mit sensationeller Virtuosität und beseelter Klangvielfalt.

Mit dem Frühwerk Klaviertrio Nr. 1 (1956) von Jacqueline Fontyn, stellte das Morgensterntrio eine Komposition vor, in der sie ein letztes Mal die erlernten klassischen Formen angewendet hat. Den ersten Satz des zum Teil träumerischen »Allegros« mit seinen munter hüpfenden Sequenzen, spannend und lebhaft-intellektuell in Szene gesetzt, mochte das Publikum sofort. Im »Adagio assai« wurde das Klangbild von einer dramatisch-märchenhaften Stimmung gefärbt.

Das folgende »Fuga. Vivo« neckte die Ohren der Zuhörer mit scherzhaften Elementen, kleinen Jazz-Einsprengseln, und zeigte im 4. Satz dem »Allegro risoluto« großes Temperament. Der augenzwinkernde Ernst der Komposition, lässt auf einen selbstbewussten und reflektierenden Charakter der damals erst 26-jährigen Komponistin schließen. Ihr verschmitztes, feines Lächeln, als sie gemeinsam mit dem Trio auf der Bühne den verdienten Applaus entgegennahm, war wunderbar. Trotz des hohen Alters von 89 Jahren scheint sie noch nicht den Rückzug angetreten zu haben.

Nach der Pause begann bedeutungsschwer dahinrollend der 1. Satz des französischen Komponisten Ernest Chausson (1855 bis 1899). Das Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett, op. 21 beinhaltete unzählige Ideen, Wendungen, Fortissimo-Ausbrüche in schwelgerischer Pracht.

Das Stück wirkte aber vor allem im letzten Satz, »Trés animè«, so von musikalischen Ideen überfrachtet, dass sich beim Zuhören fast schon ein gewisser Widerwille einstellte. Das aber lag beileibe nicht an dem wunderbar aufspielenden Goldmund Quartett, das gemeinsam mit Stefan Hempel (Violine) und Catherine Klipfel (Klavier) sein fabelhaftes Können bewies.

Ein Mitschnitt des Konzerts ist am 14. September um 18.05 Uhr in der »Festspielzeit« auf BR-Klassik zu hören. Barbara Heigl